Kleve: Eine Bombe im Schlepptau
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 08.07.2010 - 17:07In nur anderthalb Meter Tiefe lauerte die tödliche Gefahr. Der Zünder der britischen Fünf-Zentner-Bombe, die am Donnerstag an der Gabriele-Münter-Straße in Kleve entschärft wurde, war noch wie neu.
Lediglich ein dumpfes Geräusch verriet dem Baggerfahrer, in welch' tödlicher Gefahr er sich befand, als die Schaufel seines Arbeitsgeräts am Dienstag gegen die Bombenhülle stieß. „Wenn die Bombe hoch gegangen wäre, würde der Baggerfahrer mit Sicherheit nicht mehr leben“, sagt Wolfgang Schiefers, Truppenführer beim Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung. Er leitete am Donnerstag die Entschärfung der britischen Fünf-Zentner-Bombe, die an der Gabriele-Münter-Straße in Kleve bei Auskellerungsarbeiten gefunden worden war.
Zum Entschärfen verwendete er eine neuartige Konstruktion, eine so genannte Raketenklemme. Es handelt sich dabei um ein Zwinge, die an den Zünder gesetzt wird. An der Zwinge wiederum befinden sich zwei Rohre, in die zwei Kartuschen eingelassen werden. Der Feuerwerker zündet die Kartuschen, daraufhin dreht sich die Raketenklemme mit dem Zünder. Der fällt heraus, und die Bombe ist entschärft.
Seit 1960 werde festgehalten, wo Bomben in Kleve gefunden und entschärft wurden, sagt Feuerwerker Wolfgang Schiefers. "Man kann absolut nicht sagen, wie viele Bomben hier noch liegen." Zwischen 1999 und 2009 wurden in Kleve 19 Blindgänger entdeckt. Höhepunkt war das Jahr 1992, in dem 15 Sprengkörper entschärft wurden.
Zustand des Zünders
Immer wieder aus Neue interessant ist für Schiefers der Zustand des Zünders. Und der war bei der entschärften Bombe, es handelte sich um einen Aufschlagzünder, außerordentlich gut. „Der Zünder war wie neu. Bei dieser Bombe war lediglich die Hülle vergammelt. Das ist das Fatale: Von außen ist oft nicht zu erkennen, wie gefährlich die Bombe tatsächlich noch ist“, sagt Schiefers.
Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg lag in lediglich anderthalb Meter Tiefe, gebettet auf eine Schicht Kies. "Die letzte Bombe, die ich in Kleve entschärft habe, lag sieben Meter unter der Oberfläche. Sie hatte einen unangenehmen Langzeitzünder", erinnert sich der Experte, der gemeinsam mit seinem Kollegen Peter van Eck meistens gerufen wird, wenn es in Kleve darum geht, alte Bekannte aus dem Zweiten Weltkrieg zu entsorgen. Er ist überzeugt, dass sich noch zahlreiche Bomben im Stadtgebiet befinden und ist sich sicher: „Die letzte werden wir nicht finden.“
Nur Schrott bleibt übrig
Nach der Entschärfung kam die Bombe an die Kette. Ein Lastwagen zog sie mit einer Seilwinde aus der Baugrube. Dann wurde sie zu einem Zerlegebetrieb in Ringelstein bei Detmold gebracht. Dort wurden Kopf und Heck abgetrennt und der Sprengstoff herausgeklopft. Was übrig blieb, war lediglich Schrott.
Für die Entschärfung hatte die Polizei das Gelände um das Grundstück an der Gabriele-Münter-Straße weiträumig abgesperrt. „Das ist auch dringend nötig“, sagt Schiefers. Splitter der Bombenhülle könnten bis zu 1000 Meter weit fliegen. Autofahrer hatten laut Polizei auf die Sperrung besonnen reagiert. Auch die Anwohner ließen sich unmittelbar nach der Entschärfung an der Baugrube nicht blicken. Lediglich eine Fahrradfahrerin schien sich für das Geschehen zu interessieren. Sie fuhr vorbei mit den Worten: "Ach da war das gewesen."
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