Kalkar: Dettmer malt alte Synagogen
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 05.11.2011Kalkar (RP). Der Künstler sucht nach Bildern von jüdischen Gebetshäusern. Die stellt er nun in Kalkar aus.
Es war ein enttäuschender Tag für Alexander Dettmer. Der Künstler erfuhr vom Pfarrer der Gemeinde Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) von einer Synagoge, die es bis zur Zerstörung durch die Nazis gegeben hatte. Dort, wo sie gestanden hatte, fand er vor 17 Jahren nur noch einen Parkplatz. "Kein Schild, kein Hinweis auf die Vergangenheit", sagt Dettmer kopfschüttelnd – und begann, sich gegen das Vergessen zu wehren. An die 80 Ölgemälde hat er seitdem von jüdischen Gebetshäusern gemalt. Ab morgen sind sie bis Ende des Jahres als Ausstellung "Painting to remember" (zu deutsch: "Malen, um zu erinnern") in Kalkar zu sehen.
Das Museum
Die Adresse Das Museum Kalkar befindet sich mitten in der Stadt: Grabenstraße 66.
Die Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr. Montag ist Ruhetag.
Die Eröffnung Am morgigen Sonntag begrüßt Bürgermeister Gerhard Fonck ab 12 Uhr auch Alexander Dettmar selbst.
Der Eintritt Frei.
Alle standen in Deutschland
Dabei ist keine der Synagogen frei erfunden. Alle standen oder stehen noch immer irgendwo in der heutigen Bundesrepublik. Dettmer suchte erhaltene Gebäude in ganz Deutschland, fuhr seit 1994 zudem Stadtarchive ab, um Bilder von zerstörten zu finden. So wie in Rees und Alpen, Kleve – und Kalkar. Die Synagoge an der Hanselaerstraße wurde am Tag nach der Reichskristallnacht niedergebrannt. Dettmer besorgte sich alte Aufzeichnungen, um von der Aufnahme sein eigenes Bild zu zeichnen.
Manchmal, wenn die Vorlagen nicht eindeutig waren, befragte der gebürtige Freiburger auch Nachbarn, ob sie sich noch an Details erinnern könnten. Wert auf Vollständigkeit legt der 58-Jährige aber nicht. "Seine Bilder sind keine historische Dokumentation", sagt Harald Münzner, Leiter der Stabsabteilung für Kultur und Tourismus im Kalkarer Rathaus. "Seine Bilder schließen Lücken und bauen Brücken." Vor allem transportieren sie eine Fragestellung: Warum stehen die Synagogen nicht mehr?
Dettmer will aber keinesfalls den Finger in die Wunde legen oder selbigen gar mahnend erheben. "Mein Ziel ist es, eine Vorstellung vom Stolz und der Wucht dieser einmaligen Gebäude zu vermitteln", sagt der Mann, der als Christ und nicht – wie man ob seiner Kunstwerke meinen mag – im jüdischen Glauben erzogen worden ist. Er möchte lediglich "die Erinnerung ein wenig zurückholen". Nämlich an das Mit- und Nebeneinander des christlichen und jüdischen Glaubens.
Das Hauptthema seiner Gemälde, die zwischen 20x20 und 100x100 Zentimeter groß sind, bleibt aber immer die Synagoge, auch wenn sie flankiert wird von blauen Himmeln, grünen Bäumen und Nachbarshäusern. Die sind aber, wie die meisten Gebäude, in dunklen Erdfarben gehalten. Dass die Bilder ein wenig verkratzt sind, ist gewollt und trägt zur Stimmung auf den Gemälden bei. Davon konnten sich auch schon die Besucher in New York überzeugen. Vergangenes Jahr stellte Dettmer die selben Werke im Leo Baeck Institut aus, dem renommiertesten deutsch-jüdischen Museum in den USA.
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