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Kleve: Ein Puzzle mit vielen Teilen

VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 15.11.2008

Kleve (RPO). Die Zukunftswerkstatt der Volksbank Kleverland und der Rheinischen Post diskutierte über die Familienfreundlichkeit der Stadt Kleve von der Kinderbetreuung über die Gebühren bis zu den Grundstücken.

Die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt (v.l.): Frank Ruffing, Dieter van Elsbergen, Willibrord Haas, Matthias Grass, Theo Brauer, Christoph Grosch, Ingrid Hendricks, Ruth Sonnenberg-Reuter, Jürgen Loosen, Antje Albers und Falko van den Bruck.  Foto: RPO
Die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt (v.l.): Frank Ruffing, Dieter van Elsbergen, Willibrord Haas, Matthias Grass, Theo Brauer, Christoph Grosch, Ingrid Hendricks, Ruth Sonnenberg-Reuter, Jürgen Loosen, Antje Albers und Falko van den Bruck. Foto: RPO

Es gibt billige Grundstücke und die Stadtwerke haben die Gebühren zum Winter nicht erhöht. Das sind nur zwei von ganz vielen Mosaiksteinen, die die Stadt Kleve aus dem Reigen vergleichbarer Städte herausheben. Kleves Kämmerer Willibrord Haas brachte es bei der Zukunftswerkstatt der Volksbank Kleverland und der Rheinischen Post exakt auf den Punkt: „Das sind immens wichtige Puzzle-Teile für die Familienfreundlichkeit unserer Stadt“. Dass es in der Kreisstadt im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreis keine Rückgänge bei der Einfamilienhausbebauung gibt, dass sich die Einwohnerzahl hält, obwohl sie andernorts zurückgeht – auch das gibt dem Kämmerer recht, dass sich Familienfreundlichkeit eben nicht nur an der Zahl der Schulen und der Kindergärten festmachen lässt.

Keine Frage

„Kleve – die Stadt für junge Familien?“ hatte die von Volksbank-Direktor Frank Ruffing und RP-Redaktionsleiter Jürgen Loosen moderierte Zukunftswerkstatt gefragt – für Kleves Bürgermeister Theo Brauer war das überhaupt keine Frage: „Wir sind familienfreundlich“, unterstrich der erste Bürger der Stadt und listete Zahlen auf. Es gibt 61 Spielplätze im Stadtgebiet, 19 Bolzplätze, 1310 Kindergartenplätze, dazu 50 Sportvereine, die sich um den Nachwuchs kümmern, ganz abgesehen von den Schulen, in die die Stadt derzeit intensiv investiert. Haas unterstreicht: „Wir nehmen von den Sportvereinen keine Gebühren für die Halle, Strom oder Wasser“. Aber: Von den 1310 Kindern in Kindergärten sind 576 Beitragsbefreit, 148 sind Geschwisterkinder, die auch keinen Beitrag bezahlen müssen. „Die Einkommensgrenze liegt bei 15 000 Euro Netto im Jahr“, sagt Haas.

Info

Die Jugendheime

„Meine Kinder, 12 und 13, fragen immer, wo gehen wir denn hin?“, fragt Antje Albers. Die Schulpflegschaftsvorsitzende erinnert sich dann an ihre Jungend in den kirchlichen Jugendheimen. Doch die bilden inzwischen nur noch für einen Teil der Jugendlichen eine Freizeitadresse. „Das Verhalten hat sich enorm geändert“, sagt Pfarrer Christoph Grosch. Jugendliche neigten heute zu Cliquenbildung, die sich auch nur auf bestimmte Freizeitziele fokussieren. So erreichen die zwölf Jugendheime im Stadtgebiet nur noch einen Teil der Jugendlichen. Ältere Jugendliche vermissen eine Kneipenszene. Hier setzt Bürgermeister Brauer auf die FH. Dann wird sich tatsächlich vieles ändern, wenn sie kommt . . .

Insgesamt bringt die Stadt Kleve 5,9 Millionen Euro im Jahr für Familienhilfe auf. „Wir versuchen hier möglichst früh helfend einzugreifen“, sagt Dieter van Elsbergen, Fachbereichsleiter für Jugend und Familie der Stadt Kleve. Das fängt bei dem Projekt „Kein Kind ohne Mahlzeit“ an, an dem 100 Kinder teilnehmen, und reicht bis zur sozialpädagogischen Familienhilfe, in der Eltern betreut werden. „Oft liegt das Problem ja darin begründet, dass viele junge Familien die eigentlichen Werte in der Familie gar nicht erlernt haben: Ihren Kindern eben nicht die teure Milchschnitte in die Schule mitzugeben sondern ein Brot zu schmieren, sich beim Essen zusammenzusetzen“, pflichtete Antje Albers, Vorsitzende der Elternpflegschaft des Stein-Gymnasiums, dem Jugendamtschef bei, wie wichtig es ist, früh Hilfen für junge Familien anzubieten.

Wichtige Arbeit

Gerade auch die Sportvereine und die vielen ehrenamtlichen Helfer leisten bei der Integration eine wichtige Arbeit. Ingrid Hendricks, Jugendleiterin bei Siegfried Materborn: „Wir fangen sozial schwächere auf – sie sind nicht nur Beitragsbefreit. Die regelmäßigen Fahrten zu Bundesligaspielen mit der Jugend oder Ausflüge werden aus der Jugendkasse mitfinanziert“. Und auch die Kasse füllt der Verein mit Jugendarbeit im eigentlichen Sinne des Wortes: Wenn hunderte Kids bei Siegfried Open kicken, füllt sich die Kasse für die Jugend. Allerdings erfahre man oft erst sehr spät, dass eine Bedürftigkeit vorliegt. „Viele trauen sich nicht, etwas zu sagen“, so Albers. Hendricks gibt ihr Recht: Oft müssen die Trainer nachhaken, warum ein Junge plötzlich nicht mehr zum Training kommt. Meistens wird eine Lösung gefunden. . .

Quelle: RP

 
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