Niederrhein: Himmel und Erde
VON HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Niederrhein (RPO). In einer vierwöchigen Serie stellen Wirtschaftsförderung Kreis Kleve und RP die Hochschule Rhein-Waal vor. Der Physiker Prof. Dr. Frank Zimmer unterrichtet am Standort Kamp-Lintfort im Bereich E-Government.
kreis kleve Prof. Dr. Frank Zimmer ist ein Frühaufsteher. Auch bereits vor seiner neuen Stelle an der Hochschule Rhein-Waal wohnt er seit elf Jahren in der Nähe von Geldern. Vor Sonnenaufgang schaut er gerne in den dunklen Himmel, freut sich, die Andromeda-Galaxie mit bloßem Auge auszumachen. Leider wird die Himmelsbeobachtung von den vielen erleuchteten Gewächshäusern am Niederrhein gestört. "Der Himmel über Straelen oder Venlo brennt."
Leidenschaft für Simulationen
Der Blick in den Himmel scheint ihm in die Wiege gelegt zu sein. Frank Zimmer wurde 1969 in der Eifel geboren, in Rheinbach in der Nähe des Radioteleskops Effelsberg. Dieses Stahl-Ungetüm mit einem Durchmesser von hundert Metern hat es ihm schon immer angetan. Da war es nicht weit hergeholt, in Bonn Physik zu studieren. Seine große Leidenschaft sind Computersimulationen. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten am radioastronomischen Institut in Bonn untersuchte Zimmer Gaswolken, deren Ränder "furios heiß" sind. Im Röntgenbereich ging er diesen Plasma-Prozessen nach. Wie wird magnetische Energie in Wärme umgewandelt? Eine solche Problemstellung muss mathematisch beschrieben und mit Maschinen gelöst werden. Alles eine Frage der Programmierung und damit ein Fall für Prof. Zimmer. Doch reine Theorie war ihm auf Dauer zu wenig, unter lauter Beobachtern – des Wetters, des Himmels, des Weltalls – arbeitete er nicht nur beim Radioteleskop Effelsberg, sondern auch bei Teleskop-Stationen in Chile und Australien.
Wachstumsregion
Bürgermeister Günter Steins aus Kranenburg: "Der Kreis Kleve wird als Hochschulstandort von der Fachhochschule Rhein-Waal profitieren. Erfahrungsgemäß ziehen attraktive Hochschulstandorte eben solche Unternehmen und Arbeitsplätze nach sich. Die Fachhochschule in Kleve wird durch die Zusammenarbeit mit den grenznahen niederländischen Fachhochschulen und Universitäten der Region zwischen Kleve und Nijmegen zusätzliche Dynamik verleihen. Der Kreis Kleve zeitigt die typischen Merkmale einer modernen Wachstumsregion. Vor diesem Hintergrund ist die Fachhochschule in Kleve neben dem Flughafen Niederrhein in Weeze ein weiterer Meilenstein."
Dann entschied sich Frank Zimmer für die Industrie. Lange Jahre hat er in Essen gearbeitet, hat für das Entwicklungszentrum der Telekom gearbeitet. Als er 2005 an der Europäischen Fachhochschule Brühl einen Lehrauftrag übernahm, entdeckte er sein Faible fürs Unterrichten. Als der Professor für Wirtschaftsinformatik und Mathematik die Ausschreibung der Hochschule Rhein-Waal las, dachte er für sich, das passe genau. Das sah man auch bei der Hochschule Rhein-Waal so, und berief Zimmer als Professor an den Bereich E-Government in Kamp-Lintfort. Damit ist er jetzt näher an seiner Wahlheimat bei Geldern dran und erhält die Chance, eine neue Hochschule aufzubauen. "Das kann man besser nicht kriegen", weiß Zimmer schon jetzt und ist voller Tatendrang für einen "dynamischen Aufbruch". Bei den Mathe-Brückenkursen hat er seine Studenten bereits kennen gelernt – und sie ihn. Er weiß, dass die Kurse bei den Studenten nicht so beliebt sind, doch – "wow!" – alle hätten richtig gut mitgemacht.
Naturmensch aus der Eifel
Dynamik hat Zimmer auch zu Hause. Seine Frau, die noch eine kleine Stelle in Effelsberg hat, und er haben vier Kinder: drei Mädchen von vier, acht und zehn Jahren und einen zweijährigen Jungen. Der 40-jährige Physiker und Programmierer hat aber auch eine kreative Ader. Er hat klassische Gitarre gelernt und in einer Big-Band mit der E-Gitarre Jazz und Swing gespielt. Das liege heute alles brach, doch nicht verzichten kann der "Naturmensch aus der Eifel" auf die Natur draußen. Und die gefällt ihm auch am linken Niederrhein.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







