Kreis Kleve: Der kleine Buch-Marathon
VON JENNIFER MINKE - zuletzt aktualisiert: 27.02.2007Kreis Kleve (RPO). 14 Schüler traten gestern beim nördlichen Kreis-Entscheid des Vorlesewettbewerbs im Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gegeneinander an. Einziger Wermutstropfen: Nur ein Junge hatte sich gemeldet.
In der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium sitzen viele Mädchen. Die einen schauen ruhig und entspannt durch den großen, gut gefüllten Saal, andere dagegen unterhalten sich aufgeregt mit ihren Freundinnen. Beim genaueren Rundumblick fallen in der letzten Reihe zwei Jungen auf. Sie sind deutlich in der Minderheit. Dieses auffällige Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen ist bei dem stattfindenden Wettbewerb nichts ungewöhnliches: Beim traditionellen Vorlesewettbewerb, der bereits zum 48. Mal vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchgeführt und in Kleve von Stefanie Ingensand von der Buchhandel Hintzen organisiert und veranstaltet wurde, nehmen stets mehr Mädchen als Jungen teil.
Die Lesekünste
Nächsten Runden
Alle Teilnehmer des Vorlesewettbewerbes erhielten als Geschenk ein Buch. Die ersten drei Gewinner bekamen des Weiteren einen Buchgutschein im Wert von zehn Euro . Außerdem qualifizierten sie sich für die nächste Runde . Dann wird die Konkurrenz natürlich immer besser und auch die Fahrten zu den Bezirks- und Länderausscheiden werden länger. Das Finale findet im Juni statt. Dort treffen die Landesbesten aufeinander. Die Gewinner des Vorlesewettbewerbs in Kleve werden morgen in der Rheinischen Post veröffentlicht.
Gestern fand der Kreisentscheid am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium statt und 14 Schüler der 6. Klassen demonstrierten ihre Vorlese-Künste. Claus Hösen, Schulleiter vom „Stein“ und Deutschlehrer begrüßte die Schüler und wünschte den mutigen Vorlesern auf dem Vorlese-Podest viel Erfolg. „Schade, dass so wenig Jungen zum Lesen begeistert werden können. Das ist nicht in Ordnung und wir Lehrer müssen versuchen, das zu ändern. Ich bin sicher, dass alle Schüler heute beim kleinen Buch-Marathon gut vorlesen werden.“ Vor dem Vorlesewettbewerb musste aber bei vielen Schülern erst einmal die Aufregung gezähmt werden. Leonie Jansen von der Konrad Adenauer Hauptschule hatte eigens ihre Freundin mitgebracht, mit der sie die Aufregung ein wenig vergessen konnte. Außerdem hatte sie sich Kuchen von der Cafeteria besorgt – Nervennahrung kann schließlich nicht schaden. Die Maßnahmen waren eine gute Sache, denn sie war gleich die erste Vorleserin des Tages. Mit „Hexen küsst man nicht“ begann sie den Vorlesewettbewerb.
Das Heimspiel
Ein Heimspiel hatte die zwölfjährige Sophie Hilbertz, denn sie geht in die sechste Klasse des Freiherr-vom-Stein Gymnasium und ist auch außerhalb der Schule eine Leseratte. Sie hat Freundin Charlotte dabei, die ihr im Vorfeld ein wenig die Hand halten kann. „Ich lese zwar viel, aber es kommt ja selten vor, dass man anderen Leuten etwas vorliest. Deshalb ist das hier eine völlig andere Situation“, erzählte sie der RP.
Der Junge
Der Vorlesewettbewerb ist eine Leseförderaktion und möchte Kinder ermuntern, sich mit erzählender Literatur zu beschäftigen und aus ihren Lieblingsbücher vorzulesen. Auch Leroy Pitzner von der Hanna-Heiber-Hauptschule in Kranenburg, der einzige Junge zwischen all den lesefreudigen Mädchen, hat sein Lieblingsbuch herausgesucht. Er mag spannende Texte und liest aus der Gänsehaut-Serie „Fürchte dich sehr“ vor. Er gibt zu, dass er gar nicht so gerne liest, aber seine Lehrerin meinte, der Vorlesewettbewerb sei genau das Richtige für ihn.
So war er ein einsamer Junger zwischen einer wahren Mädchenschar.
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