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Kleve: Der Tod kommt im Schlaf

VON KERSTIN OLAÑETA - zuletzt aktualisiert: 05.07.2008

Kleve (RPO). Seit dem 1. Juli bekommen Neugeborene im Klever St. Antonius Hospital einen Schlafsack geschenkt. Mit der Kampagne soll dem Plötzlichen Kindstod, im Kreis Kleve häufiger als im NRW-Schnitt, der Kampf angesagt werden.

Die ersten Schlafsäcke bekamen jetzt die am 1. Juli geborenen Miguel Peters, Pia Janssen sowie Henric Bömler (von links). Nicht auf dem Bild ist Emelie Krieger.  Foto: RPO
Die ersten Schlafsäcke bekamen jetzt die am 1. Juli geborenen Miguel Peters, Pia Janssen sowie Henric Bömler (von links). Nicht auf dem Bild ist Emelie Krieger. Foto: RPO

Der Säuglingstod schlägt unter den Babys im Kreis Kleve prozentual häufiger zu als im Landesschnitt: „Erliegen in NRW 5,4 von 1000 Säuglingen dem Plötzlichen Kindstod, so sind es bei uns im Kreis knapp 6“, berichtet Dr. Birgit Niemeyer. Die Ursache dafür sieht die Oberärztin der Kinderklinik am Klever St. Antonius Hospital vor allem darin, dass die werdenden Eltern schlecht bis gar nicht über das Thema aufgeklärt seien: „Viele wissen nicht, worum es sich beim Plötzlichen Kindstod handelt – und vor allem, wie sich das Risiko dafür minimieren lässt“, hat sie beobachtet. Dagegen möchte Niemeyer etwas tun.

Info

Mögliche Ursachen

Die meisten vom Plötzlichen Säuglingstod betroffenen Babys sterben im ersten Lebensjahr, Gipfel sind im vierten und achten Lebensmonat sowie in den Wintermonaten zu verzeichnen.

Die genauen Ursachen dafür sind noch völlig unerforscht, möglicherweise spielen Störungen in den zentralen Atemverarbeitungs-Prozessen, leichte Infekte oder zum Todeszeitpunkt nicht erkannte Erkrankungen eine Rolle.

Gemeinsam mit dem Föderverein der Kinderklinik sowie dem Land-Golf-Club Schloss Moyland hat die Ärztin nun dem Kindstod den Kampf angesagt: Seit dem 1. Juli kriegen alle Neugeborenen, die im Klever Krankenhaus zur Welt kommen, einen Schlafsack geschenkt – die ersten sind bereits im Umlauf. „Untersuchungen zum Plötzlichen Kindstod haben ergeben, dass Überwärmung, Überdeckung und falsches Liegen der Neugeborenen zu den größten Risiko-Faktoren gehören“, sagt Niemeyer.

Bewusstseins-Änderung

Ähnliche Kampagnen in Nachbarländern, etwa den Niederlanden, wo gar ein TV-Spot zum Thema gedreht wurde, hätten die Säuglingssterblichkeit auf unter zwei Promille senken können. „Wir möchten bei den Eltern eine Bewusstseins-Änderung bewirken, wie sie bereits in den 80er Jahren mal stattgefunden hat“, so die Oberärztin. Damals habe man die Rückenlage für Säuglinge regelrecht penetriert – mit dem Erfolg, dass statt 600 „nur“ noch 200 Babys im Jahr deutschlandweit verstorben seien.

Beim Start des Erstflugs 4R 2590 nach Mallorca: Die Flamcotänzerinnen machten schon in Weeze Lust auf Spanien. Foto: RPO

Leider sei dieses Bewusstsein im Laufe der Jahre zunehmend erschlafft. Das Klever Krankenhaus hat nun fürs Erste 700 Schlafsäcke geordert – dass dies möglich war, sei unter anderem, neben dem Förderverein als Sponsor, dem Land-Golf-Club Schloss Moyland zu verdanken, der ein Turnier zu Gunsten des Fördervereins ausgerichtet hatte. „Die reichen vermutlich für knapp ein Jahr“, hat Niemeyer die Geburtenstatistik am Klever Krankenhaus überschlagen. Die Oberärztin weist darauf hin, dass die Schlafsäcke Plötzlichen Kindstod freilich nicht verhindern könnten: „Aber sie gehören zu den Maßnahmen mit hohen Erfolgsaussichten, um das Risiko zu mindern“, betont sie.

Weitere Maßnahmen seien rauchfreie Umgebungen für Säuglinge, die Bauchlage beim Schlafen, ein Bettchen ohne Kuscheltiere und Nestchen sowie das Stillen. „Außerdem sollten Babys nachts nie zu warm gekleidet sein.“ Bei heißer Witterung etwa reiche ein leichter Body unter dem Schlafsack.

Quelle: RP

 
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