Kleve: Ein Leguan fürs Kurhaus
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 14.09.2010Kleve (RPO). Mit kräftiger Unterstützung der Museumsfreunde konnte das Museum Kurhaus eine Arbeit des wichtigen italienischen Künstlers Mario Merz ankaufen. Erstmals ist diese Arbeit jetzt in der neuen Einrichtung zusammen mit anderen Werken bis Mitte Oktober im Kurhaus zu sehen.
Der Leguan sitzt wie die meisten Leguane in Europa in einer Glaskiste. Doch "Iguana", wie dieser Leguan heißt, ist nicht grün und krabbelt Leguan untypisch wie ein Gekko senkrecht die Wand im Klever Kurhaus hoch. Mario Merz schuf das schwarz auf weiß gezeichnete, in welligem Papier wie hastig mit runden Magneten in seine Glaskiste gesperrte Tier 1987. Die Stahlkiste erinnert mit ihrem Stahlblau an die Bleisockel des Kurhauses.
Die Glasscheibe wurde ebenso hastig-schnoddrig – so als ob der weltberühmte Merz mürrisch gewesen war – mit dicken Batzen aus Fensterkitt geschlossen. Trotz der schweren Kitt-Knubbel bleibt die Arbeit mit dem aufs Papier gesetzten Iguana leicht, wie unbeschwert. Dabei trägt Merz' Leguan auch noch eine berühmte Zahlenreihe auf dem Rücken, die Zahlen sind die einzigen Farbtupfer in dieser dieses Jahr vom Freundeskreis fürs Museum erworbenen Arbeit.
Zahlenketten
Denn nichts zeigt das oft sprunghafte Wachsen der Natur so schön, wie die Zahlenreihe des italienischen mittelalterlichen Mathematikers Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci. Der verankerte sie nach ersten ähnlichen Zahlenketten aus der Antike erstmals in seinem Liber abbaci, dem "Buch der Rechenkunst" von 1227 im westlichen Denken.
Die Zahlenfolge beschrieb dies am Beispiel eines Kaninchenzüchters. Der will herausfinden, wie viele Kaninchenpaare aus einem einzigen Paar entstehen. Das sei wie bei den Bäumen, erklärt der Mathematiker und stellt die Kette auf, auf der die nächste Zahl sich aus der Addition der voran gegangenen Zahlen entwickelt: 1 - 1 - 2 - 3 - 5 - 8 - 13 - 21 - 34 - 55 . . .
Mario Merz, der große Vertreter der italienischen arte povera, griff die Zahlenfolge auf. Immer wieder zitiert der Italiener in seinen großen Arbeiten die schneckenförmige Spirale, mit der mittelalterliche Rechenkünstler die Entwicklung verdeutlichte. Oder er stapelte Zeitungen übereinander, setzte Neon-Röhren-Buchstaben auf seine großen Installationen, wie den zeitweise in Kleve zu sehenden Iglu aus Glas. Aber auch in den kleinen Objekten findet sich die Zahl wider. Wie in der Objektkiste, wie bei Iguana, der jetzt in einem schöne arte povera-Raum in der neuen Einrichtung des Hauses bis Mitte Oktober gezeigt wird.
Doppelsaal
Kleves kommissarischer Museumsleiter Dr. Roland Mönig hat zu dem kleinen Leguan die große Echse von Merz gesellt, die erstmals in der Klever Merz-Ausstellung von 2001 zu sehen war.
Abgerundet wird der arte-povera-Doppelsaal mit der immer wieder schönen "Gesto vegetable" aus 1985 von Guiseppe Penone. Sie zeigt einen Bronzemenschen, der die Natur umarmt, wie diese Figur im Gegenzug von der Natur regelrecht durchdrungen wird: In der großen Penone-Ausstellung war die Arbeit im Hang zu sehen - jetzt schaut sie durchs hohe Fenster auf den Hang hinaus.
Umarmt wird ein Ficus Benjamini. Der Ficus wird immer wieder neu gepflanzt – wenn die Arbeit mit Tontöpfen neu aufgestellt wird, sagt Mönig. Die würde sich nicht im Depot halten . . .
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