Kranenburg: Deutsch als Fremdsprache
VON PETER JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 12.08.2008Kranenburg (RPO). Marlou van Haaften wird heute eingeschult. Für die sechsjährige Niederländerin ein bedeutender Tag, denn ihre Eltern haben sie in einer deutschen Schule angemeldet.
Natürlich freut sich Marlou. Wer freut sich nicht? Für die Sechsjährige beginnt heute der Teil des Lebens, den Erziehungsberechtigte - warum auch immer - gelegentlich als den Ernst des Lebens bezeichnen. Aber auch dieser Hinweis kann Marlou nicht schocken. Sie ist ausgezeichnet vorbereitet. Bei jedem Teil, das sie aus der Schultasche zieht, freut sie sich: Etui, Turnbeutel, Farbkasten, Butterbrotdose, Trinkflasche… alles da und daneben liegt eine rote Schultüte. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Start.
Marlou wohnt in Kranenburg und hat bereits den Kindergarten „Villa Kunterbunt“ in der Gemeinde besucht. Dass in dem Ort an der Grenze der Anteil niederländischer Mitbürger kein unerheblicher ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch hört für viele der Zugezogenen spätestens dort der Spaß beim Nachbarn auf, wenn’s um die Frage geht: Wo geht mein Kind zur Schule?
Bilingual seit 2006
Die Christophorus-Grundschule Kranenburg bietet den bilingualen Zweig (deutsch-niederländisch) seit 2006 an. Für den niederländischen Unterricht steht eine Fachkraft aus dem Nachbarland zur Verfügung. Eine Wiedereingliederung in das niederländische Schulsystem ist jederzeit möglich.
Ein Hauch von Mitleid
Arno van Haaften (32) arbeitet als Projektleiter am Bau. Seine Frau Wendy (31) ist als Arzthelferin in Groesbeek beschäftigt. Die Eltern von Marlou bauen derzeit im Gebiet Richtersgut III. Sie haben nicht extrem lange überlegt, wo sie Marlou einschulen lassen. Für die Entscheidung, ihr Kind in der Kranenburger Christophorus-Grundschule anzumelden, ernten sie von ihren Landsleuten meistens nur ungläubiges Kopfschütteln – gepaart mit einem Hauch von Mitleid. Von 28 schulpflichtigen niederländischen Kindern der Gemeinde haben sich 21 von der deutschen Schulpflicht befreien lassen.
„Wir sind und bleiben Holländer, aber wir leben hier, und darum geht unsere Tochter auch hier zur Schule“, nennt Wendy van Haaften einen Grund für die Entscheidung. Auch der bilinguale Unterricht, der in der Kranenburger Grundschule angeboten wird, war mit ausschlagend. „Wenn wir Niederländer sprechen, deren Kinder dort bereits zur Schule gehen, so haben diese überwiegend positive Erfahrungen gesammelt“, sagt Arno van Haaften. Respekt vor der deutschen Schule haben sie dennoch. Die Sprachkenntnisse der Eltern reichen gerade aus, um sich im Alltag unfallfrei durchzuschlagen. „Von Rechtschreibung habe ich keine Ahnung“, gibt die 31-jährige Mutter zu. Was der Familie an den deutschen Einrichtungen Kindergarten und Schule auch besser gefällt als in Holland, ist, dass hier mehr Wert auf Respekt gelegt werde. So würde etwa in Holland von Beginn an geduzt, was das Zeug hält. „Uns fällt auch auf, dass bei einigen Kindern die Achtung vor älteren Menschen nicht so ausgeprägt ist wie bei denen in Deutschland“, sagt Arno van Haaften.
Nicht nur Fremde
Heute sitzt Marlou zum ersten Mal in der deutschen Schule. Fremd sind ihr nicht alle Kinder. Ein Mädchen aus ihrem ehemaligen Kindergarten ist in dieselbe Klasse gekommen. Durch ihre Zeit in der „Villa Kunterbunt“ spricht Marlou gut deutsch und beherrscht diese Sprache annähernd so gut wie die niederländische. Dies teilte sie auch der Leiterin der Christophorus-Grundschule, Beate van Asch, in einem Vorgespräch mit. Als diese wissen wollte, wie Marlou zu Hause mit ihren Eltern spreche, antwortete sie: „Eigentlich ganz normal.“
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