Kleve: Fähre: Schänzer sollen zahlen
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 10:00Kleve (RPO). Die Fähre "Martin Schenk" macht jährlich 390 000 Euro Verlust. Schänzer fahren jetzt kostenfrei, künftig sollen sie zahlen, sagen CDU, Grüne und FDP. SPD-Fraktion hat Beratungsbedarf. Auch die Fahrzeiten stehen zur Disposition.
Kleve-schenkenschanz Die Fähre von Düffelward nach Schenkenschanz über den Altrhein bietet den kürzesten Weg von der einstigen Festung auf der Halbinsel zwischen Rhein und Altrhein nach Kleve. Bei Hochwasser ist sie die einzige Verbindung, wenn das Deichtor in Griethausen schließt und den Straßenweg sperrt. Seit Anfang der 1970er Jahre dürfen die Schänzer die Fähre kostenfrei nutzen: Damit fahren die Kinder zur Schule, die Bürger zur Arbeit, so die Argumentation. Künftig sollen die Schänzer für die Fähre zahlen. Auch die Fähr-zeiten könnten verkürzt werden.
"Martin Schenk"
Die Fähre, die den Namen des Erbauers der Schanz trägt, ist 20 Meter lang und 6,4 Meter breit.
Seit 1905 gab es eine Seilzugfähre, seit Juni 1967 war eine gebrauchte Dieselfähre im Einsatz. Sie lief bis Januar 2003. Seitdem setzte Martin Schenk über.
Was kostet die Fähre? Insgesamt ist das Schiff 5700 Stunden im Jahr im Einsatz, fährt Montag bis Freitag von 6 bis 21.45 Uhr, Samstag von 7 bis 22.45 Uhr und Sonntag von 8 bis 22.45 Uhr. Neben den Betriebskosten schlagen vor allem die Personalkosten zu Buche. Vor Steuern beträgt das jährliche Defizit 390 000 Euro. Würde man die Fahrzeiten auf 13 statt 15 Stunden am Tag kürzen, würde dieser Verlust um 30 000 Euro jährlich verringert. Eine kleinere Fähre würde bei kürzeren Fahrzeiten das Ergebnis um 80 000 Euro jährlich verbessern. Würde die Fähre stillgelegt, hätte man nach Abschreibung rund 210 000 Euro gespart (so ein internes Papier der Stadtwerke).
Wie viele Tage ist Martin Schenk im Einsatz? Im Jahr 2009 fuhr die Fähre an 284 Tagen. Sie lag 67,5 Tage wegen Sturm oder Niedrigwasser still und fiel an 13,5 Tagen aus.
Wie viele Pkw/Lkw, Menschen und Fahrräder transportiert die Fähre? 2009 setzte sie 40 117 mal über. Die besten Monate waren April/Mai/Juni mit bis zu 5000 Übersetzungen im Monat, im Oktober wurden nur 252 Fahrten gezählt. 2009 waren es 20 370 Fahrzeuge (bester Monat: 2343 im Mai, schlechtester Monat: fünf im Oktober). 3 676 Fahrzeugführer haben die Fährgebühren gezahlt. 19 747 Personen und Fahrräder setzten über, davon zahlten 13 379 Gebühren.
Zu welchen Zeiten wird die Fähre genutzt? Die Hauptnutzung für Personen und Fahrräder liegt zwischen 10 und 19 Uhr. Von 6 bis 7 Uhr queren zwischen sieben und 30 Pkw, Lkw und landwirtschaftliche Fahrzeuge monatlich den Altrhein, 193 im Jahr (in guten Monaten einer am Tag in dieser Stunde). In den Stunden von 7 bis 10 Uhr sind es stündlich jeweils rund 100, bis 19 Uhr knapp 200 im Monat. Beispiel: Im besten Monat April 2009 kamen von 17 bis 18 Uhr 234 Fahrzeuge auf die Fähre. Das wäre in dieser Stunde ein Schnitt von ca. acht Fahrzeugen täglich. Nach 22 Uhr wird die Fähre kaum genutzt: 28 Fahrzeuge setzten 2009 in dieser Zeit über.
Welche Gebühren müssen Nicht-Schänzer zahlen? Hin- und Rückfahrt: Erwachsener 0,65 Euro, Fahrradfahrer 1,30 Euro. Pkw zahlen für die einfache Fahrt 1,50 Euro. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen werden nicht transportiert, Kinder unter vier Jahren sind frei, bis zehn Jahren 20 Cent.
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