Kleve: Ein Treffen auf dem Petersplatz
VON THOMAS CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011Kleve (RPO). Es sind die 16 Papstbesuche – es ist vor allem aber seine fröhliche, freundliche und offene Art, mit denen er die Menschen überzeugt: Werner Stalder aus Nütterden hat Autogramme von fast 60 berühmten Kirchenmännern.
kranenburg-nütterden Januar, der Petersplatz. Werner Stalder ist, wie schon so häufig, voll konzentriert. Wieder einmal hat er möglich gemacht, was den Menschen um ihm herum sonst niemals möglich gewesen wäre. Gleich wird es für die Niederrheiner um ihn herum zu einer unvergesslichen Begegnung kommen. Der Papst von Angesicht zu Angesicht. Aber Werner Stalder hat in dieser Sekunde anderes im Blick. Zwei Geistliche in Lila. Bischöfe also. Wie sich im Gespräch herausstellt, Eugene Cyrille Houndekon aus Abomey in Bein und Isaak Gaglo aus Togo. Ken Sie Elke Kleuren-Schryvers? Ja, der Bischof aus Benin kennt sie.
Persönliche Widmungen
Überhaupt – man kennt sich. Dieser Satz ist für Werner Stalder zu einer ganz und gar unaufgeregten Selbstverständlichkeit geworden. Genau die hat dazu geführt, dass auf den Rückseiten der Papst-Fotos, von denen Stalder stets eines dabei hat, inzwischen fast 60 Autogramme, Unterschriften, ganz persönliche Widmungen stehen. Man kennt sich. Und Werner Stalder kennt sie alle, irgendwie. Die Deutschen wie Kardinal Meisner oder Kardinal Lehmann sowieso, die niederländischen Bischöfe und Erzbischöfe. Aber auch hochrangige Geistliche aus Lateinamerika, aus Polen.
Andenken an Leisner
Insgesamt 16 Mal war Werner Stalder bei Papstaudienzen, führte Menschen aus dem Kreis Kleve meist in die "Prima Fila", die erste Reihe, in der die Begegnung mit dem Papst wirklich ganz persönlich ist. Und dabei hatte er auch stets selbst ein Anliegen: Das Andenken an Karl Leisner. Dass der 1945 von den Nazis ermordete, aus Rees stammende Priester selig gesprochen wurde, ist zu einem großen Teil auch der Beharrlichkeit Werner Stalders und seiner vielen Mitstreiter zu verdanken.
Die Kontakte, die Werner Stalder pflegt, etliche von ihnen dürfen Freundschaft genannt werden, reichen inzwischen viele Jahre zurück. Zum Beispiel Oscar Kardinal Rodriguez Maradiaga, Erzbischof aus Honduras. "En toller Mann", sagt Werner Stalder. "Schicht, bescheiden, sehr zugänglich." Ihm habe man vor der Wahl Josef Ratzingers gute Chancen eingeräumt, Papst zu werden, damals, 2005, erinnert sich Werner Stalder.
Er mag ihn sehr, man spürt's. Daher die Frage: Sind Ihnen bestimmte Unterschriften besonders wichtig? Werner Stalder verneint energisch. Nein, sie seien alle wichtig, und sie alle seien Erinnerungen an wirkliche Begegnung. Zum Beispiel mit Friedrich Ostermann, dem früheren Weihbischof von Münster. Mit ihm erwanderte sich Stalder den französischen Teil des Jakobsweges. "Sie waren uns ein guter Wegbegleiter", schrieb Ostermann nachher. Beeindruckend sicher auch Erzbischof Piero Marini, früher Zeremonienmeister des papstes, der so wunderbar die im Fernsehen übertragenen Hochämter gestalten konnte.
Begegnung im Fahrstuhl
Das ist der, das ist der – zu allen kann Werner Stalder mindestens eine Geschichte erzählen. Oder berichten, wie die Begegnung zustande kam – manchmal einfach in irgend einem Fahrstuhl in einem Teil des Vatikans, der für Besucher sonst gar nicht zugänglich ist.
Eigentlich müsste Werner Stalder über all diese Begegnungen mal ein Buch schreiben. Später vielleicht, jetzt noch nicht. Denn der "Unruheständler" bleibt unermüdlich im Einsatz. Aus Liebe zur Kirche, klar. Das ist die eine Seite. Die andere: Wenn er sieht, wie vielen Menschen er als "Schlüssel" zum Vatikan, zur Begegnung mt insgesamt drei Päpsten er schon unendlich viel Freude bereitet hat – dann macht ihn das selbst glücklich. "Und genau darum tue ich das. Selbstdarstellung – wissen Sie, so etwas brauche ich nicht, das ist unwichtig." Er sagt's – und man spürt: Es ist so gemeint, genau so.
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