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Kleve: "Guerilla-Gärtner" in Kleve

VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 01.09.2011

Kleve (RP). Bei der Protestform Guerilla Gardening bepflanzen Bürger ohne Erlaubnis Brachflächen mit Blumen. An der Brabanterstraße existiert das wohl erste Beet in Kleve. Das ist laut Stadt illegal, wird aber toleriert, sofern es gefällt.

Bastian Tyborski und Lisa Schultz vor dem von ihnen angelegten Beet an der Brabanterstraße. Die Hobby-Gärtner sind dabei, Dreck, Laub und Unkraut zu entfernen.  Foto:  Gottfried Evers
Bastian Tyborski und Lisa Schultz vor dem von ihnen angelegten Beet an der Brabanterstraße. Die Hobby-Gärtner sind dabei, Dreck, Laub und Unkraut zu entfernen. Foto: Gottfried Evers

Der Parliament Square in London und die Klever Brabanterstraße haben optisch nichts gemein. Doch eines verbindet den Platz in der britischen Metropole und die Straße am Niederrhein: An beiden Orten haben Menschen zu Blumenerde und Samen gegriffen, um auf eigene Faust triste Flächen in blühende Beete zu verwandeln.

Protestform

Guerilla Gardening nennt sich diese Protestform, die am 1. Mai in London ihren Anfang nahm und in diesem Jahr auch die Schwanenstadt erreichte. Seit dem Frühjahr ist eine Baumscheibe auf Höhe der Drususstraße mit verschiedenen Blumen begrünt, ein DIN-A4 großes Papier regt an, im Internet nach mehr Informationen zu suchen: "Guerilla Gardening ... just google it" (dt. "Guerilla Gardening ... google es einfach").

Info

Die Bewegung

Geschichte 2000 wurde Guerilla Gardening als Protestform in London ins Leben gerufen. Vorwiegend in Großstädten wie New York, Melbourne und Berlin wurden zunächst auf Brachflächen Zier- und Nutzpflanzen eingesetzt.

Lokal Lisa Schultz und Bastian Tyborski schätzen, dass sie in Kleve und der näheren Umgebung keine Mitstreiter haben. Bei den niederländischen Nachbarn in Nimwegen wurde bereits im Sommer 2008 öffentlichkeitswirksam die Stationsplein vor dem Bahnhof bepflanzt.

Die ersten Klever Guerilla-Gärtner wohnen gleich gegenüber der bepflanzten Baumscheibe. Lisa Schultz und Bastian Tyborski haben das kleine Beet im Frühjahr angelegt. "Ich habe das erste Mal von Münsteraner und Marburger Studenten davon gehört", sagt der 27-Jährige. Im Belgischen Viertel in Köln habe er an vieler Beispiele gesehen, wie derartige Aktionen eine Nachbarschaft verschönern können. Im Frühjahr dann machten er und seine Freundin ernst und trugen Lehm ab, brachten Blumenerde auf und setzten die ersten Pflanzen ein. Mit dem Ende des Sommers müssen nun wieder Laub und Unkraut entfernt werden.

Pflanzaktion

Dass beide sich zu ihrer Aktion bekennen, ist nicht selbstverständlich. Viele urbane Gärtner bleiben lieber anonym, da sie sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Genau genommen sind ihre Pflanzaktionen illegal, da fast immer Flächen begrünt werden, die nicht im Besitz der Aktivisten sind – auch, wenn die Wenigsten etwas gegen mehr Blumen im öffentlichen Raum einzuwenden haben dürften. Die Stadt Kleve, glaubt Tyborski, sehe das Treiben gelassen. "Einmal haben Mitarbeiter der Stadt die Baumscheiben gesäubert. Auch um unsere Fläche herum haben sie Dreck aufgesammelt", sagt er. Daraufhin schickte er eine Dankes-E-Mail an die Verwaltung.

Mit einem kleinen Plakat weisen beide auf den Hintergrund ihrer Aktion hin. "Wir würden uns über Nachahmer freuen", sagt Tyborski. Foto: Gottfried Evers

Dort ist die Baumscheibe an der Brabanterstraße bekannt. Das Vorgehen der Guerilla-Gärtner sei nicht zulässig, aber man müsse sich jeden einzelnen Fall ansehen und Fingerspitzengefühl zeigen, sagt Rolf Janssen, Chef der Umweltbetriebe der Stadt Kleve. "Sofern Mitarbeiter nicht in ihrer Arbeit behindert werden, es eine Bereicherung darstellt und die Menschen es mögen, belassen wir es dabei", sagt Janssen.

Die Reaktionen vieler Passanten seien positiv. "Manche bleiben stehen und lächeln", sagt Bastian Tyborski. Einmal wurde der Mini-Garten jedoch Opfer von Vandalismus, alle Blumen wurden über Nacht ausgerupft. Doch davon haben sich die Beiden nicht entmutigen lassen. Weitere Flächen wollen sie nicht in Angriff nehmen. "Über Nachahmer würden wir uns trotzdem freuen", sagt Tyborski.

Quelle: RP/rl/jul


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