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Kleve: Die WG im Seniorenheim

VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 17.11.2007

Kleve (RPO). Das Katholische Altenhilfe-Netzwerk will Senioren die Angst vor dem Heim nehmen: Die Wohngruppen werden kleiner und mehr Initiative gewünscht. 20 Millionen werden investiert. Pflegepersonal sauer auf Beurteilung.

Im Herz-Jesu Kloster in Kleve werden auch Senioren-Wohngemeinschaften geschaffen. Hier entstehen in fünf Gruppen 63 Plätze. Die Investition wird etwa 4,85 Millionen Euro betragen.   Foto: RPO
Im Herz-Jesu Kloster in Kleve werden auch Senioren-Wohngemeinschaften geschaffen. Hier entstehen in fünf Gruppen 63 Plätze. Die Investition wird etwa 4,85 Millionen Euro betragen. Foto: RPO

kalkar/kleve Bei vielen alten Menschen ist der Umzug in ein Seniorenheim mit massiven Ängsten verbunden. Sie fürchten Langeweile und sehen ihre Intimsphäre gefährdet. „Wir wollen den Menschen diese Sorge nehmen und werden deshalb große Einheiten auflösen und dafür kleinteilige Wohngemeinschaften, praktisch Alten-WG’s, mit acht bis zwölf Bewohnern einführen“, kündigte gestern Alexander Noack an. Der Assistent der Geschäftsführung bei den Katholischen Klinken im Kreis Kleve, denen das Katholische Altenhilfe-Netzwerk (KAN) angeschlossen ist, sagte, dass dieses Konzept in anderen Einrichtungen in Deutschland zu einer „hohen Zufriedenheit bei Bewohnern und Angehörigen geführt hat“.

Info

1000 Menschen

Das Katholische Altenhilfe-Netzwerk (KAN) ist ein Zusammenschluss von 16 Einrichtungen im Kreis Kleve und in der Stadt Xanten. Die 710 Mitarbeiter betreuen mehr als 1000 Menschen. Auskünfte über die Leistungen, von der Pflege bis zum Essen auf Rädern, gibt es unter der gebührenfreien Service-Hotline 0800 1160666 von 7 bis 21 Uhr. Gestern wurde auch mitgeteilt, dass das katholische Sankt-Antonius-Hospital in Kleve ab Dezember ein Patientenfernsehen ausstrahlt.

So kann der Alltag in den neuen Senioren-Wohngemeinschaften gestaltet werden: Das Zubereiten von Teilen der Mahlzeit gehört dazu wie das Decken des Tisches. Zentraler Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens ist die Wohnküche oder eine Küche mit angrenzendem Wohn- und Aufenthaltsraum. Die Senioren erhielten Unterstützung von einer Kraft, die durch die neue Strategie mehr Zeit für die Beschäftigung mit pflegebedürftigen Menschen habe, betonte Noack.

Diese Idee sei in einzelnen KAN-Häusern schon umgesetzt worden, werde aber bis Ende 2008 in allen zwölf stationären Einrichtungen verwirklicht, sagte Ottmar Ricken. Der Geschäftsführer des Katholischen Altenhilfe-Netzwerkes erklärte, dass in fünf Häusern deshalb ab Frühjahr kommenden Jahres Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Etwa 20 Millionen Euro werden inklusive der Ausstattung investiert. Die Handwerker kommen in das Herz-Jesu Kloster Kleve, in das Marienstift Kalkar, in die Einrichtung Regina Pacis in Kevelaer, in St. Marien in Grieth und in das St. Josefshaus in Pfalzdorf. „Für das Projekt kleinere Wohngruppen ist nicht mehr Personal erforderlich“, so Ricken.

„Unser Pflegepersonal ist sauer. Es leistet hoch engagierte und qualifizierte Arbeit, die nicht allumfassend beurteilt wird“, kritisierte der Geschäftsführer den Bericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen. Die Mängel in der Versorgung von Bewohnern haben zu einer breiten Diskussion über den Zustand in deutschen Heimen geführt. „Die Art der Bewertung dieser Dokumentationen ist nicht objektiv“, meinte der Assistent der Geschäftsführung. Es würden Fortbildung des Personals, Mahlzeitenpläne oder Konzepte gelesen und die Pflegebedürftigen befragt. Es sollten künftig mehr als zehn Prozent der Heimbewohner und auch die Angehörigen interviewt werden, regte Noack an. „Die Mitarbeiter möchten lieber mehr einen Handschlag für die Pflegebedürftigen machen als für die Dokumentation“, bemängelte Ricken die Belastung des Pflegepersonals mit Bürokratie.

Das KAN wird ab dem Jahr 2008 die Qualitätsberichte des Medizinischen Dienstes veröffentlichen. Das sei bislang verboten, so Noack.

Quelle: RP

 
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