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Niederrhein: Die "deutsche Marie Curie"

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 15.08.2009

Niederrhein (RPO). Zehn Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen, hat sie ihn nie bekommen: Ida Noddack aus Lackhausen bei Wesel. Mit ihrem Mann Walter Noddack entdeckte sie das chemische Element Rhenium, benannt nach ihrer Heimat.

Zehn Mal war sie für den Nobelpreis vorgeschlagen. Bekommen hat sie ihn nie. Dabei sind die Leistungen von Ida Noddack, geborene Tacke, in der Wissenschaft bis heute unbestritten. Die am 25. Februar 1896 in Lackhausen geborene "deutsche Marie Curie" starb am 24. September 1978 in Bad Neuenahr. Unweit ihres Elternhauses, der Lackhausener Lackfabrik, ist eine Straße nach ihr benannt. Der Verkehrsverein enthüllte zu ihrem 110. Geburtstag zudem eine Bronzetafel. Denn verbunden blieb die Pionierin weiblicher Forschung ihrer Heimat immer.

Die Chemikerin entdeckte 1925 mit ihrem Mann Walter Noddack das 75. Element und nannte es Rhenium – nach ihrer rheinischen Heimat. Eigentlich hatte Ida Tacke die Lackfabrik ihres Vaters übernehmen sollen. Aber sie entschied sich für die Wissenschaft.

Otto Hahn: "Ida hatte doch Recht"

In einer Zeit, in der Frauen an Universitäten noch höchst unwillkommen waren, musste sie sich manchmal als Mann verkleidet hineinmogeln. 1921 promovierte sie an der Technischen Hochschule Berlin zum Dr. Ing., lernte Walter Noddack kennen, der sie für die Suche nach den beiden fehlenden Elementen des periodischen Systems begeisterte. Neben dem Rhenium mit der Ordnungszahl 75 fanden sie auch Element 43, das sie Masurium tauften – nach der masurischen Heimat Walter Noddacks.

Während das Rhenium dem Chemiker-Paar Erfolg bescherte, gelang ihm die reine Gewinnung des Masuriums (heute Technetium) nicht. Die Leidenschaft blieb. "Forschen – Suche und Sucht" lautete folgerichtig der Titel einer Biografie der Noddacks, die ihr Schüler Dr. Hans Georg Tilgner verfasste. Bereits Jahre vor Otto Hahns erfolgreicher Kernspaltung 1938 hatte Ida Noddack die theoretische Möglichkeit vorhergesagt. Hahn ignorierte dies drei Jahrzehnte und würdigte es erst 1966: "Die Ida hatte doch Recht." Dass sie in den Jahren 1932 bis 1937 nie den Nobelpreis bekam, wird übrigens allgemein den politischen Verstrickungen vor dem Zweiten Weltkrieg zugeschrieben. Zerbrochen sind die Noddacks daran offenbar nicht. Schüler und Biograf Tilgner beschrieb die Wissenschaftlerin einmal als eine lebensfrohe Frau, mit der er Anfang der 50er Jahre auf dem Chemikerfest in Bamberg eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt habe. "Sie hat leidenschaftlich gern getanzt", sagte Tilgner damals und erinnerte sich auch an "einige Schoppen Wein" mit seiner Lehrerin nach einer Vorlesung.

Die Verbundenheit

Auch bestätigte Tilgner die Verbundenheit der Lackhausenerin mit ihrer Heimat. Sie habe nach dem Studium an den Niederrhein zurückgewollt, dann aber ihren Mann kennengelernt, mit dem sie an der Physikalischen Reichsanstalt Berlin arbeitete. Wesels Gleichstellungsbeauftragte Bärbel Reining-Bender hat einmal mit Respekt ihre Durchsetzungskraft in der Männerwelt Wissenschaft beleuchtet: Noddack sei sich ihrer besonderen Rolle früh bewusst gewesen, habe Kontakt zum "Verein studierender Frauen" gefunden.

Schon 1919, im Jahr ihrer Diplom-Prüfung, erhielt sie den ersten Preis der Abteilung für Hüttenkunde der TH Charlottenburg. 1926 hielt sie ihren ersten wissenschaftlichen Vortrag vor 900 Chemikern. Es muss eine Sensation gewesen sein. Überliefert ist folgende Stimme: "Heute hat bei uns zum ersten Mal ein Mädchen geredet – und sie hat es sogar gut gemacht."

Rund 50 Veröffentlichungen bezeugen Noddacks Fleiß, zahlreiche Auszeichnungen ihr Können. Nur den Nobelpreis bekam sie nie.

Quelle: RP

 
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