Niederrhein: Der Prinz aus Siegen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 27.07.2009Niederrhein (RPO). Johann Moritz von Nassau-Siegen modernisierte das mittelalterliche Kleve, gründete in Brasilien bei Recife Mauritsstad, führte Krieg für die Generalstaaten, war als Diplomat in England und bei der Kaiserwahl vertreten.
Bescheidenheit war seine Zierde nicht: "Soweit der Erdkreis reicht" hatte sich der junge Prinz aus Nassau als Wahlspruch auf den Schild geschrieben. Als Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen 1679 in Bergendal bei Kleve starb, hatte er seinen Spruch in die Tat umgesetzt – wenn man den Erdkreis des Barock als Maßstab nimmt.
Er hatte Ämter bei der Ost-Indischen Compagnie in Brasilien inne, gründete hier die Residenzen Vrijburg und Boavista, brachte aus der neuen Welt wichtige Erkenntnisse für die Naturwissenschaften mit, hatte Maler im Schlepptau, die Tiere, Menschen und Landschaften aus Brasilien festhielten und deren Gemälde davon heute in den bedeutendsten Museen Europas hängen.
Sonnenburg
Moritz wurde wegen seiner Kriegsdienste ebenso wie für seine Arbeit als Diplomat reich beschenkt, baute den Johanniter-Sitz Sonnenburg im Osten um und gestaltete ganze Landschaften. Letztlich sorgte er dafür, dass über Kleve bedeutende Architekten und Künstler bis nach Berlin fanden. Dass seine Alleen in Kleve Vorbild für "Unter den Linden" in Berlin waren, wird gerne zitiert, ist aber nicht endgültig belegt. Jedenfalls soll Friedrich Wilhelm den Bau der sechsreihigen Allee aus Linden und Nussbäumen von Kleve aus angewiesen haben . . .
Moritz im Museum
Die Klever Gärten von Moritz von Nassau-Siegen wurde in der 70er und 80er Jahren von Gustav und Rose Wörner wiederhergestellt. Das Museum Kurhaus Kleve konnte mehrere Gemälde von Moritz in den vergangenen Jahren erwerben und wird nach dem Umbau wieder den großen Fürsten würdigen.
Die umfangreiche Sammlung Moritz' von Naturalia, Zeichnungen und Gemälden aus Brasilien ging an verschiedene europäische Fürstenhöfe.
1652 erhob ihn Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfürstenstand, im gleichen Jahr wurde er Meister des Johanniterordens in Brandenburg.
Kurz: Johann Moritz war ein barocker Fürst durch und durch mit einer ungeheuren Freude daran, zu gestalten, Landschaft zu kreieren. So wie in Kleve noch bis heute sein Alleensystem die alte Residenzstadt prägt, ebenso wie sein barocker Klever Park zu den bedeutendsten Anlagen europäischer Gartenarchitektur gehört.
Letztlich auch deshalb, weil Moritz der erste war, der einen solchen Park nicht an die Residenz, an ein Schloss band, sondern frei auch für Bürger zugänglich in die Landschaft plante. Die Landschaftsbezugspunkte zog er in das Park-System ein, die so Teil des Ganzen werden.
Ein Stück barockes Lebensbild eben. Für seine große Leidenschaft, die Gartenbaukunst, fertigte er eigene Entwürfe und holte sich die besten Architekten seiner Zeit – Maurits Post sowie Jacob van Campen. Er verband Lust und Nutzgarten, prägte schon in Brasilien die Landschaft mit Palmenalleen und Kanälen seiner Residenz Mauritsstad.
Geboren wurde Moritz als 13. Kind Johannes des Mittleren am 18. Juni 1604 auf Schloss Dillenburg in Nassau und war über seinen Großvater mit Wilhelm I. von Oranien verwandt. Schon als 16-Jähriger trat er in den niederländischen Militärdienst. Als Militär lernte er beim Kampf um Schenkenschanz den Großen Kurfürsten kennen, der ihn 1647 zum Statthalter in Kleve berief.
Denkmäler
Doch als er nach dem 30-jährigen Krieg – für die Niederländer war es sogar das Ende des 80-jährigen Kampfes gegen die Spanier – begann Bäume zu setzen und aus den Kriegsresten Denkmäler für seinen Garten zu bauen – murrte die Bevölkerung. Moritz konterte, dass das, was jetzt verdrießlich mache, die Nachkommen erfreue. Er sollte recht behalten: Gerade seine Klever Gärten beeindrucken bis heute, bescherten der Stadt später glanzvolle Jahre als Kurbad Cleve.
Die barocken Kunstwerke finden sich noch heute im Stadtbild. Eine in die Erde gerammte Kanone war Vorbild für eine der bedeutendsten Arbeiten von Joseph Beuys, die Straßenbahnhaltestelle für Venedig. Ein anderes wurde nach der Zerstörung vom Bildhauer Stephan Balkenhol neu interpretiert.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







