Niederrhein: Franz Haniel: Das Herz in Ruhrort
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 11:38Niederrhein (RPO). Franz Haniel legte mit der Industrialisierung den Grundstein für einen Weltkonzern. Seine Nachfahren bestimmen noch heute die Geschicke der Unternehmensgruppe und treffen sich einmal im Jahr in Ruhrort.
Ein Familienunternehmen hat einen großen Vorteil und einen ganz großen Nachteil: Beides ist die Familie. Franz M. Haniel, Aufsichtsratschef der Franz Haniel GmbH & Cie., bewies mit dieser Aussage bei der Jubiläumsfeier aus Anlass des 250-jährigen Bestehens des Unternehmens 2006 durchaus Humor. "Erfolg in der Welt, Herz in Ruhrort" – dieses Motto des Konzerns stimmt heute noch.
Der scheinbare Widerspruch zwischen dem global operierenden Konzern und der rund 600-köpfigen (Groß-)Familie, die sich beinahe ritualhaft einmal im Jahr in Ruhrort die Ehre gibt, ist auch Teil eines Erfolgsrezeptes. Das Gebaren des "ehrbaren Kaufmanns" im klassischen Sinne soll auch heute noch das Handeln bestimmen – so weit dies bei einem Konzern möglich ist, der sein Geld mit Pharmazie (Celesio AG), Schrotthandel (ELG), Büroausstattung (Takkt AG) und Textil- und Waschhygiene (csw-boco) verdient. Ganz wichtig ist natürlich auch die Metro-Beteiligung: Haniel hält über ein Drittel an der Metro-Gruppe. Dazu gehören auch die Warenhauskette Galeria Kaufhof, die Real-Verbrauchermärkte und die Elektronik-Riesen Saturn und Media Markt.
Haniel heute
Präsenz: Mehr als 500 Standorte in 30 Ländern vor allem in Europa, Nordamerika und Asien.
Mitarbeiter: 53.000 weltweit, mehr als 40.000 außerhalb Deutschlands.
Umsatz: 24,5 Milliarden Euro.
Ergebnis nach Steuern: 17 Millionen Euro.
Internet: www.haniel.de
Strikte Trennung
Noch immer ist Haniel ein Familienunternehmen, Kapital und Management sind strikt voneinander getrennt. Die "Familie" Haniel lebt ganz gut von und mit ihrem Unternehmen. 2007 bekamen sie noch eine Dividende von rund 120 Millionen Euro ausgezahlt, nach der Wirtschaftskrise gab es dann nur noch zweistellige Millionenbeträge. Zuletzt machte Haniel trotz heftiger Gewinneinbrüche immer noch einen Umsatz von 24,5 Milliarden Euro. Der heute diversifizierte Mischkonzern, der seine Stärke nicht zuletzt aus der Besetzung gänzlich unterschiedlicher Wirtschaftszweige in Handel und Dienstleistungen bezieht, begann weitaus bescheidener. Der Namensgeber Franz Haniel ist indes nicht der Gründervater des Unternehmens. Den Auftakt macht 1756 der Kaufmann Jan Willem Noot, der in Ruhrort ein "Packhaus" errichtet, in dem Kolonialwarenhändler Waren aus Holland lagern konnten. 1772 übernimmt Noots Schwiegersohn Jacob W. Haniel das Geschäft und gliedert einen Weinhandel an. Franz Haniel wird am 20. November 1779 als Johannes Franciscus Haniel in Ruhrort geboren. Seite Eltern Aletta und Jacob Wilhelm Haniel leiten zu dieser Zeit eine gut gehende Spedition und ein Handelshaus. Als 15-Jähriger verlässt er die Schule und hilft im elterlichen Kontor aus. Gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard wird er dort 1796 angestellt. Zwei Jahre später beginnt Franz Haniel doch noch eine Ausbildung in einem Handelshaus in Mainz, doch bereits ein Jahr später kehrt er nach Ruhrort zurück.
Um die Jahrhundertwende forciert Haniel die Industrialisierung: Kohlenhandel, Schifffahrt und Eisenhütten bringen einen kometenhaften Aufschwung des Unternehmens. Vor allem die spätere Gute-Hoffnungs-Hütte (GHH) in Oberhausen sorgt für ein prosperierendes Unternehmen, weil mit dem Kohlebergbau und dem Maschinenbau schließlich eine Wertschöpfungskette gebildet wurde, in der kein Element fehlt. Als Franz Haniel 1868 stirbt, hinterlässt er ein Firmenimperium mit einem weit verzweigten Netzwerk. Die "Familie" profitiert im Grunde genommen noch heute davon.
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