Kleve: "Essen ist viel zu lecker"
VON SABINE WINGELS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010Kleve (RPO). Aschermittwoch – Start der Fastenzeit. Viele nutzen die Tage bis Ostern und üben Verzicht. Doch bei zahlreichen Jugendlichen ist Fasten nicht mehr "angesagt". Aus unterschiedlichen Gründen.
Tipps zum Verzicht
Der Brauch, "bei Wasser und Brot" zu fasten, sollte nur an einzelnen Fastentagen (z. B. Aschermittwoch) gepflegt werden.
Die einmalige Mahlzeit sollte nicht üppig und opulent sein, sondern nur der Sättigung dienen.
Außerhalb der Mahlzeit sind kleinere Stärkungen erlaubt – aber ebenfalls nur zur Erhaltung der "Schaffenskraft" – Chips und Schokolade gehören nicht dazu.
Es ist üblich, sonntags das Fasten zu unterbrechen und die Feier des Tages auch durch ein feierliches Essen zu bereichern.
Fasten lässt sich außerdem durch Verzicht auf Genussmittel aller Art, vom Alkohol über Süßigkeiten bis hin zum Fernsehgenuss oder Zeit vor dem Computer.
Kleverland Fünf Wochen lang auf Süßigkeiten oder Computerspiele verzichten?! – Nee, das geht gar nicht. An den Karnevalstagen wurde schließlich noch ordentlich auf den Putz gehauen, nun soll alles verboten sein, was einem lieb ist. Und das "nur", weil am Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen hat. Sie soll an das 40-tägige Fasten von Jesus erinnern und ist nebenbei das Ende der Karnevalszeit. Manche Gläubige reduzieren in dieser Zeit ihre Nahrungsaufnahme auf das Nötigste oder bringen durch Verzicht ihr ganz persönliches Opfer. Doch wie sieht's damit bei Jugendlichen aus?
"Ich glaube nicht an Gott, wieso sollte ich dann fasten", meint beispielsweise Phillip (19) aus Kalkar. Diese Einstellung scheint bei jungen Menschen heute weit verbreitet zu sein.
"Totaler Blödsinn"
"Ich habe mich mit meinen Freunden schon öfter über dieses Thema unterhalten. Wir sind der Meinung, dass der Glaube an Gott und somit auch das Fasten totaler Blödsinn sind", berichtet Torben (15), ebenfalls aus Kalkar. "Heutzutage glauben doch nur noch alte Leute an Gott. Die meisten in meinem Alter tun das nicht mehr, denn es gibt für alles eine logische Erklärung und somit auch für die Entstehung der Menschheit", so die Meinung des 15-Jährigen. Doch es liegt nicht allein daran, dass Jugendliche nur noch an das glauben, was sie sehen und was ihnen logisch erscheint. "Die meisten Eltern meiner Freunde setzen ihren Glauben an Gott nicht um. Sie gehen nicht in die Kirche und fasten nicht. Manche glauben sogar selbst nicht mehr an Gott", beschreibt er seine Erfahrungen.
Kein Wunder also, dass etliche junge Menschen in Bezug auf die Kirche resignieren. Wie sollen sie an Gott glauben und dementsprechend handeln, wenn es den Erwachsenen genauso gleichgültig zu sein scheint?
"Viele junge Eltern sind heute gar nicht mehr in der Lage, ihren Kindern ein Glaubensverständnis zu vermitteln, da ihnen oft selbst das dafür notwendige Wissen und Verständnis fehlen", erklärt Bartholomäus Kalscheur, Pfarrer der drei katholischen Gemeinden Wissel, Hönnepel und Grieth. "Hinzu kommt, dass ein gemeinsames Familienleben selten geworden ist und die Vermittlung von Werten und Wissen im gemeinsamen Gespräch kaum noch stattfindet", fährt der Pfarrer fort.
In der Diskussion mit Jugendlichen zeigt sich auch: Vielen fehlt bereits das Wissen der unterschiedlichen Möglichkeiten des Fastens. "Essen ist viel zu lecker, um darauf zu verzichten", beantworten Felix (16) und Mathias (16) die Fastenfrage. Die Option, bei etwas anderem Verzicht zu üben, kennen sie nicht.
Hoffnungslos ist die Situation jedoch nicht: "Es gibt einen kleinen Teil der Gesellschaft, der sich ein neues Bewusstsein in Bezug auf die Kirche schafft. Ich vermute hier eine zyklische Bewegung der Kulturen und das ist ohne diesen schmerzlichen Niedergang nicht möglich", erklärt Kalscheur.
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