Kleve: Dienst am Mitmenschen
VON MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 15.12.2008Kleve (RPO). Die Abiturientin Laura Kirpes nutzt die Zeit, in der sie auf einen Studienplatz wartet, um ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Das nutzt ihr – und anderen.
Laut Statistik leisten insgesamt nur 2,6 Prozent eines Jahrgangs ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr (FSJ / FÖJ). Dabei ist der Anteil junger Frauen (etwa 80 Prozent) deutlich höher als der junger Männer. Der Bekanntenkreis von Laura Kirpes kannte das FSJ bis vor kurzem auch nur vom Hörensagen und insofern ist die 20-Jährige geradezu ein Paradebeispiel. Im November trat sie nach einem dreimonatigen Auslandsaufenthalt in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ihre Arbeit in der geschlossenen Abteilung für intelligenzgeminderte Krisenfälle der Vitus Klinik in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau an.
Die Frage, warum Kirpes sich dazu entschieden hat, ist die scheinbar naheliegende, doch viel interessanter ist, warum sich so viele dagegen entscheiden. Vermutlich ist das Argument eines „verlorenen Jahres“ nicht nur das häufigst genannte, sondern auch das am schwersten auszuräumende. Doch bei genauerer Betrachtung bietet das FSJ die Möglichkeit, Idealismus mit Berufsvorbereitung zu verbinden.
Bei Kirpes kommt noch etwas anderes hinzu. Sie hat im Juni ihr Abitur gemacht, bewarb sich über die ZVS für Jura und wartet nun auf einen Studienplatz. Die Wartezeit auf ihrem Pferd auszusitzen, stellte für die junge Materbornerin keine Alternative für die Übergangszeit dar, und so kreuzte sie beim Antrag des DRK Rettungsdienst, Kindergarten und Andere als mögliche Einsatzbereiche an. Als der Bescheid kam und sie in die Rheinischen Kliniken berufen wurde, war die Familie zunächst skeptisch. Doch Laura Kirpes nahm die Herausforderung an und zieht nach Ablauf des ersten Monats, trotz so mancher Schwierigkeit, eine positive Bilanz. „Gerade die ersten Tage waren nicht ganz einfach, doch inzwischen habe ich mich eingelebt und darf bereits verantwortungsvollere Aufgaben erledigen“, fasst Kirpes die vielen Eindrücke der Anfangswochen zusammen.
Ob Patienten mit Anpassungs- oder Verhaltensstörungen, Angst- und Unruhezuständen oder autoaggressivem Verhalten, für Kirpes sind zwei Dinge bereits deutlicher ins Bewusstsein gerückt. Zum einen die Erfahrung, dass – so floskelhaft das klingen mag – es beinahe jeden treffen kann, eines der Schicksale dort zu teilen, und zum anderen der Respekt vor denen, die täglich in diesem Umfeld arbeiten.
Berührungsängste
„Die ersten Berührungsängste sind mittlerweile weg, obwohl es für mich nach wie vor Grenzen gibt“, so Kirpes, die sich mittlerweile sogar vorstellen kann, die geplanten sechs Monate noch zu verlängern. So wird das freiwillige soziale Jahr dann doch zu mehr als einer Randnotiz im Lebenslauf und wirft grundsätzlich die Frage auf, was wir bereit sind, füreinander zu tun.
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