Kleve: Ein Leben im Zick-Zack-Kurs
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2009Kleve (RPO). "Wanderer zwischen den Weltanschauungen: Johannes Maria Verweyen (1883-1945)" heißt die Promotion von Jessica Klein, die jetzt auch im Buchhandel zu haben ist. Es ist eine wissenschaftliche, lesenswerte Arbeit über den schillernden niederrheinischen Philosophen.
bedburg-hau/Emmerich Schon seine Fotos sind Pose: Der Denker, mit hoher Stirn und strahlenden Augen, dessen feiner Anzug den Universitätsprofessor anzeigt und der doch die Vision im Blick hat. Josef Maria Verweyen aus Till, der auf der Gaesdonck den strengen Katholizismus kennenlernte und schließlich in Düsseldorf sein Abi machte, war in Bonn Professor für Philosophie und irrlichterte durch die vielen, vielen Bewegungen und Weltanschauungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jessica Klein aus Emmerich hat jetzt eine fundierte, wissenschaftliche Arbeit über die schillernde Persönlichkeit mit dem furchtbar mäandernden Lebenslauf vorgelgt. Sie verfolgt darin nicht nur die Lebens-Stationen des niederrheinischen Philosophen, dem die Frauen so zugetan waren, der dreimal verheiratet war und der wohl eine eheähnliche Beziehung zu einer Sängerin hatte, sondern untersucht vor allem seine Wanderung zwischen den Weltanschauungen.
Verweyen-Buch
Jessica Klein: "Wanderer zwischen den Weltanschauungen: Johannes Maria Verweyen" ist ab sofort im Buchhandel zu haben, 313 Seiten, 29.90 Euro, ISBN 978-3-643 -10299-7. Der Band enthält einige Fotos, ist lesbar und hat die Vorlesungen und Vorträge Verweyens im Anhang aufgelistet.
Denn Verweyen entschied sich immer wieder für andere Lebensziele. "Seine Zeitgenossen erlebten ihn als Katholiken, Philosophen, SPD-Anhänger, Professor, Freimaurer, Monisten, Theosophen, Parapsychologen, liberal-katholischen Priester, Charakterologen, Heimkehrer zur römisch-katholischen Kirche und schließlich als gläubigen KZ-Häftling", sagt sie.
Nicht nur der Märtyrer
Nach dem Krieg und vor allem in jüngerer Zeit wurde vor allem Verweyens Rolle als Katholik und als Märtyrer herausgestellt. Dass das zu kurz greift, zeigt Klein ebenfalls auf. Gleichzeitig folgt man mit Verweyens in heftigem Zick-Zack verlaufendem Lebensweg auch die vielen suchenden Strömungen dieser "neuen" Zeit. Zumal er kaum eine Weltanschauung auslässt, in deren Dienst er sich nicht sofort begeisterungsfähig stellte. Treffend wohl auch die Beschreibung des Professors durch einen ehemaligen Studenten: "...bäuerlicher Herkunft, starkknochig, noch in der privaten Unterhaltung zum Pathos neigend, mit betontem Selbstbewusstsein sich als Künder einer neuen Wahrheit fühlend". Letztlich wirkte Verweyen aber wohl auf die meisten als "Menschenfreund". Ein Mann, der, so Jessica Klein, bei allen Wendungen in seinem Lebenslauf sich stets selbst treu blieb. Ein Mann mit einer Geschichte, die einen ganz packt, wenn man anfängt, sie zu untersuchen, so Klein.
Jessiva Klein hat die Doktorarbeit bei Prof. Dr. Falk Wiesemann neben ihrem Job in der Ketchum Pleon PR-Agentur in Düsseldorf geschrieben. Es sei spannend gewesen, Arbeitswelt und wissenschaftliches Arbeiten nebeneinander zu erleben. Aber: "Mein Mann lebte mit mir und der Dissertation regelrecht in einer ménage à trois", lacht sie zurückschauend. Schon ihre Magister-Arbeit hatte den Tiller Philosophen zum Thema. "Nicht nur da hat mir mein ,alter' Lehrer Werner Steinecke geholfen, der ja den Büchernachlass von Verweyen erstanden hat. Die Magisterarbeit war sozusagen der Rumpf für die Promotion", so die 30-Jährige, die nach dem Abitur in Emmerich an der Düsseldorfer Heine-Universität und der University of California, Davis, Geschichte und Politik studierte.
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