Kleve: Ein Segen für jedes Haus
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009Kleve (RPO). Viele erwarten die Sternsinger schon. Andere Türen bleiben verschlossen. Als Heilige Drei Könige verkleidet ziehen die Kinder wieder durch Kleve und sammeln Spenden für notleidende Kinder. Wir haben sie begleitet.
Kleve-materborn Einmal atmet sie noch tief durch, dann drückt Melina (10) auf den Klingelknopf. „Den Spruch“, flüstert sie. Katrin und Lea (beide 9), die an diesem Tag mit ihr verkleidet von Haus zu Haus ziehen, nicken. „Die sind bestimmt weg“, sagt Katrin. Doch dann geht im dunklen Flur ein Licht an. Eine ältere Frau öffnet die Tür: „Ich habe euch schon erwartet, kommt doch rein, draußen ist es so kalt.“
Fünf Schichten gegen die Kälte
Wenige Stunden zuvor sind die drei Mädchen im Gottesdienst in der St. Anna Pfarrkirche entsandt worden. Sie sind eine von vielen Gruppen, die verkleidet als Caspar, Melchior und Balthasar mit einem Stern in der Hand den Menschen in Kleve ihren Segen bringen und um Spenden für Notleidende bitten. Kalt ist es den jungen Sternsingern trotz Minusgraden nicht. „Ich hab ein T-Shirt, einen Pulli, eine Jacke, das Gewand und den Mantel an“, zählt Lea auf. Und Katrin ergänzt: „Nur an den Füßen friere ich ein bisschen.“
39,7 Millionen Euro
Rund eine halbe Million Sternsinger sind um den 6. Januar 2008 herum von Tür zu Tür gezogen.
Dabei sammelten sie rund 39,7 Millionen Euro für benachteiligte Kinder in aller Welt. Die Gruppen in 11 886 Pfarrgemeinden erzielten damit das zweithöchste Ergebnis seit dem Start der Aktion 1959. 2009 ist das Geld für Straßenkinder in La Paz, Bolivien, bestimmt.
Der Dankgottesdienst für alle Sternsinger aus Kleve ist am Sonntag, 4. Januar, um 11 Uhr in der St. Anna Pfarrkirche.
Im Hausflur sagen die drei Mädchen ihren Spruch auf. Das haben sie schon zigmal geübt. „Wir sind seit drei Jahren dabei“, erklärt Lea. Spaß macht es ihr immer noch. Besonders deshalb, weil sie mit Katrin und Lea so gut versteht. An diesem Tag treffen die Freundinnen auf viele geschlossene Türen. Dann stecken sie einen Zettel in den Briefkasten, mit der Nachricht, dass sie gerne noch ein anderes Mal vorbeikommen, um eine Spende abzuholen.
Den Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ haben sie auf einem anderen Zettel dabei, den sie an die Menschen verteilen, die ihnen an diesem Tag Geld in ihre Spendenbüchse stecken. Manchmal gibt es auch noch ein paar Süßigkeiten. „Am liebsten Mausespeck“, sagt Katrin und grinst. Kreide hat die Truppe diesmal nicht dabei. „Die meisten möchten gar nicht mehr, dass wir den Segen ans Haus schreiben“, erklärt Fenja Klumpe.
Die 14-Jährige ist dieses Jahr in eine für sie bisher ungewohnte Rolle geschlüpft:Sie betreut die Sternsinger. Voriges Jahr war sie selbst noch eine von ihnen und zog mit ihnen von Haus zu Haus. In der Jackentasche hat sie einen Faltplan mit den Straßen, die Katrin, Lea und Melina noch besuchen müssen. „Ich passe auf, dass sie kein Haus auslassen“, erklärt Fenja.
Ein heißer Kakao
Noch bis in den späten Nachmittag ziehen die Gruppen weiter. Pause gibt es nur dann, wenn die Kälte zu sehr in die kleinen Körper gekrochen ist. Dann finden die Heiligen Drei Könige Unterschlupf in einem der Häuser. Strecken die Füße aus, wärmen die Hände und schlürfen einen heißen Kakao. Dann geht es wieder weiter. Bis auch das letzte Haus den Segen erhalten hat und Spendendose und Süßigkeiten-Tasche voll und schwer sind.
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