Kalkar: Fonck ist jetzt Jägermeister
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 18:07Altweiberumzug mit Rathaussturm in Kalkar. Den Frost-Frust mit Feiern aus den Knochen verbannt. Das Wasser der Stadt wurde im närrischen Lindwurm in Bier umgewandelt. Die Beginen verteilten „Essen auf Rädern”. Gerhard Fonck I. mit seinem Hofstaat entmachtet.
Der wochenlang angestaute Frost-Frust wurde mit Helau-Rufen, Schunkeln und diversen flüssigen Muntermachern am Donnerstag aus Kalkar vertrieben. Beim Altweiberumzug und Rathaussturm der Kalkarer Karnevals-Gesellschaft (KKG) trieb die Stimmung des Narren-Volkes die Kälte aus den klappernden Knochen - die Narren machten Kalkar zur Hauptstadt des Straßenkarnevals im Kleverland.
Die „Sperrspitze” des närrischen Lindwurms bildete der KKG-Wagen mit dem Stoßtrupp, der nach dem Umzug mit Hellebarden auf das Rathaus stürmte. Die närrischen Soldaten wurden von Fuß- und Musikgruppen sowie dem jecken Volk auf den anderen Motivwagen begleitet. Mit der bunten Helau-Armee feierten etliche Narren am Straßenrand die bevorstehende Entmachtung Gerhard Foncks und seines Hofstaates.
Am Altweiberumzug der Kalkarer Karnevals-Gesellschaft (KKG) durch den historischen Stadtkern nahmen über 500 phantasievoll kostümierte Narren teil. Im närrischen Lindwurm zogen 30 Wagen- und Fußgruppen vom Josefsplatz über die Altkalkarer Straße, am Markt vorbei, über die Kesselstraße, die Grabenstraße und über die Monrestraße zum Rathaus, wo die Feste der politischen Narretei bis Aschermittwoch eingenommen wurde.
Lokolkolorit besaß der Zug. Das Kalkarer Wasser wurde von den Brauern aus Mühle zu einem edlen Tropfen verwandelt, der für die Narren ausgeschänkt wurde. „Essen auf Rädern” reichte die als Beginen verkleideten Kolping-Senioren. Unterstützung erhielten sie von MGV Sängerbund Kalkar, der wegen seines 125-jährigen Jubiläums den Sessionsorden der Kalkarer Karnevals-Gesellschaft bekommt. Eifrig bei der Essensausgabe war Agnes Jacob, mit 88 Jahren wohl die älteste Teilnehmerin im Lindwurm.
Vom Kirchturm zum Karneval
Die Messdiener von Heilig Geist tauchten als Nixen von der Kirchturmspitze in die irdischen Niederungen des Karnevals. Ein prächtiges Bild boten die kleine Indianer des Nikolaus-Kindergartens auf ihrem Wigwam-Wagen. Putzig anzusehen waren auch die sieben Zwerge und Schneewittchen aus dem Eulenspiegel-Kindergarten. Abgehärtet gegen den eisigen Wind waren die lustigen Pharaonen von der Griether Karnevalsgesellschaft. Die Besatzungen der Narrenschiffe der Josef-Lörks-Grundschule und des BSV Altkalkar schunkelten sich auf ihren Gefährten warm.
Mit donnerndem Geschützfeuer eröffnete die Narren-Armee den Angriff aufs Rathaus. König Gerhard Fonck I. kämpfte mit seinem märchenhaften Hofstaat mit Rotkäppchen und Wolf sowie mit Pils angeheuerten römischen Legionären aus der Kalkar Kaserne um seine Macht. Fonck verteidigte mit der Flinte und in einem schwungvollen Wortgefecht mit KKG-Sitzungspräsident Hans-Georg Biesemann sein märchenhaftes Schloss.
Doch die Wort- und Geschützsalven aufs Rathaus ließen schließlich die Verteidiger kapitulieren, die den märchenhaften Schlüssel zum Rathaus im Bauch des Wolfs versteckt hatten. Die Machtübernahmen feierte das jecke Volk, das den Bürgermeister bis Aschermittwoch zum Jägermeister degradierte, ausgelassen im Festzelt.
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