Niederrhein: Gustav Hoffmann: Großes Geld mit kleinen Füßen
VON RALF DAUTE - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010 - 13:49Niederrhein (RPO). Er führte "ein Leben voller Saft und Kraft", wie es in einer Festschrift hieß: Gustav Hoffmann, der Unternehmer aus Kleve, der den modernen Kinderschuh erfand und dessen Marke "elefanten" weltberühmt wurde.
Wenn jemand anfängt, Immobilien zu sammeln wie andere Leute Modellautos, ist anzunehmen, dass er es geschafft hat. Der Klever Unternehmer Gustav Hoffmann begann 1918 Häuser zu kaufen - und zwar die besten Adressen der Stadt. Er legte sich unter anderem das berühmte Hotel Maywald (1944 zerstört) sowie das noch existierende Tanzlokal Bresserberg zu.
Gustav Hoffmann, damals um die 50 Jahre alt, hatte es geschafft. Er war das älteste von sieben Kindern, seine Eltern hatten in der Großen Straße ein Geschäft für Schuhmacherbedarf betrieben. Das Gymnasium verließ er - ohne sonderlich aufzufallen - mit dem "Einjährigen" (der Mittleren Reife vergleichbar), seine Ausbildung zum Kaufmann absolvierte er im westfälischen Brackwede. Alles unspektakulär, und als Hoffmann mit 20 Jahren in das Geschäft seines Vaters einstieg, schien das Leben in den festgefügten Bahnen des Kleingewerbes weiterzulaufen - und Hoffmann vertrieb sich seine Zeit damit, recht erfolgreich Radrennen zu fahren.
Die Firmengeschichte
Am 17. Juli 1908 wurde die Firma "Gustav Hoffmann" ins Klever Handelsregister eingetragen. 1933 ging sie mehrheitlich in den Besitz der Firma Freudenberg über, die sie wiederum 2001 an das britische Unternehmen Clarks verkaufte. 2004 verkündete Clarks das Ende der "elefanten GmbH", wie das Unternehmen nunmehr hieß.
Die Rechte an der Kinderschuhmarke "elefanten" hat sich mittlerweile das Essener Unternehmen Deichmann gesichert, das unter diesem Namen eigene Kinderschuhe vertreibt.
Die Wende
Die Geschichte nahm erst eine Wendung, als Hoffmann auf seinen aus Berlin stammenden Schwager Fritz Pannier traf. Sie entwickelten die Idee, Kinderschuhe herzustellen. Das war eine Revolution, weil es bis dahin keine Kinderschuhe gab – Kinder aus ärmlichen Verhältnissen liefen im Sommer barfuß herum, und im Winter trugen sie Holzschuhe. Wer Geld hatte, ließ sich Erwachsenen-Schuhe beim Schuster anpassen. Die Unterscheidung zwischen rechtem und linken Schuh – gab's nicht. Mit ihrem Unternehmen "Pannier & Hoffmann" erschlossen sich die Gründer also einen ganz neuen Markt und beackerten diesen mit beträchtlichem Erfolg. Als sich die Unternehmer 1908 trennten und jeder für sich weitermachte, hatte Hoffmann 130 Mitarbeiter, Pannier 112.
Mit 36 Jahren war Hoffmann sein eigener Herr, der mit Zigarre im Mund und zwei Dackeln im Geleit durch seine Fabrikhallen spazierte, einen Telefonanschluss mit der Nummer 1 besaß und sich in einem Minerva (damals das Luxusfabrikat unter den Autos) durch die Stadt chauffieren ließ. "Ein Leben voller Saft und Kraft", wie es später in einer Festschrift beschrieben wurde.
Er war reich, hieß wegen seiner brummigen Stimme in der Belegschaft "der Bär" und hatte ein Herz für seine Mitarbeiter, denen er in den Zeiten der Inflation ein eigenes Geschäft zur Versorgung mit Lebensmitteln einrichtete und für die er Werkswohnungen bauen ließ. In den Pausen bekamen die Mitarbeiter Musikbeschallung – von einem elektrischen Klavier, das Hoffmann eigens dafür angeschafft hatte.
Erst 1928 sicherte sich Hoffmann von einem Hamburger Kaufmann die Marke, mit der sein Unternehmen Weltruhm erlangte: elefanten. Doch von diesem Erfolg bekam der Klever nicht mehr viel mit. Zunächst traf die Weltwirtschaftskrise auch sein Unternehmen, er musste viele seiner Immobilien verkaufen – und schließlich 1933 auch die Mehrheit an seinem Unternehmen an seinen größten Gläubiger, den Lederlieferanten Freudenberg aus Baden.
Die Krisenzeiten hielten Hoffmann indes nicht davon ab, auf großem Fuße zu leben. Als er 1930 in Kleve Schützenkönig wurde, gab es eine Festwoche, die ihn Kleve ihresgleichen suchte. Gefeiert wurde natürlich im Hotel Maywald, obwohl dies Hoffmann schon gar nicht mehr gehörte.
Auch der Karneval 1935 wurde im Hotel Maywald gefeiert, und Gustav Hoffmann natürlich mittendrin. Beim Tanz bricht er zusammen und stirbt an einem Herzinfarkt - ein Ende, das zu seinem Leben passte.
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