Niederrhein: Friedrich Wilhelm von Seydlitz: Ein ungehorsamer General
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 11:22Niederrhein (RPO). Der preußische Reitergeneral Friedrich Wilhelm von Seydlitz wurde 1721 im District Cleve geboren. Er zeichnete sich im Siebenjährigen Krieg aus, wurde bei Kunersdorf verwundet und von Friedrich dem Großen hoch dekoriert.
Nach ihm wurde ein schwerer Kreuzer benannt, es gibt Zinnfiguren, die ihn mit Dreispitz zu Pferde immer noch über Minischlachtfelder springen lassen und in Kalkar trägt eine Luftwaffenkaserne seinen Namen, viele Reitervereine sind nach ihm benannt: General Friedrich Wilhelm von Seydlitz. 1721 im Distrikt Cleve vielleicht in Kalkar geboren, 1773 in Ohlau, Schlesien, gestorben. Es war der Mann, der Friedrich dem Großen von Preußen wichtige Siege rettete, der die leichte Reiterei revolutionierte und einer der wichtigsten Kavallerieführer Preußens wurde.
Berühmt machte ihn auch sein Ungehorsam: In der Schlacht bei Zorndorf 1758 soll es zur von Theodor Fontane in der Wanderung durch die Mark Brandenburg beschriebenen Befehlsverweigerung von Seydlitz' gegenüber keinem Geringeren als dem König selbst gekommen sein. Friedrich hatte seinen General befohlen, anzugreifen. Doch von Seydlitz weigerte sich. Mehrmals. Als ihm Friedrich schließlich bei "Gefahr seines Kopfes" androhte, loszuschlagen, soll Seydlitz jenen legendären Satz gesagt haben: "Nach der Schlacht stehe dem König sein Kopf zu Befehl; während derselben möge er ihm noch erlauben, davon in seinem Dienste Gebrauch zu machen". Der Schriftsteller kommentierte lapidar: "Der Zeitpunkt war noch nicht gekommen". Fontane sah in Seydlitz den Vertreter der positiven preußischen Tugenden, die mehr seien als nur Befehl und Gehorsam.
Preußische Legende
Ob Friedrich Wilhelm von Seydlitz wirklich in Kalkar geboren wurde, ist nicht eindeutig nachzuweisen, schreibt Prof. Gerhard Kaldewei in seiner lesenswerten "Geschichte einer preußischen Legende. Nur ein General!" (ISBN 978-3-941624-13-9, 19.80 Euro). Seydlitz' Mutter verließ mit ihrem Sohn im Jahr 1728 bereits den Niederrhein.
Schlacht bei Zorndorf
Nach den siegreichen Schlachten von Roßbach und Zorndorf gegen zahlenmäßig überlegene Gegner, die auch durch Seydlitz Kavallerieattacken gewendet werden konnten, wurde der spätere General befördert und hoch dekoriert. Bei der für Preußen verheerenden Niederlage gegen die Russen und Österreicher bei Kunersdorf wurde von Seydlitz schwer verwundet. Seine Reiterei wurde von feindlichen Kanonen zusammengeschossen.
Zurück in Berlin, sich von der Verwundung zu kurieren, erholte sich der Reitergeneral nur langsam, hatte im Gegenteil mit schlechter Gesundheit zu kämpfen. Dann heiratete er die junge Johanne Albertine Ulrica Amalia von Haacke, die ihm zwei Töchter gebar. Es wurde keine glückliche Ehe. Während Amalia die gesellschaftlichen Vergnügungen vorzog, ritt Friedrich Wilhelm lieber aus. Außerdem soll seine Frau eine Vorliebe für jüngste Offiziere gehabt haben, die sich in ihren Armen wie ein Seydlitz fühlen durften.
Nur vier Jahre nach der Hochzeit kam es zur Scheidung, die Töchter blieben beim General, seine Frau ging nach Berlin. Von Seydlitz, der in jungen Jahren ebenfalls ein Frauenheld gewesen sein soll, wie es Gerhard Kaldewei in seinem Buch über Seydlitz schreibt, hatte auf dem Feld der Liebe eine Niederlage erlitten. Nach dem Siebenjährigen Krieg machte der König den Reiter aus Kalkar zum Generalinspekteur der preußischen Reiterei mit Sitz in Ohlau, wo Seydlitz nach einem Schlaganfall verstarb.
In Kalkar setzte man dem General ein Denkmal mitten auf dem Marktplatz, das nach dem Krieg beschädigt abgebrochen wurde. Im Gegensatz zu Fontane sah später der Schriftsteller Joseph Roth in Seydlitz nicht den Helden, sondern nur "einen General", dessen Reiterdenkmal draußen auf dem Markt klar den Kampf gegen die lächelnden Heiligen aus Holz in der Sankt-Nicolai-Kirche verliere.
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