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Kleve: Die praktische Elite

VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 21.02.2011 - 10:39

Kleve (RPO). Garbe Consult hatte zur Diskussion um Gesamt-, Gemeinschafts- und Hauptschule angemahnt, die gesamte Schullandschaft zu betrachten. Berufskolleg des Kreises Kleve: pro Jahr 400 Jugendliche zur Hochschulreife.

Landrat Wolfgang Spreen und Schulleiter Hans Reder (v.l.).  Foto: RPO
Landrat Wolfgang Spreen und Schulleiter Hans Reder (v.l.). Foto: RPO

Bei der Erhebung der Abi-Quoten für den Kreis Kleve sind sie nicht dabei. Wenn es um die beste schulische Zukunft der Kinder geht, wird reflexartig nach Gesamtschulen und Gymnasien gerufen – dabei gibt es noch einen weiteren Weg, um an eine Hochschule zu kommen, ein weiterer Weg neben Gesamtschule oder Gymnasium die Zulassung für das Studium zu erreichen: die Berufskollegs.

"Das Berufsgymnasium ist unsere zweite Ausbildungssäule. Das ist ein Weg, der Schüler nicht nur für die Fachhochschule, sondern auch für die Uni sehr gut vorbereitet. Ich nenne sie die praktische Elite. Leider wird sie in der Diskussion um Schulsysteme in Deutschland vorenthalten, findet quasi nicht statt", sagt Andreas Bartsch vom Philologenverband NRW. Auch nicht, so Bartsch, in der Erhebung der Abiturquoten im Land Nordrhein-Westfalen.

Info

Weiter nach 10. Klasse

Nach der 10. Klasse an Haupt- oder Realschule können Schüler mit Qualifikation ihr Abitur machen. Im Klever Land wechseln dabei mehr Schüler an die Beruflichen Gymnasien als in manchen anderen Regionen in NRW. Kreisweit machen hier Jahr für Jahr ebenso viele Schüler Abitur, wie an einem Gymnasium.

Das ist vor allem für den Kreis Kleve bitter – denn das vom Kreis getragene Berufskolleg ist das größte in NRW. 400 Schüler werden hier jährlich allein im Nordkreis Kleve zur Hochschulreife geleitet, zwischen 50 und 60 von ihnen zur allgemeinen Hochschulreife, die auch an die Uni führt. Prominentestes Beispiel für den Weg übers Berufskolleg: Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Er machte am Klever Berufskolleg Fachabitur, studierte Sozialpädagogik und später Jura, wurde Generalsekretär der CDU und schließlich der erste Bundesminister aus dem Kreis Kleve – ohne Gymnasium.

"Insbesondere für Schüler, die nach der Grundschule keine Empfehlung für das Gymnasium erhalten haben, stellt das Berufliche Gymnasium eine attraktive Chance dar, bei Qualifikation nach der Klasse 10 doch noch das Abitur zu machen", sagt Hans Reder, Leiter des Berufskollegs in Kleve. Mit Stolz, denn seine Schule lag beim Abi 2010 mit einer Durchschnittsnote im Zentralabitur von 2,47 überm Durchschnitt der beruflichen Gymnasien in NRW (2,65). Das entspricht dem Durchschnitt, den die Schüler an den Klever Gymnasien KAG (2,42) und Stein (2,48) erzielten (von den städtischen Gymnasien Kalkar und Goch wurden keine Zahlen bekanntgegeben). Insgesamt machen kreisweit an den beruflichen Gymnasien in Kleve und Geldern etwas mehr Schüler ihre allgemeine Hochschulreife als an der Gesamtschule Mittelkreis in Goch, die im vergangenen Jahr knapp 90 Mädchen und Jungen zum Abitur führte (Durchschnittsnote 2,74).

Die meisten suchen am Berufskolleg allerdings den Weg zur Fachhochschulreife, mit der sie beispielsweise an der Hochschule Rhein-Waal studieren können, sagt Reder. Fachabi gibt es in Wirtschaft, Technik, Gesundheit und Sozial-Pädagogik. "Hier kann heute der Weg über den Bachelor an der Fachhochschule zum Master an der Uni führen", sagt Reder. Im September soll ein weiteres berufliches Gymnasium des Berufskollegs im Bereich Ernährung und Gesundheit an den Start gehen.

Quelle: RP

 
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