Kleve: Ein bullenstarker Prinz
VON MANFRED KOTTERS - zuletzt aktualisiert: 24.11.2008Kleve (RPO). Achim Kruse von der Karnevalsgesellschaft „Viethens Bullen“ ist in der Stadthalle von Bürgermeister Theo Brauer zu Kleves Prinzen proklamiert worden. Eine tierische Session wartet auf die Narrenherde der Kreisstadt.
Es stimmt tatsächlich: Wenn die Zeiten schlecht sind, wird besser gefeiert! Wirtschaftskrise? Glatteis? Ist alles draußen geblieben – hier in der proppenvollen Klever Stadthalle hat die fünfte Jahreszeit angefangen; da schüttet man die Sorgen in ein Gläschen Wein, feiert ausgelassen und vergisst, was man vergessen will. So etwa wie „Aloys der Paradiesische“, der zwar nicht vergessen will, aber muss: dass nämlich seine närrische Regierungszeit nun vorbei ist. Ein wenig wehmütig stellt er zum Schluss fest: „Ek häm genuch gekeuert – danke!“ Doch das Jeckenvolk ist nur eine Sekunde führerlos; denn das Narrenzepter ist auch ein Staffelstab – er wird an Prinz „Achim der Tierische“ weitergeben. Ossi (Klaus Hendricks) übernimmt es, den Prinzen näher vorzustellen.
Durch die Säle
Ein Höhepunkt des Abends war der Auftritt der Siegburger Funken Blau-Weiß. Mit lockeren Sprüchen und zirkusreifen Tänzen hatten sie das Publikum im Nu auf ihre Seite gebracht.
Der Klever Schuhtechniker Norbert Leenders staffiert nicht nur seit Jahren diese und viele andere Tanzgruppen mit maßgeschneiderten Stiefeln aus, sondern er stellt auch oftmals den Kontakt zwischen den rheinischen und den einheimischen Vereinen her, damit auch hier mal am Niederrhein das typische „Kölner-Karnevals-Feeling“ durch die Säle ziehen kann.
Zwei Minuten Prinzessin
Einen ganz besonderen Traum erfüllt er ihm auch: Prinzessin „Nicole die Zweiminütige“. Sie bleibt allerdings nur ein zweiminütiger Traum; denn das KRK hat sich (noch) nicht dazu durchringen können, dem Klever Prinzen eine Lieblichkeit an die Seite zu geben. Trotzdem ist für Prinz Achim Kruse von den „Viethens Bullen“ ein Traum in Erfüllung gegangen: Nach 32 Jahren des Sehnens ist er nun endlich Karnevalsprinz! Bürgermeister Theo Brauer stellt zudem bei der Proklamation zufrieden fest, dass ein Bulle bei den Börsianern für „Aufwärts“ steht – was soll da noch schief gehen!? „Bliv en gut Dier en bring des Klefse vööl Pläsier“ gibt er ihm noch mit auf dem Weg. In seiner Antrittsrede droht der frische Prinz ihm trotzdem, das Rathaus mit seinen Bullen zu stürmen. „Du wirst diese Herde nicht aufhalten!“ In dieses Horn stößt auch das Prinzenlied, das Willi Liffers geschrieben hat, und Sandra Kozikowski so schwungvoll singt, dass es das Narrenvolk nicht mehr auf den Stühlen hält; und diese Bombenstimmung ebbt auch nicht mehr ab. Gründe dafür gibt‘s genug: allein die rasanten Tänze der „Kolibris“ und der „Finesse“ bringen Bewegung in die Massen.
Sitzungspräsident Norbert Pauls hat da leichtes Spiel: das Publikum muss nicht groß aufgefordert werden, es ist einfach gut drauf! Ob Georg Jansen mit seiner „Ene Janze Bütt“ oder Katrin Welke als ausgezeichnete Solotänzerin – tosender Applaus ist ihnen sicher. Mit den „Bullens Five“ geht die Party richtig los; treffen sie doch mit ihren pointierten Texten zum Klever Geschehen und den flotten Songs exakt den Geschmack der Gäste - das Stimmungspendel schlägt immer weiter nach oben aus! „Die Comedy Kellner“ brillieren mit ihrer Mischung aus Zauberei, Witz und Gesang. Auf diesem Höhepunkt bildet sich wie selbstverständlich eine (gefühlt) kilometerlange Polonaise – natürlich angeführt von der Tollität Prinz „Achim Der Tierische“.
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