Kleve: Die kraftvolle Leichtigkeit
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Kleve (RP). Zum 10. Todestag des Malers Raimund Girke präsentiert das Klever Museum Kurhaus Kleve über 40 Arbeiten, die einen Überblick über sein Schaffen aus den frühen 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre bietet. Darunter auch zwei der vier großen Bilder, die er 1977 auf der Documenta in Kassel zeigte.
Stark, kraftvoll, wie in der Bewegung streben die dunklen Flächen nach oben. Das ganze Bild scheint nach oben zu wollen, dort, wo die freie Fläche auf der hohen Wand des Doppelsaales im Museum Kurhaus ist. Und doch: Die weißen Linien könnten auch wie ein Wasserfall vor dunklem Felsen hinabstürzen. Mit langen Bewegungen hat Raimund Girke gestisch die Farbe vor dem stehenden Bild auf die Leinwand gesetzt. Rauf und runter. Aufwärtssteigend und stürzend zugleich die Bewegung in Malerei umgesetzt. "aufsteigend stürzend / Suite / I" heißt das Gemälde aus der Spätphase. Es entstand fünf Jahre vor seinem Tod, stammt aus der Phase, als dunkle Farben – Schwarz, ein tiefes Blau, Dunkelbraun – in seinen Bildern einzogen. Dunkle, irdene Töne, die den einstmals weißen Bildern aber nie die Leichtigkeit nehmen konnten, die Raimund Girkes Malerei stets zu eigen war.
Eröffnung Sonntag
Die Eröffnung der Ausstellung "Raimund Girke" ist am morgigen Sonntag, 12. Februar, 11.30 Uhr im Museum Kurhaus Kleve. Dr. Roland Mönig, kommissarischer Museumsleiter führt in die Ausstellung ein.
Der Katalog zur Ausstellung wurde von B.o.s.s. in Goch gedruckt, die es wieder geschafft haben, das Weiß auf Weiß der Bilder auch im Katalog erfahrbar zu machen. Die bei Kerber erschienene Buchhandelsausgabe kostet 20.50 Euro.
Mehr zum Kurhaus www.rp-online.de/kleve
40 Bilder des bedeutenden Malers der Nachkriegszeit zeigt das Klever Museum Kurhaus Kleve jetzt in seiner kleinen Retrospektive, die zwar keinen Überblick, aber dafür einen schönen Einblick in dessen Werk bietet. Die Bilder aus den 1950er bis in die späten 1990er Jahren wurden in enger Zusammenarbeit mit seiner Witwe Karin Girke ausgesucht. Sie stammen aus ihrer Sammlung ebenso wie aus großen deutschen Museen wie der Kunstsammlung Düsseldorf und der Hamburger Kunsthalle, hier die Sammlung Lafrenz. Die beiden Häuser ermöglichten es dem Klever Museum, zwei der vier großen weißen Arbeiten, die Girke auf der Documenta 6 im Jahr 1977 zeigte, zusammenzutragen.
Dr. Roland Mönig, kommissarischer Leiter des Museums Kurhaus Kleve, und Karin Girke haben die beiden bedeutenden, großen wie licht-leichten Werke in den Oberlichtsaal des Hauses platziert. Transparent, voller Tiefe bietet der 1930 in Niederschlesien geborene Girke Weiß über Weiß Malerei pur. Die beiden Bilder "Painting" (aus Hamburg) und "Ohne Titel" (aus Düsseldorf) sind mit 2,50 und 2,25 Meter seine größten Formate. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche: die Farbe, die Fläche und die Geste, mit der die Farbe auf die Leinwand kommt, die die Bewegung ins Bild bringt.
Später in den 1980er und vor allem in den 1990er Jahren werden Girkes Arbeiten wieder dynamischer, kommt dunkle Farbe ins Bild. Einige muten fast düster an. Girke hatte nach einer Krebsoperation wieder Kraft gesammelt, doch die Drohung der fürchterlichen Krankheit spricht bei aller Kraft ebenso aus den Bildern heraus. Das Bedrohtsein wird zum Thema in den Bildern, urteilte Ernst-Gerhard Güse 2003, ein Jahr nach dem Tod des Künstlers.
Es ist spannend, in der Ausstellung den Weg von den noch kleinteiligen, farbenfrohen frühen Arbeiten über die immer stärkere Reduktion von Farbe in den folgenden Bildern bis hin zu der scheinbar widersprüchlichen kraftvollen Bedrohung in den späten Bildern zu verfolgen. Zwischenzeitlich arbeitet er Ende der 1960er Anfang der 1970er Jahre mit der Spritzpistole. Gleichmäßig überdeckt das Weiß die Fläche, wie aus einer großen Tiefe heraus schimmern horizontale Streifen oder Linien heraus. Es ist eine ganze Serie von Bildern, von der das Kurhaus vier zeigt.
Girke kam 1952 von der Werkkunstschule in Hannover nach Düsseldorf zu Meistermann, war dann von 1966 bis 1971 Dozent an der Werkkunstschule in Hannover, bevor er 25 Jahre Professor für freie Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin war. Er lebte bis Ende der 1970er Jahre in Düsseldorf, zog dann nach Köln. Den Spagat zwischen Lehrtätigkeit in Berlin und Atelier habe er Zeit seines Schaffens machen müssen, erzählt Karin Girke. Dabei sei das Glück zu Malen sein Elixier gewesen.
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