Kleve-Rindern: Die Kunst des Liebens
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008Kleve-Rindern (RPO). In Zusammenarbeit mit dem Heinrich von Veldeke Kreis zeigt die Heimvolkshochschule Wasserburg 70 Bilder des Bayreuther Malers Hermann Rongstock zu einem antiken Gedichtband Ovids, der vor 2000 Jahren zum Bestseller wurde. Die Eröffnung der Ausstellung ist Freitag, 20 Uhr.
Die Kunst des Liebens oder schlicht: „Liebeskunst“ könnte man Ovids „ars amatoria“ übersetzen. Jene im leichten Plauderton, vielleicht sogar ein bisschen ironischen Anweisungen, wie man zur Liebsten kommt, wie man ihr den Hof macht und dann schließlich mit ihr im Bett landet. Im Grunde ein ewiges Thema. Ovids „ars amatoria“ erschien vor über 2000 Jahren und wurde ein Bestseller. Schon damals verkaufte sich Liebe gut – heute macht man endlos soaps daraus. Und selbst Ovid liegte eine Fortsetzung auf, einen zweiten Band, wie man sich der Liebe erwehren kann . . .
Jetzt steht in der Katholischen Heimvolkshochschule Rindern die Kunst des Liebens in Zusammenarbeit mit dem Klever Heinrich von Veldeke-Kreis im Mittelpunkt einer großen Ausstellung, die am Freitag um 20 Uhr eröffnet wird. Dabei dekliniert der Bayreuther Künstler Hermann Rongstock die Liebe durch (so Dr. Maier vom Veldeke-Kreis), treffen die klassischen Distichen (Sechsheber/Fünfheber als Verspaar) auf einen flotten, modernen Zeichenstrich und frische Farben. Die Bilder sind aus leuchtender Leipziger Tusche, farbig angelegt, regelrecht sprühend vor Lebensfreude. Denn für Rongstock ist die Liebe jung. Hier und da verirrt sich, wieder ganz klassische Antike, ein Faun zwischen die jungen Mädchen mit ihren gewaltigen Haarmähnen, die das verdecken, was letztlich anstößig werden könnte. So wie Ovid auch stets im Unscharfen blieb, bei seiner ars amatoria, die „durchzogen (ist) von literarisch-mythologischen Anspielungen, gelehrten Analogien – eine Schmeichelei für die gebildeten Adressaten, die sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig beweisen können sollen“, wie der Duisburger Professor Herbert Kaiser im zur Ausstellung erscheinenden Katalog schreibt.
Eine Schmeichelei – vielleicht soll man so auch die Akte und Darstellungen der ovidschen Liebeskunst in der katholischen Volkshochschule sehen. Zumal sie wie eine wunderbare Illustration der Ovid-Texte daherkommen. Kein Wunder, gilt Rongstock, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Ovid auseinandergesetzt hat, als trefflicher Illustrator trockener Texte. Und die Texte sind bei Ovid nicht einmal trocken . . .
Über 70 Bilder sind in die öffentlich zugänglichen Räume der Wasserburg gehängt, dazu gibts eine Video-Präsentation des Skizzenbuches. Gleichzeitig mit der Ausstellung wird auch das inzwischen schon tradtionelle (und so gut wie ausgebuchte) Wochenendsymposium des Heinrich-von-Veldeke-Kreises eröffnet. Deshalb gibt es nicht nur eine Einführung von Kaiser zu „Ovid im Hörselberg“ sondern auch Veldeke-Chef Dr. Thomas Maier spricht über Faust&Co in der Düffel – dem diesjährigen Thema des Symposiums.
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