Kleve: Flaschen und Römer aus Rindern
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 30.08.2008Kleve (RPO). Das Forum Arenacum gehört zu den vielen kleinen Museen im Kreis Kleve, die sich mit ehrenamtlicher Tätigkeit etabliert haben und viel von der Geschichte und der kulturellen Vielfalt der Region erzählen. Bei den Kreis Klever Kulturtagen schauen die Rinderner als Römer über die Grenze.
Die Kohorte kommt von Süden: Schwere Schilder vor sich hertragend, den glänzenden Römerhelm auf dem Kopf und das Pilum schräg vor sich her tragend. „Das Pilum, ist der Spieß“, übersetzt Roland Verheyen sogleich das über 2000 Jahre alte Wort. Denn es ist der Wurfspieß der Römer, den der Legionär als Waffe mit sich trug. Diese Kohorte wird zu den Kreis Klever Kulturtagen über die Grenze bei Millingen marschieren – in absolut freundlicher Absicht und bestimmt herzlichst auf niederländischer Seite begrüßt. Denn dort wird ein alter Römerstein enthüllt, wie der berühmte Mars-Camulus-Stein aus Rindern. Nur eben als Kopie.
Forum arenacum
Auf über 100 Quadratmetern zeigt das Forum arenacum keltische, römische und fränkische Funde aus Rindern und seiner Umgebung, und präsentiert moderne Kunst. Seit kurzem zeigt das Haus auch die Beuys-Büste des Klever Künstlers Brüx.
Das Römerlager ist samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen, das Forum ist von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Dazu gibt es ein prächtiges Römerfest zu dem Besucher eingeladen sind: Auf dem großen Spielplatz im niederländischen Millingen wird die Rinderner Römer-Kohorte mit anderen waschechten Römern ein Römerlager errichten. Daneben campen die Kinder aus der Klever Ortschaft. Die basteln farbenfrohe Fibeln und Tuniken und sind zur Enthüllung des Steins als wieselnder römischer Nachwuchs auf echten Römersandalen (aus dem Hause Leenders, so Verheyen) unterwegs. Dazu gibt’s im Lager römischen Wein, Honigbrot und Olivenbrot, wird ein Bogenschießen organisiert.
Bronzefunde
Derweil warten im Forum an der Hohen Straße 116 in Rindern die echten römischen Fundstücke auf den Besucher: Schälchen und Urnen ruhen in den Vitrinen, daneben auch Reste aus niederrheinischen Grabhügelkultur und fränkische Grabfunde. Nicht zu vergessen die Bronzefunde aus Düffelward, eine Leihgabe des Museums Kurhaus Kleve. Ein weites Stück niederrheinischer Geschichte in dem alten Haus aus dem 19. Jahrhundert, das die ehrenamtlichen um Roland Verheyen und Heimatsvereinsvorsitzenden Josef Gietemann liebevoll restauriert haben.
Doch schaut man durch den langen Flur des Hauses, sieht man auch gleich Kunst der Gegenwart. Iris Thömmes hat eine ganze Serie ihrer zarten Frauenakte in alte Milchflaschen gefüllt, die in Reih und Glied auf den tiefen Deckenbalken des Souterrains stehen (und Stück für Stück für 30 Euro verkauft werden). Daneben Bilder, Landschaften von Anne Thoss: Spuren titeln die. So wie die Spuren der geschichte im Haus . . .
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