Kranenburg: Die Hetze der Jagd der Philharmoniker
VON HANS RÜHL - zuletzt aktualisiert: 07.10.2006Kranenburg (RPO). Auf Einladung des Verkehrsvereins war die Philharmonie Gelre unter ihrem Dirigenten Hans Welle erneut zu Gast im Bürgerhaus. Dort stellte das große Blasorchester das Ergebnis seines Studienwochenendes auf dem Wolfsberg vor. Damit durfte es sich durchaus sehen und vor allem hören lassen. Ebenso unterhaltsame wie anspruchsvolle Werke aus jüngerer Zeit standen auf dem Programm. Die Moderation übernahm Christian Kersten, alteingesessener Bürger der Grenzfeste und seit vier Jahren mit aktiv im Arnheimer Harmonieorchester. 1927 entstand diese Blasmusikvereinigung als Werksorchester einer niederländischen Kunstseidefabrik.
Seit dem 1.1. 2000 nennt sie sich Philharmonie Gelre. Zunächst ging es musikalisch zu vier der sieben, wohl erstmals im 3. Jahrhundert v.Chr. aufgelisteten Weltwunder. Poelman hat diesen gigantischen, durch ihre Größe und Pracht auffallenden Bau- und Kulturwerken sein tönendes Denkmal gesetzt. Ein gewaltiger Tusch symbolisierte den Eintritt in den „Tempel der Artemis“. Imposante Monumentalität wechselte mit ruhigen Phasen.
In der Szenenvielfalt konnten sich die Einzelfarben des Orchesters von der Piccoloflöte bis zur Tuba trefflich voneinander abheben, auch das Englischhorn nutzte hier seine große Chance. Der rumorende Gong erinnerte an die Hetze jeder Jagd. Klagender Sklavengesang schwang in „The great Pyramide of Cheobs“ durch. Nicht nur hier zeigte die Philharmonie Gelre ihre hohen Qualitäten. Die Mentalität jüdischer Stämme spiegelte sich in den fünf „Yiddish Dances“ von Gorb, im Schwung eines tänzerischen Impetus und einer betonten Rhythmik ebenso wie in exotischer Melancholie, in Trommelwirbeln, schrill-schroffen Klangverdichtungen oder auch in der einsamen Flötenweise.
Vitalität pur bot der Finalsatz im rasanten, zuweilen dahinhuschenden Wechselspiel der Instrumentalregister. Sodann stand ein Filmmusik-Medley von M. Giacchino an. Highlights wie „Moment for Morricone“, „Music from the Incredibles“ und „Gonna fly now“ - dieses mit einem prickelnden Schlagzeug-Intermezzo - versetzten in eine ganz andere Stimmungswelt. Schwelgerische Klangpracht, aber auch getragene Lyrik, pfiffige Rhythmen wie variierende Tempi und Dynamik markierten diese auf Spannung und Nervenkitzel bedachten Stücke.
Nach einem kräftigen Schlussakkord wurde die Musik zum Geräusch, als wenn einem Blasebalg die Luft ausgeht. Beim „Rausschmeißer“, B. Baileys „Won‘t you please come home“, durfte getanzt werden, und das Publikum klatschte dazu. Zwei Paare ergriffen die Chance. Im Vergleich zu den dankbar applaudierenden Besuchern waren die Musiker in der Überzahl.
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