Kleve: Es trifft die Schwächsten
zuletzt aktualisiert: 06.07.2009Kleve (RPO). Die Zahl der Kindesmisshandlungen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, so die neue Kriminalstatistik. Der Adoptiv- und Pflegerkinderdienst vom Sozialdienst Katholischer Frauen vermittelt diese Kinder, die aus ihren leiblichen Familien genommen werden mussten. RP-Mitarbeiterin Katrin Haas sprach mit Renate Beckers.
Welchen Gründe spielen eine Rolle?
Renate Beckers In Notlagen nehmen die negative Stimmung und die Unsicherheit zu. Das trifft wie immer die Schwächsten. Die Kinder werden vernachlässigt, und im schlimmsten Fall finden Grenzüberschreitungen im körperlichen und sexuellen Bereich statt. Es gibt nie nur einen einzigen Grund, der zur Entscheidung der Trennung von Kind und Familie führt.
Welche Kriterien müssen die Pflegefamilien erfüllen?
Beckers Zum einen müssen die Familien ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Außerdem muss eine stabile finanzielle Situation vorhanden sein, ein Elternteil muss ein gesichertes Einkommen nachweisen können. Dann müssen die Pflegeeltern bereit sein, sich in einem Schulungsverfahren vorzubereiten und sich beraten zu lassen.
Wie gehen die Kinder mit dieser Situation um?
Beckers In der Regel versuchen wir einen direkten Wechsel von den leiblichen Eltern in die Pflegefamilie zu ermöglichen. Es kann sein, dass die Kinder in der Zwischenzeit in eine "Bereitschaftsfamilie" oder ein Heim kommen. Die Kinder genießen diese Erholungspause, viele können sich dann wieder auf die ihnen neu angebotene Eltern-Kind- Beziehung allmählich einlassen.
Welche Probleme gibt es?
Beckers In der Anfangszeit gibt es eine spezielle Phase, in der die Kinder versuchen, möglichst brav zu sein. Ein Kind muss aber auch frech sein dürfen. Diese Kinder, bei denen das Gleichgewicht nicht stimmt, zeigen dann auffällige Verhaltensweisen.
Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit?
Beckers Das ist eine Mischfinanzierung durch Zuschüsse vom Bistum Münster, durch die Städte und Kommunen und durch Spenden.
Wie gehen Sie mit dem Problem um, dass es weniger Pflegefamilien gibt?
Beckers Wir können gerade durch Pressearbeit auf uns aufmerksam machen. Langfristig erreicht man mit Geduld eine positive Entwicklung. Unsere Abbruchzahlen gehen gegen null, wir können Familien ermutigen, dass es zu schaffen ist.
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