Kleve: Folterkammer Klassenzimmer
VON ANNE REMY - zuletzt aktualisiert: 08.03.2007Kleve (RPO). Viele Eltern ordnen den Widerwillen ihrer Schützlinge vor der Schule der Pubertät zu. Dabei hat dies Verhalten oft einen anderen Grund: Der Schüler ist womöglich ein Mobbingopfer und hat echte Angst.
Kreis Kleve Lernen kann nur Spaß machen, wenn man sich an seiner Schule auch wohl fühlt. Doch was ist, wenn man in seiner Klasse mehr Feinde als Freunde hat? Dann vergeht der Spaß und der morgendliche Gang zur Schule wird zur Qual. Zoff, Krach und Streit im Klassenzimmer hat es immer schon gegeben, doch seit einigen Jahren greift Mobbing an Schulen um sich.
Beim Mobbing suchen sich Schülergruppen einen meist schwächerer Schüler ganz zielgerichtet aus und schikanieren ihn im schlimmsten Fall täglich. Dem einzelnen Opfer allein bleibt wenig Möglichkeit zur Gegenwehr: Der Mobinngwahn beginnt. Der Schüler wird fortan aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt, wird ausgelacht oder ungerechtfertigt irgendwelcher Vergehen beschuldigt. Häufig erfinden die Täter Gerüchte über ihr Opfer oder ignorieren es völlig. Aber das ist kein harmloser Spaß, denn Mobbing ist echter Psychoterror, der zu ernsten Erkrankungen führen kann. Folgen sind zum Beispiel Angstzustände und Depressionen, die das Opfer schlimmstenfalls sogar zum Selbstmord treiben können.
Hilfsangebot
Das Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen bietet eine Beratung für Mobbingopfer an.
Beim c@ll NRW stehen unter Telefon 0180/3100110 (9 Cent je Minute) Vertrauenspersonen zur Verfügung, die Betroffene auch zu umliegenden Kontaktstellen weiter vermitteln.
Ein Dialekt reicht schon
Kriminalkommissarin Birgit Stoll vom Kommissariat Vorbeugung in Goch erklärt, dass im Prinzip jeder Schüler Opfer von Mobbing werden kann. „Ein fremder Dialekt oder ein Sprachfehler gibt Schülern gelegentlich schon Anlass zur Schikane.“ Auch die falsche Klamottenmarke oder eine schlechte Note in Sport wird zum Angriffspunkt. Stoll besucht regelmäßig Schulen, die Mobbing bekämpfen wollen. Sie führt Gespräche mit den Schülern und klärt sie dabei auch über rechtliche Folgen auf. Denn: wer intensiv schikaniert, dabei womöglich körperliche Gewalt anwendet oder seinem Opfer ernsthaft droht, macht sich auch strafbar.
Zum Glück ist Mobbing aber inzwischen als erstes Problem erkannt worden und es gibt eine Reihe von Ansprechpartnern für Mobbing-Opfer. Um Konfliktsituationen zu vermeiden und Streitigkeiten „direkt im Keim zu ersticken“ wurde zum Beispiel an der Sankt-Nicolaus-Hauptschule in Kalkar ein Sicherheitsdienst eingeführt. Schüler der Jahrgangsstufe zehn achten in den Pausen auf besondere Auffälligkeiten. Und das mit großem Erfolg. „Gibt es Streitigkeiten, aus denen ja durchaus Mobbing entstehen könnte, werden diese direkt vom Sicherheitsdienst gemeldet. Wir setzten uns dann zusammen an einen Tisch und sprechen offen über den Konflikt.“, erzählt Anne Spelmans, Vertrauenslehrerin der Schule.
Auch Birgit Stoll rät Mobbingopfern ausdrücklich, sich an eine Vertrauensperson zu wenden und mit ihr über die Probleme zu sprechen. Denn wer nicht mehr alleine ist, findet auchen einen sicheren Lösungsweg aus dem Schicksal Mobbing.
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