Kleve: Der Wein zum Stillleben
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 08.09.2006Kleve (RPO). Die bei Bordeaux lebende Klever Künstlerin Barbara Schroeder baut mit ihrem Mann Herve Romat, der als Oenologe Winzer im Bordelais, in Spanien und in Südamerika berät, im Côtes de Bourg einen neuen Rotwein an
kleve/Bordeaux „Reben, die auf das Wasser hinunter sehen, gedeihen gut, heißt ein altes Sprichwort“, sagt Barbara Schroder und schaut über sanfte Hügel hinweg auf den großen Fluss zu ihren Füßen: Träge fließt breit die Gironde von der Mündung von Dordogne und Garonne gen Atlantik, auf der anderen Seite des Flusses liegt das berühmte Medoc. Die Klever Künstlerin lebt seit Ende der 80 Jahre mit ihrem Mann und den Kindern in einem alten Herrenhaus in dem kleinen Ort Teuillac in der Weinregion des Cotes de Bourg. Wein bestimmte auch viele ihrer Bilder – in Collagen aus alten Winzer-Büchern, in Stillleben. Zuletzt schuf sie nach einer Reise ans Nordkap wunderbare Farb-Landschaften: Es ist, als stünden plötzlich die schroffen Felsen der Fjörde auf den abstrakt erscheinenden Bildern.
Wein ab Hof
Vom Grand Vin sollen rund 10 000 bis 15 000 Flaschen, vom Valades etwa 25 000 bis 30 000 an den Mann und die Frau gebracht werden. Der Grand Vin kostet um 13.55 Euro pro Flasche, der Valades um 6.10 Euro.
Der Vertrieb steckt noch in den Kinderschuhen, sagen die neuen Winzer, und geht eigentlich direkt ab „Hof”.
Landschaften
Ganz anders ist die Landschaft oberhalb der Gironde, in der sie jetzt steht – die sanften Hügel, eine Windmühle und Reben, Reben, Reben. Diese Merlot-, Cabernet- und Sauvignon-Trauben müssen es gut haben: Sie sehen auf den Fluss hinunter wie von einer Terrasse. „Wir bauen hier auf mehr als sechs Hektar Wein an“, sagt die Malerin. Ihr Mann Hervé Romat hat zusammen mit seinem Partner Jean Mallet den Weinberg 2004 gekauft. Es sollte ein Weinberg ohne Haus aber mit „Keller“ sein. Eine moderne Stahltankanlage bestimmt diesen wie hier üblich oberirdischen Keller, still unter flachem Nonne-Mönch gedecktem Dach liegen die Eichenfässer auf Bohlen über Kies. „Gepflegt wird der Weinberg von Saisonarbeitern. In den Sommerferien legt die Familie Hand an die Scheren“, sagt Barbara Schroeder.
„Wir wollten einen Weinberg ohne Haus, mit einem ganz unbekannten Wein, der sich noch einen Namen machen kann“, sagt Hervé Romat. Romat ist Oenologe, studierter Weinfachmann, und berät Weinbauern im Bordelais, in Spanien und Südamerika. Zwei Rotweine werden als „Chateau Grand Maison“ auf den Markt gebracht: Der „Valades“ und ein etwas teurer Grand Vin, der wie große „Crus“ gekeltert wird und auch lagern kann.
„Wir wollen gesellige Wein machen, Weine, die man beim Essen ebenso trinken kann, wie in einer familiären Runde – die muss man nicht unbedingt zelebrieren. Weine, die nicht für den Keller, sondern fürs Glas gemacht sind“, sagt Barbara Schroeder.
100-jähriger Kreis
Komponiert wird der Wein auch unmittelbar neben ihrem Atelier im besagten Herrenhaus in Teuillac. Hier testet Herve Romat, probiert den Wein. Und schließt damit einen fast 100-jährigen Kreis: „Als wir den Vertrag unterschrieben, fragte mich der Verkäufer, ob wir aus dem Chateau oben in Teuillac seien“, erzählt Romat. Als der Weinfachmann nickte, meinte der Verkäufer, das träfe sich gut – er habe gerade den Weinberg gekauft, der einst zu seinem Haus gehörte . . .
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