Niederrhein: Der Weltmeister von 1974
VON MONIKA HARTJES - zuletzt aktualisiert: 13.07.2009Niederrhein (RPO). Emmerich ist auf ein "Kind der Stadt" besonders stolz, denn er ist ein richtiger Fußball-Weltmeister: Rainer Bonhof. Dabei hatte er zu Anfang einen niederländischen Pass.
Wie viel ihnen dieser berühmte Sportler bedeutet, zeigte sich nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974, als von dem Ansturm der Fans die Rathaustreppe teilweise zusammenbrach. Viele Emmericher wollten "ihren Weltmeister" begrüßen.
Bonhofs Vater war ein "Fußballverrückter", der in den 30er Jahren sogar ein Angebot von Schalke 04 ausschlug, so wird erzählt. Und so war dem am 29. März 1952 geborenen Rainer, viertes Kind eines Formenvorrichters und einer Hausfrau, das Talent quasi in die Wiege gelegt. Die ersten Spiele machte er in der Mannschaft seines älteren Bruders. ",So, jetzt ziehst du die dicksten Schuhe an, die du hast und dann spielst du bei uns mit', hat mein Bruder gesagt", erinnerte sich Bonhof bei einem Interview im Bayrischen Rundfunk an die ersten aktiven Kontakte mit dem runden Leder.
Damals war er so sechs Jahre alt, mit elf Jahren durfte er endlich in der Schülermannschaft des SuS Emmerich 09 mitmachen und bekam seine ersten richtigen Fußballschuhe: "Adidas Uwe".
Die Stationen
Nationalmannschaft: Rainer Bonhof spielte von 1972 bis 1981 53 mal für die Nationalmannschaft.
Seine Vereine: Borussia Mönchengladbach, FC Valencia, 1. FC Köln und Hertha BSC. 1983 Ende der Karriere.
Trainertätigkeiten: Nach seiner aktiven Zeit beim DFB Co-Trainer der Nationalmannschaft neben Cheftrainer Berti Vogts, anschließend kurzzeitig Trainer der U21-Nationalmannschaft.
Borussia Mönchengladbach stieg unter ihm als Trainer erstmals aus der Bundesliga ab.
2002 ging Bonhof als Trainer der U21 nach Schottland. Vom 1. September 2006 bis zum November 2008 arbeitete Bonhof als Scout für den FC Chelsea. Seit 10. Februar 2009 bei Borussia Mönchengladbach zweiter Vize-Präsident.
Der Jüngste der WM
Der Name Bonhof prägte damals die Vereinsgeschichte. Beim Abschiedsspiel seines Vaters spielten mit ihm und den beiden älteren Brüdern vier Bonhofs gemeinsam in einer Mannschaft.
Der Emmericher besuchte die Liebfrauen-Volksschule und machte eine Lehre als Kfz-Mechaniker. Doch in diesem Beruf arbeitete er nicht. Er wurde Fußballer. Sein Debüt gab er 1969 in der Jugend-Nationalmannschaft, eine besondere Geschichte, denn: Er hatte einen niederländischen Pass – und spielte in Holland gegen Holland! Dort schoss er auch noch das 1:0.
Die Ursprünge der Bonhof-Familie liegen in den Niederlanden, sein Großvater zog von Doetinchem der Liebe wegen nach Deutschland. Die Familie blieb zunächst niederländisch, die Holländer hätten es gerne gesehen, wenn Bonhof 1974 mit Johan Cruyff und Johan Neeskens in ihrem Mittelfeld gestanden hätte.
Doch 1970 bekam Bonhof den deutschen Pass, spielte 1974 als Jüngster die WM mit und war schließlich entscheidend am Triumph beteiligt, als er im Finale Gerd Müller mit einer passenden Vorlage bediente, die dieser zum 2:1-Sieg verwandelte. Der Titelgewinn war perfekt.
Jubelnde Menge in der Straße
Am Tag nach dem WM-Sieg besuchte er seine Eltern in Emmerich. "Ich kam bei uns nicht in die Straße rein", so Bonhof. "Die war proppenvoll." Über einen Schleichweg kam er ins Elternhaus, wo Bürgermeister, Abgeordnete und eine jubelnde Menge ihn erwarteten, alle stolz auf ihren "Dolli", wie er heute noch von Freunden genannt wird.
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