Kleve: Fäden der Macht im Griff
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 05.04.2008Kleve (RPO). Manuel Hagemann schrieb seine Magisterarbeit über den Grafen Johann von Kleve, der 1347 an die Macht kam. Die Arbeit war so gut, dass sie jetzt als Büchlein in der Diözesan- und Dom-Bibliothek Köln erschienen ist.
kranenburg-Frasselt Für Pablo sind es Hügel und Wälder, Felder und Wiesen über die er witternd schaut, als wär’s sein Reich. Der eineinhalbjährige rehbraune Mischlingshund sieht die Landschaft zu seinen Füßen schlicht als das eigene Revier an. Für Herrchen Manuel Hagemann ist die selbe Landschaft, auf die er von seinem Elternhaus auf einem der Hügel vor Frasselt schaut, längst Geschichte. Klever Geschichte: Es ist das Kernland der Grafen und Herzöge von Cleve, das sich da vor ihm im satten niederrheinischen März-Regen gen Kreisstadt ausbreitet. Einer der Grafen hat es ihm ganz besonders angetan: Johann von Kleve, von 1347 bis zu seinem Tod 1368 Chef im Kleverland.
Ahnen-Galerie
Auch Graf Johann wird nach dem von der Klever Politik mit großer Mehrheit (nur die FDP-Fraktion war dagegen) beschlossenen Um- und Erweiterungsbau des Museums Kurhaus in der dann neuen Klever Ahnengalerie zu sehen sein.
Die Kopien der Bildnisse aus der Klever Stiftskirche im Depot des Hauses Koekkoek werden dann für jedermann zugänglich sein und einem Stück Klever Geschichte ein Gesicht geben.
Männliche Erben
Über diesen letzten männlichen Erben des Klever Hauses schrieb der Kranenburger an der Universität Bonn seine Magisterarbeit. Seine Arbeit fiel so gut aus, dass sie jetzt in der Diözesan- und Dombibliothek in der Reihe Libelli Rhenani als Buch erschien und für 10 Euro im Buchhandel zu erwerben ist (ISBN978-3-939160-10-6).
Es ist jener Graf, der als einer der vier Erbauer der Klever Stiftskirche im Chor der Kirche einst abgebildet war. Ein Bildnis, das leider zerstört ist. Doch im Besitz von Haus Koekkoek sind zwei frühe Kopien der Bildnisse aus dem Chor auf Holztafeln aus dem 17. Jahrhundert. Weitere Kopien hängen im Spiegelturm der Schwanenburg, so dass dieser Mann auch ein Gesicht hat.
Eigentlich hätte Johann ja eine geistliche Laufbahn einschlagen sollen – er war zuvor Dechant in Köln und Propst in Xanten. Dennoch zog der jüngere Bruder von Graf Dietrich IX. geschickt an den Fäden der Macht.
So konnte er verhindern, dass andere ihm seinen Anspruch auf Kleve streitig machten. 1357 hatte sich sein Machtanspruch stabilisiert. Hier setzt auch die Arbeit Hagemanns ein: „Der Erwerb der Grafschaft Kleve 1347“, heißt es im Untertitel der Arbeit des Stein-Schülers, der 2000 in Kleve sein Abi machte.
„Es gab fast nichts über diesen Grafen, obwohl die Quellenlage über Johann sehr gut war“, sagt Hagemann, der schon bald während seines Geschichtsstudiums in Bonn und während des Praktikums im Klever Stadtarchiv den Lebensweg des alten Grafen kreuzte.
Sein orange-rot eingebundenes, 133-Seiten starkes Büchlein aus der Diözesan und Dombibliothek konzentriert sich dann auf die Frühzeit der Regierung, in der Johann vor allem als moderner Verwaltungsreformer auftrat. Galt Kleve doch schon zu der Zeit Johanns als die fortschrittlichste verwaltete Grafschaft des Reiches.
Spannende Geschichte
Aber bis es dahin kam – das ist ein spannendes Stück Geschichte, das Hagemann auch für den interessierten Laien gut lesbar in seiner jetzt veröffentlichen Magisterarbeit erzählt. Darin auch die Stammtafeln der beteiligten Herrschaftshäuser, ein Abriss der Klevischen Städte und schließlich die Räte und Berater.
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