kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Niederrhein: Heinz Bello: Für Kritik erschossen

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 11:19

Niederrhein (RPO). Am 5. September würde Heinz Bello 90. Der wegen Wehrkraftzersetzung 1944 hingerichtete Weseler gilt als christlicher Blutzeuge. Das Kreisdekanat hat seinen Sitz nach ihm benannt, die Stadt ehrt ihn mit einer Straße.

"Die Laternenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und Kommissköpfe daran aufzuhängen", sagte Heinz Bello zu laut und verlor sein Leben. Foto: RPO
"Die Laternenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und Kommissköpfe daran aufzuhängen", sagte Heinz Bello zu laut und verlor sein Leben. Foto: RPO

Stauffenberg, Canaris, Beck, die Geschwister Scholl: Große Widerstandskämpfer geben vielen Straßen im Weseler Stadtteil Lackhausen ihren Namen. Darunter ist auch Heinz Bello aus Wesel zu finden, der am 5. September 90 Jahre alt würde. An den Mann, dessen Gebeine neben denen von Karl Leisner und Gerhard Storm in der Krypta des Xantener Doms ruhen, wird auch auf andere Weise erinnert. Das katholische Kreisdekanat Wesel hat vor fünf Jahren seinem Sitz an der Sandstraße 24 den Namen Heinz-Bello-Haus gegeben. Weihbischof Heinrich Janssen sagte damals, dass besonders Jugendliche aus dem Schicksal lernen könnten.

Schimpfrede denunziert

Heinz Bello wurde in Breslau geboren, wuchs aber im Weseler Schillviertel auf. Er war befreundet mit Ernst-Alfred Jauch (Vater von Günther Jauch), absolvierte mit diesem 1939 das Abitur am Staatlichen Humanistischen Gymnasium Wesel und war mit ihm aktives Mitglied im Bund Neudeutschland und später dienstverpflichtet im Reichsarbeitsdienst.

Info

Mut in Wort und Tat

Kreisdechant Karl-Heinz Mengedodt schrieb 2005 in seiner Einladung für die Benennung des Heinz-Bello-Hauses: "Wir wollen die Erinnerung an ihn bewahren und ermutigen zum sozialen Engagement und zum Widerstand in Wort und Tat gegen Unrecht in Staat und Gesellschaft."

In dem Haus an der Sandstraße 24 haben unter anderem die katholischen Einrichtungen und Verbände in Wesel, das Kreisdekanat, das Kreiskomitee sowie Beratungsstellen ihren Sitz.

Nach Kriegseinsätzen in Russland war der dekorierte Soldat zum Medizinstudium nach Münster kommandiert worden. Hier hatte er am 20. Juli 1943 Luftschutzdienst im Borromaeum und Ludgerianum zu leisten. Deshalb hatte der ambitionierte Geiger einen Musizierabend abgesagt. Als er zum Dienst kam, sah er, dass er von den Plänen wieder gestrichen war und ärgerte sich laut. "Dafür hat man nun seien Musizierabend abgesagt! Die Laternenpfähle Münsters reichen nicht aus, die Nazis und Kommissköpfe daran aufzuhängen." Und mit Blick auf ein Kruzifix weiter: "Solange dieser Herrgott lebt, wird er schon dafür sorgen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen!"

Zeugen der Szene waren Fahnenjunker-Feldwebel Karl Josef Eversmann (25) und Unteroffizier Hans Bernreiter (36). Letzterer hielt sich nicht an das Abkommen, Schweigen zu wahren, und denunzierte Bello acht Monate später bei einem Stabsarzt. Im April 1944 kam es zu einer Hauptverhandlung vor dem Zentralgericht des Heeres in Berlin wegen Wehrkraftzersetzung. Ohne Entlastungszeugen. Vater Justin Bello wurde des Saales verwiesen, der Sohn zum Tode verurteilt. Gnadengesuche blieben erfolglos. Kirchentreue und Nähe zur Zentrumspartei sollen den Hass der Nazis eher noch gesteigert haben. Am 29. Juni 1944 um sechs Uhr morgens wurde Bello mitgeteilt, dass er um acht Uhr hingerichtet werde. Er schrieb an Eltern und Geschwister: "Ich habe mich ganz in seinen heiligen Willen ergeben und gebe mein Leben für ein besseres christlicheres Deutschland!"

Der 24-Jährige starb um 8.12 Uhr

Dem katholischen Standortpfarrer sagte er: "Meine letzten Worte sollen sein: Alles zur größeren Ehre Gottes!" Ohne Binde und Fesseln wartete Bello betend auf die Salve des Erschießungskommandos. Der 24-Jährige starb um 8.12 Uhr. Seitdem verehren ihn Christen am Niederrhein und im Münsterland als einen der Blutzeugen des Nationalsozialismus.

