Kleve: Geschichten aus dem Café
VON MATTHIAS GRASS - zuletzt aktualisiert: 28.11.2009Kleve (RPO). Im Café Samocca entstand die Idee, ein kleines Büchlein aus dem Kaffeehaus herauszugeben. "Stimmt so!" heißt das und ist ab sofort im Buchhandel zu haben. Geschrieben haben die Geschichten Heiner Frost und Andreas Daams.
Kaffehäuser haben eine lange Tradition: Die begann schon, als der Milchkaffee noch ein Milchkaffee und kein "Latte" war, als der Espresso noch Mokka hieß und man ihn in Kännchen und nicht in Riesen-Tassen servierte und ein Geschäumter ein Geschäumter war. Heute hat die Kostbarkeit Kaffee moderne Namen, das Prinzip bleibt allerdings das gleiche: Nirgends lässt sich besser die Zeit totschlagen, als bei einer Tasse Kaffee. Selbst wenn der Kuchen kein Stückchen berühmte Sacher-Torte ist.
Idee zu schreiben
Es entstand die Idee, das in Kleve zu tun, wozu man um die Jahrhundertwende des vorigen Jahrhunderts am Wiener Ring, in Budapest oder auch in Berlin in den Cafés saß: Zu brüten, zu diskutieren und letztlich zu schreiben: Jetzt erschien bei der Edition anderswo von den Autoren Heiner Frost und Andreas Daams "Stimmt so!" mit Geschichten, die im Kaffeehaus entstanden. Dazu Bilder, die überall sein könnten, teils auch Szenen aus dem Kaffeehaus zeigen und vom Fotografen Rüdiger Dehnen stammen.
Den Anstoß gab in Kleve Gerd Tönnihsen, als Chef von Haus Freudenberg quasi der Erfinder des Kaffeehauses Samocca an der Hagschen Straße. Das bietet in seinem Konzept behinderten Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeit einen Arbeitsplatz und Klevern einen prima Kaffee – als Projekt der Haus Freudenberg GmbH.
Auf der anderen Seite bietet es besten Kaffee in zig-Sorten und Muße zum brüten, zum diskutieren und letztlich zum schreiben: Tönnihsen schlug's seinen Stammgästen Frost und Daams vor. Die beiden schlugen ein und trugen Geschichten zusammen, zu denen Rüdiger Dehnen Fotos stellt. Fotos, als Impressionen vom Niederrhein, die nicht einmal unbedingt etwas mit den Geschichten zu tun haben. "Hier nun haben wir einiges angerichtet, das hoffentlich amüsanter ist, als der Zustand der Welt. Wozu ein Café-Besuch doch nützlich sein kann", schreibt Andreas Daams im Vorwort.
Dann folgen die Geschichten – die natürlich nicht alle vom Kaffeehaus handeln. Die teils im Kaffeehaus entstanden, teils aber gesammelt, teils vorher schon veröffentlicht wurden. Da ist Martin, der Telefone verkauft, oder der Literaturkritiker, dem ein grünes Amazonaskrokodil, das Taxifahrer ist und zugleich Autor sein möchte, die Feier mit Mädchen im Etablissement. Der Kritiker jedenfalls zieht letztlich seine Konsequenzen.
So reiht sich Geschichte an Geschichte. fehlte nur noch der Titel. "Stimmt so!", stand auf einmal im Raum, sagt Daams. Passt ja auch zum Kaffeehaus. Und vor allem hatten alle, die vom Titel erfuhren, ihn behalten. Dann stimmt es so mit dem Titel, sagt Frost.
Auch Tönnihsen war vom Ergebnis überzeugt – das Büchlein, dessen Idee im Samocca geboren wurde, geht auch an Kunden von Haus Freudenberg.
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