Goch/Kleve: Goch prüft Hallenbad-Kauf
VON MATTHIAS GRASS UND MICHAEL BAERS - zuletzt aktualisiert: 24.01.2012Goch/Kleve (RP). Der am Wochenende ins Gespräch gebrachte "Investor" für das defizitäre Bedburg-Hauer Hallenbad sind die Stadtwerke Goch. Bürgermeister Peter Driessen führte seit November Gespräche. Entscheidung ausgesetzt.
Die Stadtwerke Goch prüfen zur Zeit, ob sie sich am defizitären Hallenbad in Schneppenbaum beteiligen oder es übernehmen werden. Wenn die Prüfung positiv ausfällt, hätte die Gemeinde Bedburg-Hau eine Möglichkeit gefunden, das Bad zu retten. Stadtwerke-Geschäftsführer Carlo Marx bestätigte gestern die Kontakte mit Bürgermeister Peter Driessen, wollte aber keine Stellungnahme zum Stand des Verfahrens abgeben. Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, dass Goch durchaus Potenziale in dem Bad sehe. Aber eben das werde derzeit geprüft.
Wie defizitär das Bad ist, darüber streiten die Geister. Bis jetzt stehen auf der Soll-Seite 300 000 Euro jährliche Unterhaltskosten. Zudem steht eine Sanierung von mindestens 1,5 Millionen Euro ins Haus. Das sei allerdings eine Billigsanierung, die nur die nötigsten Reparaturen berücksichtigt, unterstreicht FDP-Fraktionschef Michael Hendricks. Tatsächlich habe ihm die Verwaltung bestätigt, dass weitere versteckte Kosten hinzu kämen.
BedburgerNass
Im Januar 1975 wurde der Betrieb des Hallenbades am Rosendaler Weg in Schneppenbaum aufgenommen. Es gibt ein Schwimmerbecken (25 x 10 m) und ein Nichtschwimmerbecken (8 x 10 m) mit einer "Elefantenrutsche" für Kinder, dazu eine Gegenstromanlage und Nacken- und Massagedüsen.
Mit Darlehen für die Sanierung käme man in den folgenden Jahren auf jährliche Kosten von 500 000 Euro. Außerdem laufe das Blockheizkraftwerk des Bades auch nicht richtig. Hier müsse man mit weiteren Kosten rechnen. Derzeit sei das Bad nur noch offen zu halten, weil die Mannschaft täglich alle Rohre mit 95 Grad heißem Wasser durchspüle, sagen Hendricks und CDU-Fraktionschefin Silke Gorißen. Das zeige, so die beiden, wie schlecht der hygienische Zustand des Bades sei.
Gorißen und Hendricks zeigten sich zwar verwundert, warum Bürgermeister Peter Driessen, der wohl seit November mit den Gochern verhandele, erst zur Hauptausschusssitzung in nichtöffentlicher Sitzung die Politik informierte. Dennoch wolle man die Verhandlungen abwarten. Sicherheitshalber sollen die im Haushalt stehenden Sanierungskosten von 1,5 Millionen Euro aber aus dem Haushalt herausgenommen werden. "Das werden wir beantragen", sagten Gorißen und Hendricks gestern.
Günter van Meegen, unabhängiger Ratsherr, sieht "überhaupt keinen Grund", das Geld aus dem Haushalt herauszunehmen: "Denn wenn die 1,5 Millionen im Haushalt verbleiben, kann bei den Einzelentscheidungen wenn notwendig und nicht finanzierbar, zurückgerudert werden. Es würde dadurch kein Schaden entstehen", schrieb er gestern. Er führte ins Feld, dass die Gemeinde Bedburg-Hau für den Abriss des Bades eine Million Euro veranschlagen müsste. Hendricks rechnet hier mit 500 000 Euro, die unterm Strich blieben.
Der Rat wird Donnerstag die Entscheidung über die Bad-Sanierung wohl vertagen, bis Driessen konkrete Ergebnisse über die Verhandlungen mit Goch vorlegen kann. Driessen selbst nimmt zum Hin und Her um das Bad erst in der Ratssitzung Stellung. Gestern wollte er zu dem Thema nicht sagen.
Für SPD-Fraktionschef Wilhelm van Beek ist dagegen klar, dass die 1,5 Millionen Euro auf jeden Fall im Haushalt stehen bleiben müssen. "Schließlich ist die SPD immer schon für die Sanierung des Bades gewesen", sagte er gestern. Die Initiative für das Hallenbad ruft die Bürger zur regen Teilnahme an der Ratssitzung auf. Man wolle ab 16.30 Uhr für den Erhalt demonstrieren.
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