Kreis Kleve: Frühwarnsystem für Kinder
VON ANJA SETTNIK - zuletzt aktualisiert: 09.12.2008Kreis Kleve (RPO). Der Runde Tisch gegen Gewalt oder das Frühwarnsystem „ahoi“ – vorbeugende Initiativen gegen Kindesmisshandlung gibt es in der Region schon. Demnächst soll die Informationsdatei „riskid“ hinzu kommen.
,AHOI’ im Notfall
Ebenfalls ein Baustein zum Frühwarnsystem, das gefährdete Kinder schützen soll, ist im Kreis Kleve das Projekt „AHOI“ (Ambulante Hilfe, Offene Intervention), das vom Land gefördert wird.
Kreisjugendamt, AWO, Krankenhäuser und Ärzte im Kreis sorgen dafür, dass bei Kindeswohlgefährdungen nicht nur sofort ein Besuch bei den Eltern erfolgt, sondern dass noch am Tag der bekannt gewordenen Krisensituation flankierende Familienhilfe einsetzt.
Es gibt Eltern, die, um Misshandlungen ihrer Kinder zu verschleiern, verschiedene Ärzte aufsuchen. Häufige Prellungen oder Zerrungen würden dem Kinderarzt sonst sicherlich auffallen.
In Duisburg existiert seit einiger Zeit die Informationsdatei Risikokinder (Riskid), die der Hamborner Kinderarzt Dr. Ralf Kownatzki ins Leben gerufen hat. Es gibt Arztkollegen, die sich ein solches Internet-Frühwarnsystem auch für den Kreis Kleve wünschen, zu ihnen zählt der Kevelaerer Kinderarzt Dr. Abiodun Ogundare. Doch Datenschützer fürchten, die Patientendaten könnten in falsche Hände geraten.
Der Datenschutz
Bei einem Vortrag in Wesel empörten sich Zuhörer darüber, dass der Datenschutz für wichtiger angesehen werde als der Kinderschutz. Doch der Leiter der Klever Kinderklinik, Dr. Jochen Rübo, beschwichtigt: „Das Problem besteht darin, die Informationen ins Netz zu stellen, wo sie nur schlecht gegen den Zugriff Unbefugter geschützt werden können.
In unserer ländlichen Region funktioniert die Kommunikation so gut, dass der direkte Austausch von Kollege zu Kollege fast immer möglich ist. Ich sehe die meisten niedergelassenen Kinderärzte alle zwei Monate in unserem Qualitätszirkel. Zwischen uns ist völlig klar, dass wir Verdachtsfälle miteinander besprechen. Da brauchen wir auf keinen Datenschutz Rücksicht zu nehmen.“
Marc Buchholz, Jugenddezernent in Kevelaer, weiß, dass der Austausch zwischen den Kinderärzten der Stadt und dem Jugendamt intensiv ist. „Wenn ein Kind nicht zu den U-Untersuchungen kommt, werden wir informiert, und dann gibt’s einen Brief an die Eltern mit der Bitte, einen Termin beim Kinderarzt auszumachen. So will es das Land, und wir finden alles gut, was Kinder schützt und Eltern hilft.“ Denn dies sei besonders wichtig: Eltern Wege aufzuzeigen, statt mit Strafen zu drohen.
Das betont auch Frank Unruh, Abteilungsleiter des Kreis Klever Jugendamtes: „Wenn ein Kind immer wieder blaue Flecken hat, wird uns das jeder Arzt melden. Schwieriger ist es, von nicht so augenfälligen Entwicklungsdefiziten zu erfahren. Gerade Kinder, die keinen Kindergarten besuchen, können wir inzwischen mit unseren Sprachtests erreichen. Und wenn Defizite auffallen, wenden wir uns an die Eltern und erklären ihnen, welche Therapie angezeigt ist. Solche Hilfen werden meist auch gerne angenommen.“ Durch frühzeitige Intervention sei es oft möglich, langfristigen Beeinträchtigungen entgegen zu wirken.
Manchmal, so Unruh, suchten auch Ärzte Rat. Zum Beispiel, wenn Kinder extrem übergewichtig seien. Ab wann sollte das „Amt“ davon erfahren, wenn Eltern nichts gegen diese Entwicklung ihres Kindes tun? „Auch hier gab es schon Fälle, wo unsere Sozialarbeiter nach Beratung mit dem Arzt Gespräche mit Eltern führten und etwa zu Kuren rieten.“ Offen mit den Problemen umzugehen, helfe den Kindern sicherlich am meisten.
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