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Kleve: Fledermaus ärgert Deichverband

VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012

Kleve (RP). Die Mitglieder des Deichverbands Xanten-Kleve müssen künftig mehr zahlen. Besonders für Landwirte wird es deutlich teurer. Grund sind umfangreiche Gewässerschutzmaßnahmen. Deichsanierung stockt in Teilbereichen.

Das Kalflack-Schöpfwerk in Warbeyen. Seit Oktober 2011 ist dort eine Fischtreppe in Betrieb.  Foto:  Klaus-Dieter Stade
Das Kalflack-Schöpfwerk in Warbeyen. Seit Oktober 2011 ist dort eine Fischtreppe in Betrieb. Foto: Klaus-Dieter Stade

Auf den Deichverband Xanten Kleve kommen eine Menge Arbeit und – damit verbunden – hohe Kosten zu. Das bleibt auch für die derzeit 20 600 Mitglieder nicht ohne Folgen: 20 Prozent der Investitionen für maximal 40 Gewässerschutzmaßnahmen, die in den kommenden Jahren anstehen, werden als Eigenanteil auf die Mitglieder umgelegt. Dadurch steigt der Hebesatz im Bereich Gewässer für die unbebauten Flächen von derzeit 5 Cent pro Ar (100 m²) auf 6 bis 7 Cent pro Ar und für die bebauten Flächen von derzeit 81 Cent pro Ar auf 96 bis 99 Cent pro Ar.

Was das für einen Hausbesitzer ausmacht, rechnete gestern Geschäftsführer Bernhard Schlüß bei der jährlichen Pressekonferenz des Deichverbands vor: "Für ein bebautes Grundstück von 500 Quadratmetern Fläche müssen Hausbesitzer künftig 6 statt bisher 5 Euro im Jahr zahlen." Wesentlich teurer wird es für Landwirte. Schlüß rechnet damit, dass für den Besitzer eines 50 Hektar großen Hofes künftig 100 Euro mehr pro Jahr fällig werden.

Info

Briener Schleuse

Die vorläufige Schließung der Schleuse in Brienen habe keine Auswirkungen auf die Arbeit des Deichverbands, betonte Geschäftsführer Bernhard Schlüß. Bisher habe das Wasser- und Schifffahrtsamt noch keine Gespräche mit dem Deichverband aufgenommen. Es sei lediglich mitgeteilt worden, dass die Schleuse auch über den 1. April hinaus geschlossen bleibe. Der Deichverband übernehme nach wie vor das Abpumpen des Wassers.

Grund für die Beitragssteigerung sei, so Schlüß, die so genannte Wasserrahmenrichtline (WRRL), ein EU-Gesetz, das die Verbesserung des ökologischen Zustands aller natürlichen Gewässer vorschreibt. Das bisherige Konzept des Umsetzungsfahrplans enthält 40 Maßnahmen an den Gewässern Kalflack/Hohe Ley, Niedere Ley, Bruckhofsche Ley, Griethausener (Kellener) Altrhein und Wetering/Spoykanal. Von diesen Maßnahmen sieht der Deichverband nur 17 als umsetzbar an. Um sie bis zum Jahr 2027 abschließen zu können, will der Deichverband eine zusätzliche Arbeitskraft einstellen und sein Personal damit auf 22 Kräfte aufstocken. Im März will der Deichverband die einzelnen Arbeiten verkünden, so dass sich die Anlieger darauf einstellen können.

Erläuterten Entwicklungen beim Deichverband Xanten-Kleve: (v.l.): Bernhard Schlüß (Geschäftsführer), Johannes van Betteray (1. Stellvertretender Deichgräf), Hans-Heinrich Beenen (Deichgräf) und Andreas Ploenes (2. Stellvertreter). Foto: Klaus-Dieter Stade

Auch im Bereich des Hochwasserschutzes, von dem nur die in den Niederungen wohnenden Mitglieder betroffen sind, rechnet der Deichverband mit einer Beitragsanhebung. Wann diese kommt, sei derzeit noch nicht abzusehen, so Schlüß. Der von jedem Mitglied zu zahlende Grundbeitrag wurde von 9,50 Euro auf 9 Euro gesenkt.

Ins Stocken ist die nun schon seit zwei Jahren fällige Banndeichseichsanierung Wardt/Vynen geraten. So soll ein großer Teil des für die Sanierung benötigten Materials per Schiff über den Rhein angeliefert werden. Dazu will der Deichverband den ehemaligen Kiesverladehafen Wardt herrichten. Das versagt bislang jedoch die Bezirksregierung Düsseldorf – aus Umweltschutzgründen. "Uns wurde gesagt, dass dort die Rauhhautfledermaus gesichtet wurde. Sie gehört übrigens zu den häufigsten Fledermausarten", sagt Deichgräf Hans-Heinrich Beenen. Um den Schifftransport doch noch zu retten, hat der Deichverband nun Anträge zur Nutzung eines Buhnenfelds als provisorische Anlegestelle gestellt.

Werden auch die nicht bewilligt, droht, so Schlüß, zwar kein Deichbruch, dafür aber Schadenersatzforderungen der Bauunternehmen. Auch Zuschüsse vom Land könnten wegfallen. Das hätte wohl wiederum steigende Mitgliedsbeiträge Beiträge zur Folge.

Quelle: RP/rl


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