Kleve: Gesamtschule: Initiative kämpft weiter
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 05.10.2010 - 16:42Nach der Empfehlung des Schulausschusses, keine Gesamtschule in Kleve zu errichten, rauft sich die „Gesamtschul-Initiative“ noch einmal zusammen. Mit einem letzten Kraftakt soll der Rat umgestimmt werden.
Es war schon einmal voller im Versammlungssaal, wenn die „Gesamtschul-Initiative Kleve“ gerufen hatte. Im Klever Kolpinghauses fanden sich gerade einmal zwölf Gäste zusammen, um über die Perspektiven für eine Gesamtschule in Kleve zu diskutieren. Bei früheren Veranstaltungen waren es 60 bis 80 Mitstreiter gewesen, die sich für die Gesamtschule engagierten, schätzt Friedrich Foerster von der Initiative.
Das geschwundene Interesse erklärt er sich so: „Viele Eltern haben ihr Kind notgedrungen an einer anderen Schule anmelden müssen, weil bis jetzt noch keine Gesamtschule eingerichtet wurde.“ Und die jüngste Schulausschusssitzung (wir berichteten) hat wohl auch nicht gerade dazu beigetragen, neue Mitglieder zu generieren. Die mehrheitliche Empfehlung an die Ratsmitglieder lautete nämlich, in Kleve keine Gesamtschule zu errichten.
Die Initiative um Christian Nitsch, Martin Hiller und Jens-Uwe Habedank stützt sich auf in ihren Augen verlässliche Zahlen: 60 Prozent der Eltern hätten sich in einer Umfrage für eine Gesamtschule in Kleve ausgesprochen.
„Ist das das Ende“
So leitete Martin Hiller, Sprecher der Initiative, die Diskussionsrunde im Kolpinghaus auch mit der Frage ein: „Ist das das Ende der Initiative?“ Für das Verhalten der CDU- und die FDP-Ratsfraktion habe er kein Verständnis. Aber auch der Stadtverwaltung macht die Initiative Vorwürfe: „Die Gesamtschule ist bei der Verwaltung und der Mehrheitsfraktion nicht gewünscht“, sagte Hiller. „Der Zweckverband war nur vorgeschoben.“
Zum Hintergrund: Die Gemeinden Kranenburg und Bedburg-Hau sehen den Standort der Hauptschulen in ihren Gemeinden als gefährdet an, falls eine Gesamtschule errichtet würde. Die Stadt Goch befürchtet in diesem Fall eine Gefahr für die „Leistungsheterogenität der Schülerschaft“. Keine der drei Kommunen ist bereit, einem Zweckverband zur Finanzierung des Projekts beizutreten. Die Verwaltung hatte ausgerechnet, dass auf die Stadt Kleve hohe Kosten zukämen, wenn sie die Gesamtschule alleine finanzieren müsste. Insgesamt zahle die Stadt nach neun Jahren einen Betrag von 286.650 Euro jährlich für die Schüler aus den übrigen Kommunen.
Die Flinte ins Korn werfen will die Initiative mit einem „harten Kern“ von derzeit zwölf Mitgliedern aber nicht. Mit diversen Aktionen will sie bewirken, dass sich der Stadtrat bei der nächsten Sitzung am 10. November, doch noch auf ihre Seite schlägt. So soll an den Grundschulen ein Elternbrief verteilt werden, auf dem für die Gesamtschule geworben wird. Dann will die Gesamtschul-Initiative noch zwei Veranstaltungen durchführen. Förster hat für Montag, 25. Oktober, die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Sigrid Beer, eingeladen, ab 19.30 Uhr im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche an der Klever Linde zu sprechen. Am Montag, 8. November, sollen Vertreter der Ratsfraktionen zu einem „runden Tisch“ im Klever Kolpinghaus zusammenkommen, um sich zur Gesamtschule zu positionieren.
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