Kreis Kleve: Gesucht: Liebe für Kinder
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Kreis Kleve (RPO). Es fehlen Pflegefamilien im Kreis. Das Jugendamt wirbt mit einer Plakataktion um Menschen, die ein Kind in ihre Obhut aufnehmen möchten. Pflegeeltern müssen keine Prüfung ablegen oder eine pädagogische Ausbildung haben.
Was arme Kinder glücklich sein könnten – wenn Menschen Mädchen und Jungen, die ohne Geborgenheit des heimischen Nestes aufwachsen, in ihr Herz schließen würden. Es fehlen für solche Kinder Pflegefamilien. Deshalb beschreitet das Kreisjugendamt jetzt einen ungewöhnlichen Weg. "Ich habe euch noch gefehlt?", steht auf den Plakaten, die in Kindertagesstätten, Grundschulen oder Arztpraxen hängen. "Wir wollen hier Menschen ansprechen, die für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Aufgabe in Frage kommen", sagte Landrat Wolfgang Spreen, als er die Aktion im Kreishaus vorstellte.
Betreuung langfristig angelegt
"Wir wollen vor allem Familien ansprechen, um Kinder unter zehn Jahren zu vermitteln", so Jugendamtsleiter Frank Unruh dazu, dass die Plakate in Grundschulen und Kindertagesstätten hängen. 200 Mädchen und Jungen, die teilweise aus "desolaten Verhältnissen" kämen, lebten derzeit nicht bei ihren leiblichen Eltern. "Die Unterbringung eines Kindes in eine Pflegefamilie sei für die Entwicklung der Mädchen und Jungen besser als ein Leben im Heim. Es gibt weniger Abbrüche oder Wechsel", berichtete der Landrat. Die Betreuung, die allerdings keine Adoption sei, sei meistens langfristig angelegt, in dem meisten Fällen bis zur Volljährigkeit.
Wer ein Pflegekind in seine Obhut nehmen möchte, muss keine Eltern-Prüfung vor einer Behörde ablegen oder eine pädagogische Berufsausbildung haben. Grundsätzlich könnten verheiratete und nicht verheiratete Paare, aber auch Einzelpersonen mit oder ohne eigenen Nachwuchs ein Kind aufnehmen, erklärt Unruh. Die Voraussetzungen seien aber oft günstiger, wenn in Pflegefamilien Mutter und Vater als Rollenvorbilder zur Verfügung stünden. In der Regel kämen die Kinder aus Familien, wo die Eltern nach einer längeren Beratung mit dem Jugendamt zum Ergebnis kämen, dass das Leben in einer anderen Gemeinschaft besser für die Entwicklung der Mädchen und Jungen sei. In anderen Fällen sei den leiblichen Eltern das Sorgerecht vom Gericht entzogen worden.
Gesicherte Verhältnisse
Liebe, Geduld, Zeit, Belastbarkeit, Freude am Zusammenleben und erzieherische Erfahrung sollten Pflegeeltern mitbringen, sagt der Leiter des Kreisjugendamtes. Eine weitere Voraussetzung seien gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse, in denen keine zu hohen finanziellen Verpflichtungen herrschten. "Wir wollen, dass möglichst viele Kinder in einer Pflegefamilie ein Nest finden. Wenn dann die Kinder erwachsen sind, sollen sie sagen können, das Leben in meiner Pflegefamilie war die Wende zum besseren in meinem Leben", appellierte der Landrat an möglichst viele Menschen, sich Gedanken über die Aufnahme eines Pflegekindes zu machen.
Das Kreisjugendamt ist für die elf Kommunen im Kreis zuständig, die weniger als 25 000 Einwohner haben. Kleve, Emmerich, Goch, Kevelaer und Geldern haben eigene Jugendämter.
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