Kreis Kleve: Die Bilanz der Bauern
VON SYBILLE MÖCKL - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 - 10:29Kreis Kleve (RPO). Die Dürre der vergangenen Monate hat die Landwirte nicht so gravierend getroffen wie zuvor befürchtet. Der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung lässt wirtschaftlich härtere Zeiten vermuten.
Die Kreisbauernschaft zog gestern eine erste Bilanz des Jahres 2010. Es gab sowohl Positives als auch Negatives zu berichten. Vor allem der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung lässt die Landwirte vermuten, dass es in Zukunft nicht einfacher für sie wird.
Qualität für 29 Cent
29 Cent kostet die Agrarpolitik derzeit jeden EU-Bürger am Tag. "Dafür bekommen die Verbraucher qualitativ hochwertige und kontrollierte Lebensmittel auf den Tisch", sagt der Kreisvorsitzende des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Josef Peters. Diese sogenannten Ausgleichszahlungen stehen allerdings ab 2013 wieder zur Diskussion.
Die EU-Agrarminister haben sich am 26. Juni 2003 nämlich auf eine weitere Reform der gemeinsamen (europaweiten) Agrarpolitik geeinigt, die aber nur für den Zeitraum von 2005 bis 2013 festgelegt wurde. Durch dieses neue System sollten die Agrarausgaben trotz der EU-Osterweiterung finanzierbar bleiben. Landwirte, die Fördermittel beantragen, müssen eine Menge Vorschriften zu Umwelt- und Tierschutz sowie Lebens- und Futtermittelsicherheit beachten. "Die Landwirte aus unserer Region wirtschaften unter diesen hohen Naturschutz- und Sozialstandards. Und das in zukunftsträchtigen Betrieben in lebendigen Landschaften", sagt Josef Peters. Deshalb spricht sich die Kreisbauernschaft dafür aus, die Ausgleichszahlungen auch ab 2014 so beizubehalten, wie sie bis dann festgesetzt sind.
"Mit den lebendigen Landschaften könnte es allerdings auch bald vorbei sein", befürchtet Peters mit etwas Sarkasmus. "Bei den Mengen an Biogasanlagen, die derzeit gebaut werden, steht hier bald nur noch Mais, um genau diese zu betreiben." Bisher sind im Kreis Kleve 15 Anlagen in Betrieb, weitere sind geplant. Aus landwirtschaftlicher Sicht sind Verbrennungsanlagen, die Grünabfälle verwerten durchaus sinnvoll. Mais jedoch nur für Biogas anzubauen, ist den Landwirten unangenehm. Sie tun es trotzdem, denn kein Landwirt könne es sich leisten, etwas anzubauen, was keiner abnimmt.
Positiv fällt die Bilanz der Erträge aus. Heute schließen die meisten Landwirte ihre Getreideernte ab. Peters berichtet: "Die Dürre hat sich nicht so gravierend ausgewirkt, wie wir anfangs befürchtet hatten." Beim Raps und beim Weizen fuhren die Landwirte ein Minus von nur 20 Prozent ein, bei der Gerste blieb der Ertrag sogar durchschnittlich.
Heimische Produkte kaufen
Peters appelliert an die Verbraucher, Erzeugnisse aus der Region zu kaufen, um die heimische Landwirtschaft zu unterstützen. Denn was bringt "Bio" wenn das Produkt vorher um die halbe Welt fliegt?"
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