Kreis Kleve: Ein Mangel an Impfdosen
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 09.11.2009Kreis Kleve (RPO). Kritik am bürokratischen Verfahren bei der Impfung gegen die Schweinegrippe. Der Kreis setzt die Vorgaben des Landes um. Der Bedarf an Impfdosen kann momentan nicht gedeckt werden. Zuerst Risikogruppen immunisieren.
Sie redet von einem Missstand. Und zudem sei das Verfahren viel zu bürokratisch, regte sich eine RP-Leserin auf, weil sie ihre Familie vor einer Reise nicht umgehend gegen die Schweinegrippe habe immunisieren lassen können. Der Impfstoff sei ja da, so ein Apotheker. Aber die Ärzte müssten erst die Dosen für die Immunisierung gegen die Krankheit beim Kreisgesundheitsamt bestellen, das dann für die Auslieferung über ausgewählte Apotheken an die Mediziner grünes Licht geben müsse. Und überhaupt, so die weitere Kritik der Frau, sei nur ein Kreis-Bediensteter für die Freigabe der Dosen zuständig. Und der Mitarbeiter komme möglicherweise nicht den Anweisungen zur Abgabe des Impfstoffes nach.
107 Erkrankungen
107 Menschen sind im Kreis Kleve bislang am Schweingrippe-Virus H1N1 erkrankt, so die Kreisverwaltung. Die Krankheitsverläufe bei den Menschen, die sich im Kreis bereits infiziert hätten, seien ohne Komplikationen verlaufen, bis auf einen sehr schweren Fall bei einem 40-jährigen Mann.
Bisher seien nach den Impfungen keine schweren Nebenwirkungen von den Medizinern mitgeteilt worden. Derzeit impfen 89 Ärzte im Kreis.
Fahrplan vorgegeben
Das Bestellverfahren laufe nach der Festlegung des NRW-Gesundheitsministeriums ab, weist der Pressesprecher der Kreisverwaltung Kleve, Eduard Großkämper, die Vorwürfe zurück. Danach habe das Kreisgesundheitsamt die Mediziner informiert, dass eine Bestellung der Dosen einmal wöchentlich möglich sei. Das Gesundheitsamt prüfe dann, ob aus dem Kontingent der Bedarf "kreisweit und möglichst ausgewogen" gedeckt werden könne und teile danach dem Impfarzt und der beteiligten Apotheke die Liefermenge mit, erläuterte Großkämper den vom Land vorgegebenen Fahrplan.
"Wir versuchen jedoch, alle Bestellungen zu befriedigen. Das ist aber derzeit nicht möglich", bedauerte der Kreissprecher. Denn alle 9500 Dosen, die der Kreis bekommen habe, seien schon ausgegeben worden. Neuer Impfstoff kam am Freitagnachmittag an. 6000 "Einheiten" sind in den Kreis transportiert worden. Die reichten fast ganz aus, erklärte Großkämper. "Wir werden jedoch in dieser Woche die Nachfragen nur bedingt abdecken können, zumal für die nächste Lieferung zum Ende der Woche nur 5000 Impfdosen angekündigt sind", betonte der Sprecher der Kreisverwaltung. Von Betriebsärzten, die medizinisches Personal immunisieren wollten, seien bisher 1000 Bestellungen eingereicht worden. Und viele Betriebsmediziner seien noch in der Planungsphase.
Der Kreis empfiehlt – wie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut vorgegeben – und wegen des aktuellen Mangels an Dosen, dass zunächst die Risikogruppen durch den Pieks geschützt werden sollen. Dazu zählten auch chronisch Kranke, die immerhin 20 Prozent der Bevölkerung zwischen Emmerich und Straelen ausmachten.
Bis März 2010
Die vom Virus H1N1 am häufigsten betroffene Gruppe im Kreis seien zunächst vor allem junge Erwachsene gewesen, so Großkämper. Nun seien Menschen zwischen drei und 50 Jahren an der Schweingruppe erkrankt. Die Impfaktion sei bis März kommenden Jahres angesetzt. Die STIKO werde Mitte November entscheiden, wie bei der Immunisierung der Bevölkerung weiter verfahren werden soll.
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