Bello wurde in Berlin auf dem St. Hedwigs-Friedhof beerdigt. Erst 1960 war es möglich, die Gebeine nach Wesel zu überführen. 1966 wurden sie exhumiert und nach Xanten überführt. Am 3. September 1966 wurde die Krypta des Domes als Gedenkstätte für neuzeitliche Märtyrer eingeweiht. Dort wird neben Bello, Leisner und Storm an viele mehr erinnert.

Quelle: RP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Fast 500 Kilometer geschwommen

Leichlingen

Fast 500 Kilometer geschwommen

132 kleine und große Sportler zeigten Leistung beim 24-Stunden-Schwimmen des Leichlinger Schwimmvereins. Es kamen 491 Kilometer im Wasser zu ... mehr 

Das Miteinander klappt nicht

Wermelskirchen

Das Miteinander klappt nicht

Die "Balkantrasse" in der Innenstadt: Fehlende Rücksichtnahme führt zu gefährlichen Situationen. Vor allem das Radeln gegen die Einbahnstraß ... mehr 

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Unges Pengste: Die Königsparade am Sonntag

Bei bestem Wetter zogen die Schützen bei "Unges Pengste" durch Korschenbroich. Rund 40.000 Besucherbesuchten die Paraden am ... mehr 

Aus der Nachbarschaft
Meistgelesen

Borussia Mönchengladbach

Ter Stegens Alptraum

Zuerst kassierte Borussias Torhüter fünf Treffer gegen den Schweiz – dann flog er aus dem deutschen EM-Kader. Für den 20-Jährigen ist es der erste große Rückschlag seiner Karriere. VON André Schahidi und Thomas Grulke  mehr

 

Mitgliederversammlung bei Hertha BSC

Berliner Fans entscheiden über Einspruch

 

Düsseldorfer Elbsee

Mann stirbt bei Badeunfall

 

Tausende Rechner von "Flame" befallen

Experten finden gefährlichen Computer-Virus

 
Meistkommentiert

Bundespräsident auf Israel-Reise

Die heikle Mission des Joachim Gauck

Die Erwartungen an Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem ersten offiziellen Staatsbesuch sind groß. Die israelische Öffentlichkeit erwartet eine klare Stellungnahme zum Holocaust. von Norbert Robers  mehr

 
 

Nach Solarstromrekord droht Aufschlag

Warum Strom immer teurer wird

 
 
MEHR
Sander van Gelder (72) mag den Lifestyle beim Golfsport.

Bedburg-Hau

Golfresort auf dem Vormarsch

Vor einem Jahr erwarb Sander van Gelder den insolventen Golfpark. Seitdem heißt er Schloss Moyland Golfresort. Nicht nur der Name ist neu. Das alte Clubhaus wurde umgebaut, die Alte Post gekauft. Im September Anbau? VON julia lörcks  mehr

 
Die Galerie am Lage Markt in Nimwegen.

Kleve

Creme des Schmuckdesigns

Einmal im Jahr lädt die Nimweger Galerie Marzee ausgesuchte Absolventen internationaler Design-Hochschulen an die Waal ein, ihre Examens- oder Diplomarbeiten auszustellen. In diesem 73 junge Schmuckdesigner aus 30 Ländern: Aus Europa, den USA, Japan, ... VON matthias grass  mehr

 
 
 
 
 
Bilder aus Kleve
 
Kreis Kleve damals und heute
Kreis Kleve damals und heute
Früher und heute: aktuelle Ansichten und historische Bilder.
mehr 
Pfingsttipps aus dem Kreis Kleve
Pfingsttipps aus dem Kreis Kleve
Ideen für das lange Pfingst-Wochenende
mehr 
Das Krokodil im Elsa-Brunnen
Das Krokodil im Elsa-Brunnen
Viel Publikum gab es bei den Dreharbeiten zum ..
mehr 
Landtagswahl 2012: So wurde im Kreis Kleve gewählt
Landtagswahl 2012: So wurde im Kreis Kleve gewählt
So hat der Kreis Kleve bei der Landtagswahl ..
mehr 
Landtagswahl 2012 im Kreis Kleve
Landtagswahl 2012 im Kreis Kleve
Bei der gemeinsamen Wahlparty im Kreishaus ..
mehr 
Kreis Kleve: Die Kandidaten des Wahlkreises 54
Kreis Kleve: Die Kandidaten des Wahlkreises 54
Hier sehen Sie die Kandidaten des Wahlkreises 54 Kleve/II
mehr 
 

RP ONLINE-Seminarreihe

So werden Sie bei Google gefunden

bornewasser.jpg

Unsere kompetenten Referenten zeigen Ihnen die Tricks der Suchmaschinen und sorgen dafür das Sie besser und schneller gefunden werden. mehr 

Familienanzeigen