Ghana/Kleve: Ein Hauch von Deutschland
VON PASCAL TÖNNISSEN - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 10:01Ghana/Kleve (RPO). Pascal Tönnissen aus Kleve macht ein Soziales Jahr in Ghana und erlebte nicht nur die Partie gegen Deutschland, sondern ganz unabhängig davon die große Fußballbegeisterung in seinem Gastland. Erlebnisse in Afrika.
Spiel der „Black Stars“ in Ghana live mitzuerleben, ist etwas Besonderes und erst recht, wenn der Gegner Deutschland heißt. Schon am frühen Morgen sieht man die Ghanaer mit Trikots, Flaggen und weiteren Fanutensilien bestens ausgerüstet für das Spiel am Abend. Doch mit meinen Flaggen und besonders meinem „Özil“-Trikot bringe ich einen Hauch von Deutschland in das rote, gelbe und grüne Farbenmeer.
Der Obroni
Auf der Straße wird man meistens als „Obroni“ (der Weiße) angesprochen, und jeder versucht mich davon zu überzeugen, dass Deutschland keine Chance gegen ihre Mannschaft hat. Aber natürlich erwidere ich stets: „Am Ende gewinnt Deutschland“. Das Spiel verfolge ich beim „Public Viewing“, das heißt unter freiem Himmel, bei 26 Grad mit mehr als 2000 Ghanaern und das als einziger Deutscher. Jedoch sind die Mitgucker ausgesprochen freundlich, und so werde ich nichts ahnend von einem Ghanaer nach vorne in die erste Reihe gebeten. Da habe ich jedoch noch nicht gewusst, dass ich gleich der Deutschland-Experte für einen der größten ghanaischen Radiosender bin und ich zu Millionen von Zuhörern in Ghana sprechen werde. . .
Deutsche Hymne: einer singt
Bei der deutschen Nationalhymne bin ich der einzige, der lautstark mitsingt, worauf mich alle verwundert anschauen. Während des Spiels werde ich dann immer ans Mikrofon gebeten, um die eine oder andere Chance von Deutschland zu kommentieren. Dann kommt das Traumtor von Mesut Özil. Auf einmal herrscht Totenstille, und jetzt verstummen auch die Ohren betäubenden Vuvuzelas. Nur ich springe lautstark von meinem Sitz auf und schrei in das Mikrofon des Radiosenders: „JAAA!“
Spätestens jetzt hat jeder Ghanaer mitbekommen, dass vor Ort auch ein deutscher Fan ist. Danach ist Zittern und Daumen drücken für die „Socceros“ aus Australien angesagt. Nach dem Schlusspfiff und der Gewissheit, dass Ghana ebenfalls für das Achtelfinale qualifiziert ist, kennen die Zuschauer kein Halten mehr. Die noch zuvor deprimierten Ghanaer lassen wieder ihre Jubelgesänge und Vuvuzelas erklingen. Außerdem will mir nun jeder Ghanaer vor Ort gratulieren und Respekt vor der deutschen Leistung zollen.
Zudem versprechen sie, dass sie Deutschland im nächsten Spiel unterstützen wollen. Selbst auf dem Weg nach Hause halten immer wieder Ghanaer an, um mir zu gratulieren. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die gegnerischen Fans dich nach einer Niederlage ihrer Mannschaft bejubeln. So neigt sich ein unvergessenes Erlebnis dem Ende.
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