Kleve: Grieths Mühle unter der Haube
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Kleve (RP). Das ortsprägende Bauwerk ist nach der Renovierung und dem Aufsetzen des Kegeldachs 21 Meter hoch. Der Eigentümer Michael Schaudra verwirklichte sich einen Lebenstraum. Er wollte einen runden Wohnraum.
Seine große Liebe war ziemlich verwahrlost. Der 36-Jährige fühlte sich dennoch zu ihr hingezogen, weil er das "Runde" begehrt. Der selbstständige Dachdecker- und Klempnermeister Michael Schaudra hat in seiner Freizeit in neun Jahren mühsamer Arbeit seiner Liebe wieder ein attraktives Äußeres gegeben.
Nun ist er seit dem Wochenende glücklich, weil sie endlich unter der Haube ist – die Mühle in Grieth. Das Zuhause der Familie Schaudra mit Michael, Ehefrau Dorothea und Söhnchen Mike ist fast perfekt. Nach der Sanierung des Nebengebäudes, in dem die junge Familie lebt, und der Restaurierung der Mühle stehen nur noch einige Kosmetikarbeiten an.
Ein Kran hievte am Wochenende unter dem Beifall der Schaudras und der Helfer, die das Kegeldach nach Feierabend gefertigt und das Ereignis mit einem kleinen Umtrunk gefeiert haben, die fünf Meter breite und sechs Meter hohe Haube sozusagen als Krönung auf den Stumpf. Er setzte das 4,5 Tonnen schwere Dach, das mit Stahlbändern festgenagelt wurde, auf ein Betonfundament. 21 Meter hoch ist jetzt ein weiteres ortsprägendes Bauwerk des ehemaligen Schifferstädtchens.
Vier Generationen
Etwa vier Müllergenerationen in der Familie Reinkens seien ab 1900 bis etwa 1990 Besitzer der Mühle in Grieth gewesen und haben das Bauwerk mit Nebengebäude verkauft, sagt der Griether Jochem Reinkens, der Nachbar des denkmalgeschützten Ensembles ist.
Für Umbau des Nebengebäudes hat der heutige Besitzer von Mühle und angrenzendem Wohnhaus, Michael Schaudra, einen Zuschuss vom Amt für Agrarordnung erhalten. Die Kosten für Holz und Kupfer der Mühlenhaube betrugen über 6000 Euro. Zwei Jahre haben die Helfer für das Kegeldach gearbeitet.
Als Michael Schaudra im Jahr 2002 an Grieth vorbeifuhr und ihm die heruntergekommene Mühle ins Auge stach, hatte der junge Mann seine große Liebe entdeckt. Ein Jahr später war die Ruine mit dem verwahrlosten Nachbarhaus sein Eigentum. "Ich wollte immer einen runden Wohnraum haben", so der Handwerker über seinen Traum.
Der war aber für seine Ehefrau zunächst ein Albtraum: "Als ich erstmals in den Überbleibseln stand, dachte ich, er ist verrückt geworden", beschreibt Dorothea Schaudra ihre damaligen Gefühle. "Doch aus Liebe zu meinem Mann habe ich ihn unterstützt, dass er seine Sehnsucht verwirklichen konnte. Heute bin ich sehr, sehr stolz, was er geschafft hat", so die Ehefrau.
Im Nebengebäude hat sich die Familie mittlerweile ihr Heim eingerichtet. Der Mann hat danach Steine und Fugen des Mühlenstumpfs herausgenommen, das Bauwerk neu verfugt, die Mauer mit Chemikalien imprägniert und anschließend das Kegeldach gebaut – und erste Ideen zur Nutzung hat nun die Frau. "Vielleicht kann man in der Mühle Gästezimmer für Bekannte einrichten", überlegt Dorothea Schaudra.
Das Bauwerk wurde im 2. Weltkrieg beschädigt. Es sei im 14. Jahrhundert als Bockwindmühle erwähnt worden, sagt Jochem Reinkens. Zwischen 1764 und 1810 habe es keine Mühle gegeben. Erst ab dem Jahr 1810 könne der Betrieb einer Holländerwindmühle nachgewiesen werden, berichtet der Nachbar.
Jochem Reinkens ist sich sicher: "Die Griether sind froh, dass ein ortsprägendes Wahrzeichen renoviert worden ist."
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