Niederrhein: Florenz: 23 Jahre für Europa
VON CORNELIA BRANDT - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Niederrhein (RP). Seit 23 Jahren ist Karl-Heinz Florenz für die CDU Mitglied des Europäischen Parlaments, das in Brüssel und Straßburg tagt. Die RP begleitete den 64-jährigen Vollblutpolitiker und erlebte seine Arbeitstag vor Ort.
Zum Mittagessen ein rund drei Meter langes Fischbuffet, guter französischer Wein und am Nebentisch sitzt José Manuel Barroso, der aktuelle Präsident der Europäischen Kommission, während draußen die Sonne über Straßburg strahlt. Bei dem vermeintlichen Schlaraffenland handelt es sich um ein Arbeitsessen von Karl-Heinz Florenz, Mitglied des Europäischen Parlaments, das der Neukirchen-Vluyner aus eigener Tasche bezahlt. Denn oftmals schafft er es bei seinem straffen Zeitplan nicht einmal bis in die Parlaments-Kantine, weil ein Termin den nächsten jagt.
Die Übersicht behält hierbei Florenz' Assistentin, die Parlamentarische Referentin Julia Philipp. Seit rund fünf Jahren sind der Abgeordnete und die studierte Juristin ein eingespieltes Team. Sowohl in Brüssel als auch in Straßburg, wo das Europaparlament für eine Woche im Monat tagt. Wie in einem Bienenkorb geht es dann im Parlament zu, wenn mehr als 4000 Beschäftigte und mehrere Hundert Journalisten das Geschehen in Europa lenken und darüber berichten. Passenderweise sieht der Plenarsaal von außen auch aus wie ein Bienenkorb. Nachdem der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz als neuer Präsident des Europäischen Parlaments gewählt ist, steht Florenz noch schnell einigen deutschen Journalisten Rede und Antwort, bevor er zum nächsten Termin muss. Auf seinem Programm steht die Wahl des Vizepräsidenten.
Der Niederrheiner
Karl-Heinz Florenz (CDU) wurde 1947 auf dem Bauernhof seiner Eltern in Neukirchen-Vluyn geboren. Nach der Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister und einem Studienaufenthalt in den USA übernahm er den elterlichen Hof, den er noch heute als Landwirtschaft betreibt. Schwerpunkte seiner politischen Arbeit im Europäischen Parlament sind Umweltpolitik und Gesundheitsschutz.
In der Zwischenzeit hat Philipp vom Büro aus Interviewtermine mit Presseteams vereinbart. Das ZDF hat angefragt, die ARD möchte ein Interview, und auch ausländische Fernsehteams wollen eine Stellungnahme von Florenz. Es ist ein schönes Büro, das Florenz zur Verfügung steht. Die Aussicht aus dem zehnten Stock ist umwerfend, es gibt ein kleines Bad und sogar ein rotes Sofa und einen Fernseher. Doch der ist nicht zur Unterhaltung da, sondern ermöglicht es, vom Büro aus dem Geschehen im Plenarsaal zu folgen. Und das Büro, kaum größer als ein durchschnittliches Kinderzimmer, teilt er sich mit Philipp und einer Praktikantin.
Der nächste Tag startet mit der Schlüsseldebatte zum Programm der dänischen Ratspräsidentschaft. Im Pressebereich, gleich vor dem Plenarsaal, wartet schon ein Fernsehteam auf Florenz. Julia Philipp liest ihm schnell noch ein paar Stichworte und Zahlen zur neuen Elektroaltgeräterichtlinie vor, damit Florenz auch ja nichts Wichtiges zu erwähnen vergisst. Denn wieder und wieder beantwortet dieser geduldig die immer gleichen Fragen der Pressleute.
Schnell noch begrüßt Florenz im Vorbeigehen, Reinhard Bütikofer, den Sprecher der deutschen Delegation der Grünen im Europaparlament, während ein paar Meter weiter Udo van Kampen, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel, Abgeordnete interviewt. "Sie müssen zur Pressekonferenz", mahnt Philipp.
Im Konferenzsaal, der fast wie eine Miniaturausgabe des Plenarsaals aussieht, warten schon die internationalen Pressevertreter. An jedem Platz gibt es einen Kopfhörer, über den auf Knopfdruck der Übersetzung des Gesagten in die Sprachen der 28 Mitgliedsländer gelauscht werden kann. Die Simultan-Dolmetscher sitzen hinter Glasscheiben außen herum. Aquariums-Atmosphäre. Und wieder beantwortet Florenz die immer gleichen Fragen, bevor er wieder in den Plenarsaal eilt, wo als nächstes Ungarns Regierungschef Viktor Orbán vor der Kommission spricht. Mit der Debatte zu Durban und "seiner" Elektroaltgeräterichtlinie findet am späten Abend ein langer Tag sein Ende.
Am dritten und letzten Tag folgen endlich die Abstimmungen, unter anderem über Florenz' Elektroaltgeräterichtlinie. Der Plenarsaal ist jetzt proppenvoll. Vorher gibt Florenz noch schnell ein weiteres Interview. Wie ein "guter Geist" wacht auch jetzt Julia Philipp gleich daneben über das Geschehen. Und hält während der Aufzeichnung Florenz' Apfel, denn ein richtiges Mittagessen ist heute nicht in Sicht.
Die Abstimmung ist innerhalb weniger Minuten vorbei. Kurz nach Mittag herrscht Aufbruchstimmung. Im Massenstart verlassen die Beschäftigten das Parlament. Vor Florenz liegen jetzt noch gute fünf Stunden am Steuer seines Wagens, bis er endlich zu Hause im beschaulichen Neukirchen-Vluyn ist.
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