Niederrhein: Hermann Ludwig Blankenburg: der Marschkönig
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 - 12:21Niederrhein (RPO). Hermann Ludwig Blankenburg schuf mehr als 1200 Stücke. Der Durchbruch gelang dem Mann, der lange in Wesel lebte, mit dem "Abschied der Gladiatoren", der noch heute täglich für die königliche Garde in London gespielt wird.
wesel Von Millionen Menschen gehört, aber den wenigsten bekannt: Das dürfte für Hermann Ludwig Blankenburg (1876-1956) gelten. Der in Thamsbrück (Thüringen) geborene "Marschkönig" schuf mehr als 1200 Musikstücke. Rund 400 sind erhalten geblieben. Das Gros erlosch mit seinem Häuschen 1945 im Bombenhagel und weiteren Verwüstungen. Es stand in seiner Wahlheimat Wesel, wo er gut vier Jahrzehnte bis zu seinem Tode lebte. Die Straße trägt heute den Namen des Komponisten. Er selbst blickt als Bronzebüste auf den Standort seines Heims.
"Abschied der Gladiatoren"
Büste von Kuno Lange
An den "Marschkönig" Hermann Ludwig Blankenburg erinnert eine Bronzebüste des Komponisten gegenüber seinem Haus in der Blankenburgstraße.
Das Denkmal wurde von dem Künstler Kuno Lange aus Hamminkeln geschaffen und am 1. September 1996 vom damaligen Bürgermeister Bernhard Gründken enthüllt. Die Büste befindet sich auf einer Säule.
Um sein musikalisches Erbe, insbesondere das Auffinden verschollener Kompositionen kümmert sich die Internationale Blankenburg-Vereinigung mit Sitz in Hamminkeln. Zudem vergeht kein Weseler Schützenfest ohne Blankenburgs Klänge, die auch im Ausland geschätzt werden: Bei der Wachablösung vor dem Buckingham-Palast in London gehört der "Abschied der Gladiatoren", mit dem er Anfang des 20. Jahrhunderts einen Wettbewerb gewann, zum Standardrepertoire. Auch die schwedischen Streitkräfte spielen Blankenburg.
"In alter Frische"
Zu weltmeisterlichen Ehren kam Hermann Ludwig Blankenberg beim "Sommermärchen 2006". Auf dem Betzenberg in Kaiserslautern präsentierte die Zellertaler Old Brass Band den Kickermarsch "In alter Frische" erstmals wieder live. Für die richtige Uraufführung sorgten wenig später die Musikanten des Isselburger Blasorchesters – natürlich beim Fest der Weseler Bürger-Schützen.
Hermann-Ludwig Blankenburg hatte schon sehr früh begonnen, sich für Musik zu interessieren. Mit zehn Jahren leitete er ein Schüler-Tambourcorps in seiner Heimatstadt Thamsbrück. Eigentlich hätte er den Hof seines Vaters übernehmen sollen, doch er wollte Militärmusiker werden. Nach zwei Jahren schied er jedoch freiwillig aus den Reihen der Uniformierten aus, kam ins städtische Orchester Barmen-Elberfeld. Er wirkte im Philharmonischen Orchester in Dortmund und im Städtischen Orchester in Duisburg. Hier komponierte er seinen ersten Marsch.
Dieser erste internationale Erfolg mit dem "Abschied der Gladiatoren verhalf Blankenburg auch in Deutschland zum künstlerischen Durchbruch. In Wesel ließ er sich als freischaffender Musiker und Musikalienhändler nieder. Nachdem Blankenburg zum Kriegsende sein Haus verlassen musste, lebte der nur 1,65 Meter kleine, aber recht gewichtige Musiker sechs Jahre lang mit ein paar Habseligkeiten auf dem Hof Boers in Hamminkeln-Loikum, später in einer Lehrerwohnung im Dorf, ehe er nach Wesel zurückkehrte. Zeitzeugen erinnern sich daran, dass der Komponist, wenn er nicht gerade redete, leise vor sich hin flötete, gefällige Melodien auf einem Stück Papier oder einfach auf seiner Hemdsmanschette festhielt. Als Loikum drei Jahre nach Kriegsende Schützenfest feierte, griff er nach dem Taktstock und dirigierte "Mein Regiment", das ebenfalls Weltruhm erlangen sollte.
In Wahlheimat Wesel beigesetzt
Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich Blankenburg aus der kompositorischen Arbeit weitgehend zurück, außer einigen Ehrenmitgliedschaften in Musikvereinigungen und Gastauftritten als Dirigent trat er kaum mehr in die Öffentlichkeit. 1956 verstarb er wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag und wurde in Wesel beigesetzt.
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