Kleve: Ein Dorf sagt Danke
VON JULIA LÖRCKS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006Kleve (RPO). Mit 40 Zugnummern zog der längste Erntedankfestzug aller Zeiten durch das Dünendorf Wissel. Kaiserwetter und Wagen erfreuten die vielen Gäste. In Wissel herrscht ein Fieber. Es ist das Erntedankfieber, das das ganze Dorf in Euphorie versetzte. Hier feierten Jung und Alt. Gingen Hand in Hand und sagten „Danke“. Ein ganzes Dorf auf den Beinen. Das hat Tradition, das ist wahre Wisseler Brauchtumspflege. Hier wurde kameradschaftlich die eingefahrene Ernte mit dem Erntedankzug genossen. Und wie. Die engen Gassen des früheren Tabakdorfs waren bei herrlichen Kaiserwetter mit Mais, Sonnenblumen und Kürbissen geschmückt, Stühle und Sitzkissen platziert.
Rekord-Lindwurm
Die Dorfbewohner und unzählige Besucher erwarteten den langen Lindwurm. Mit 40 Zugnummern inklusive sieben Musikkapellen war er der längste der 36-jährigen Traditionsgeschichte. Auch Karlo van Holt, Vorsitzender des Erntedankfestausschusses, staunte nicht schlecht über den Ideenreichtum der Zugteilnehmer. „Ich habe schon mehrere Einsen verteilt. Die Motive, die Materialien und die ganze Mühe. Einfach schön“, sagte van Holt und hatte keineswegs übertrieben. Der Wisseler St. Clemens Kirchenchor überwältigte mit einem malerischen Motivwagen über die Heimat. Mit Getreide, Kaffeebohnen, Linsen, Erbsen und anderen Materialien stellten die singenden Damen die Heimat – die Kirche, die Dünen mit Segelflugzeug, die Mühle, Haus Kemnade und den Wisseler See – dar. Sechs Wochen lang harte Arbeit, die sich mit einer beeindruckenden Bildergalerie bezahlt gemacht hatte. Auch der Wagen der Erntekönigin Barbara Bouwmann, die die Feuerwehr Wissel stellte, bestach mit Liebe zum Detail. Die Wisseler Löschgruppe hatte sich das Leitthema „Retten, Bergen, Löschen, Schützen“ ausgesucht und erfolgreich umgesetzt.
Für Jung und Alt
Zum Abschluss zog der Erntedankzug zum Wisseler Altenheim, wo mit den Pflegebedürftigen gefeiert wurde. Anschließend traf sich das ganze Dorf im großen Festzelt. Nach dem Erntedankzug wurde gestern zum Kinderfest geladen. Im Anschluss wurden die Preise für die Blumen, für Obst und Gemüse überreicht.
„Das ist Wahnsinn“
„Der Erntedankzug in Wissel ist jedes Jahr Superlative. Was dieses Dorf auf die Beine stellt, ist Wahnsinn“, sagte Bürgermeister Gerhard Fonck und war sichtlich von der eingeschworenen Einheit des Dorfes beeindruckt. Schon die ganz Kleinen waren mit von der Partie. Da wurde der Kinderwagen mit Hopfen geschmückt, der Kindergarten war mit einer 110-köpfigen Rabengruppe am Start. Auch die Jungschützen, Kegelclubs, Vereine oder Straßengemeinschaften ließen sich das Fest nicht nehmen. So wie die „Sand Berg Raben“. Die zwölfköpfige Straßengemeinschaft zieht seit 32 Jahren mit Leib und Seele mit. Keine Frage, dass sie im nächsten Jahr mit Anette Verfürth die Erntekönigin 2007 stellen. Ihre Mutter, Paula Mulder, war übrigens auch schon Erntekönigin.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







