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Niederrhein: Gelbe Aussichten: Post gibt Abbrechern Chance

VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 22.03.2010

Niederrhein (RPO). Es ist keine zwei Jahre her, da stand Tanja Plettke aus Alpen vor einem Scherbenhaufen. Aus Mangel an Alternativen wollte die heute 19-Jährige am Moerser Berufskolleg ihr Fachabitur im Bereich Gesundheitswesen in Angriff nehmen. Doch ein Pflichtpraktikum auf der Palliativstation einer Klinik setzte ihr seelisch derart zu, dass sie die Kollegschule verließ.

Fachfrau: Tanja Plettke hier beim morgendlichen Sortieren der Post für ihren Zustellbezirk. Die junge Frau hofft, nach ihrer Lehre zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen übernommen zu werden.   Foto: RPO
Fachfrau: Tanja Plettke hier beim morgendlichen Sortieren der Post für ihren Zustellbezirk. Die junge Frau hofft, nach ihrer Lehre zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen übernommen zu werden. Foto: RPO

"Die beiden Monate, die ich danach zu Hause war, habe ich als schlimme Zeit in Erinnerung", sagt die aufgeschlossene junge Frau, die mittlerweile beruflich ihr Glück gefunden hat – bei der Deutschen Post.

Zufällig erfuhr Tanja Plettke von der "Perspektive Gelb", einer Einstiegsqualifikation der Post für Jugendliche, die es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben. Die Bewerbungsunterlagen, die Tanja Plettke im für den Niederrhein zuständigen Duisburger Briefzentrum vorlegte, überzeugten. Ebenso punktete sie mit ihrer Persönlichkeit beim Vorstellungsgespräch.

"Kaum Zeit für ein Schwätzchen"

Nach einem sechsmonatigen Praktikum in Moers wurde ihr ein Ausbildungsvertrag angeboten. Seit 1. August wird Tanja Plettke nun in Wesel zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen ausgebildet. Eine körperlich nicht ganz leichte Arbeit, die ihr aber viel Freude bereitet. "Ich bin viel an der frischen Luft, und die Tätigkeit als Zustellerin in einem Weseler Innenstadtbezirk gefällt mir auch gut." Selbst das unangenehm kalte Winterwetter der vergangenen Wochen hat ihrer Begeisterung für den Job als Fahrrad-Zustellerin nichts anhaben können.

Ihr Arbeitstag beginnt gewöhnlich um 6.30 Uhr. Die in Duisburg bereits vorsortierten Briefe und Postkarten werden in Wesel um Zeitschriften und Kataloge ergänzt. Gegen 9 Uhr geht's dann schwer bepackt raus. "Weil's viel zu tun gibt, bleibt kaum Zeit für ein Schwätzchen mit den Kunden", sagt sie. Gegen 14 Uhr hat die junge Frau Feierabend. "Ich bin hier ganz glücklich und würde mich freuen, nach der Lehre übernommen zu werden", sagt sie.

Suche nach fitten Mitarbeitern

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. "Wir suchen in Zeiten des demographischen Wandels junge Mitarbeiter, die fit genug sind für diesen knackigen Job", sagt Post-Pressesprecher Rainer Ernzer. Und die Erfahrungen zeigen, dass gerade die Lehrlinge, die über das Projekt "Perspektive Gelb" den Sprung in die Ausbildung geschafft haben, besonders engagiert bei der Sache sind. "Neben der Suche nach neuen Mitarbeitern sehen wir uns als ein Unternehmen mit sozialer Verantwortung", sagt Ernzer. "Wir wollen jungen Leute, die keinen Abschluss haben und damit praktisch auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis stehen, eine Chance geben." Tanja Plettke hat diese Chance genutzt.

Quelle: RP

 
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