Kleve: Getanzte Grafiken
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 22.04.2009Kleve (RPO). Brice Marden einmal anders: Aus Punkten und Linien wird eine Tanzchoreografie. Zwölf Schülerinnen der Realschule Kleve-Kellen haben mit dem Choreografen Ricardo Viviani einen Tanz zu den Grafiken erarbeitet.
Bilder kann man malen. Bilder kann man anschauen. Aber Bilder kann man auch tanzen. Das hört sich in Selinas Ohren nicht mal komisch an. "Zuhause, da stoppe ich auch einfach die Musik-DVD und tanze das Bild nach", erklärt die Elfjährige. Und dieses Mal, da ist es eben nicht Britney Spears' neues Video, das die Schülerin der Realschule Kleve-Kellen nachtanzt, sondern Druckgrafiken von Brice Marden im Museum Kurhaus. Zusammen mit ihren Freundinnen Jessika und Julia hat sie sich ein Bild der Serie "Green Book" ausgesucht. "Wir fanden nicht nur die Farben schön, sondern auch die Schwingungen. Das kann man prima tanzen, nach hinten gehen und sich durchbiegen", sagt Julia und macht es gleich mal vor.
Schule, Kunst, Museum
Beim Museumswochenende Ende September wollen die Schülerinnen der Realschule Kleve-Kellen ihre Choreografie nach den Werken Brice Mardens aufführen. Und zwar unter dem Programmpunkt "Mittendrin". Dann zeigen viele Schüler aus dem Kleverland ihre Ergebnisse aus Projektarbeiten von "Schule, Kunst, Museum", zum Beispiel Fotos, Videos, Vorträge oder einen Tanz.
Tanz vor den Objekten
Choreograf Ricardo Viviani hat mit zwölf Schülerinnen der Realschule ein Tanzprojekt unternommen, das vom NRW-Landesbüro Tanz gefördert wird. "Wir wollen unseren Schülern das Museum, die Kunst und den Tanz nahebringen, ihnen neue Bewegungsformen zeigen", beschreibt Konrektorin Helga Diekhöfer die Idee. Im Sportunterricht wurden zwölf Schülerinnen ausgesucht, "die besonders beweglich sind". Dann haben sich die Mädchen im Unterricht und vor Ort im Kurhaus mit dem New Yorker Künstler Brice Marden beschäftigt, um schließlich aus den Farben, Linien und Bildrhythmen eine Choreografie zu erarbeiten.
Genau 1 Minute und 30 Sekunden dauert die Tanzchoreografie, die bei einem Workshop direkt im Museum vor den Inspirations-Objekten entstanden ist. Die Choreografie orientiert sich am Gesamtwerk Mardens. "Seine Bilder sind anfangs geordnet und klar, später werden sie wilder und freier", sagt Viviani, der in Kleve lebt. Diese Dynamik hat Viviani versucht, als roten Tanzfaden zu nehmen.
Zunächst tanzen die Mädchen Gitternetze, symmetrische Muster, dann brechen sie das Schema, tanzen runde Formen, Dreiecke, mit Armen, Akrobatik und viel Fantasie. Immer in Dreiergruppen präsentieren die Schülerinnen, wie sie die Bildeindrücke in tänzerische Bewegungen transformiert haben. "Die Schüler müssen sich auf was Verrücktes einlassen, spontan sein, neugierig und vorurteilsfrei", meint die Kunstpädagogin. Das sei in Zeiten von Hip Hop und MTV nicht immer ganz einfach. Zudem hätten viele Kinder noch nie ein Museum von innen gesehen.
Die Arbeit mit den Schülern hat dem Choreografen aus São Paulo gefallen. Er will künftig weiter zeitgenössischen Tanz in die Klever Schulen bringen und mit der Realschule Projekte durchführen. "Je mehr man weiß über ein Bild, umso toller ist das Ergebnis", sagt Viviani. Die Schülerinnen haben sich so intensiv mit den Grafiken auseinandergesetzt, dass sie jetzt vielerlei darin erkennen: Lebensfreude und traurige Stimmungen, nicht nur Punkte und Linien. Und das zeigen sie in ihrem gemeinsamen Tanz.
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