Kreis Kleve - mit Video: Hochschule braucht einen Ruf
VON LUDGER DISTELKAMP - zuletzt aktualisiert: 29.12.2010 - 11:31Kreis Kleve - mit Video (RPO). Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers und IHK-Geschäftsführer Mario Goedhart sprechen über die Erwartungen an die Hochschule. Die Klever Studenten sollen als Unternehmer Arbeitsplätze schaffen.
Die Unternehmen hoffen, mit der Hochschule Rhein-Waal ihren Fachkräftebedarf zu decken. Über die Erwartungen, die die Wirtschaft an die Hochschule knüpft, sprach RP-Redakteur Ludger Distelkamp mit dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve GmbH, Hans-Josef Kuypers, und dem Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer im Kreis, Mario Goedhart.
Wie hat bislang die Wirtschaft von der Hochschule profitiert?
Hans-Josef Kuypers Die Vorteile der heimischen Wirtschaft sind auf verschiedenen Ebenen zu erkennen. Das 130-Millionen-Projekt Hochschule Rhein-Waal bindet dankenswerter Weise auch große Investitionsvolumina an die heimische Region. Neben all denen, die sich um konkrete Aufträge bemüht haben und den Zuschlag erhielten, spielt der Motivationsschub – entwickelt durch diese Jahrhundert-Ansiedlung – eine ganz wichtige Rolle. Viele von uns sind eingebunden in dieses "Leuchtturm-Projekt". Das baut auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Regionale Dienstleister werden hier in naher Zukunft sicherlich ebenso zum Zuge kommen, von der Gebäudereinigung über den Mensa-Betreiber bis hin zur Hotellerie und Gastronomie. Da nun auch das Forschungszentrum der Hochschule Rhein-Waal personell besetzt ist, hat unsere heimische Wirtschaft auch eine Anlauf-Adresse für betriebliche Innovationsvorhaben. Hier werden auch die über 220 Praktikumsplätze, die durch das Kontakten der Kreis-Wirtschaftsförderung von Unternehmen für Studierende der Hochschule bereitgestellt wurden, einen Brückenschlag bewirken.
Werden die Studiengänge dazu führen, dass die Wirtschaft den Fachkräftemangel beseitigen kann?
Kuypers Diese Erwartung haben insbesondere unsere Firmenchefs, die sich schon heute auf den demografischen Wandel und die mit ihm verbundenen Probleme vorbereiten. Etwa 1050 neue Lehrverträge wurden 2010 im Kreisgebiet geschlossen – das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. In gleicher Weise werden die Firmenchefs zwischen Schwanenburg und Geldertor die ersten Hochschul-Absolventen vertraglich binden. Davon bin ich überzeugt. Die insgesamt 120 Professoren der Hochschule Rhein-Waal und die 3000 Studierenden werden ein Potenzial prägen, das es im Klever- und Gelderland so noch nie gab. Junge Menschen können sich erlauben, zeitgleich an Studium, an berufliche Karriere und an Standortverbundenheit zu denken. Das ist völlig neu.
Wie bereichert die Wirtschaft schon jetzt das Studienangebot der Hochschule, zum Beispiel durch das Angebot dualer Studiengänge?
Kuypers Die dualen Studiengänge, also das zeitgleiche Meistern von beruflicher Ausbildung in einem Unternehmen und dem Studium an der Hochschule Rhein-Waal, diese dualen Studiengänge bedeuten noch ein Nischenangebot. Etwa ein Dutzend Studierende dürften sich dieser "Wahnsinnsherausforderung" zur Stunde stellen. Die Wirtschaft liebt diese Absolventen.
Und wo gäbe es noch Wünsche der Wirtschaft an die Hochschule?
Mario Goedhart Die Wirtschaft stellt Ausbildungsplätze für dual Studierende zur Verfügung. Diese sind aber noch ausbaufähig und bedürfen des gegenseitigen Aufeinanderzugehens. Des Weiteren fördert sie den Kontakt durch das Bereitstellen von Praktikumsplätzen. Die Wirtschaft hat auch großes Interesse, Bachelor- und Masterarbeiten in den Unternehmen durchzuführen. Wichtig wäre jedoch, dass die Wirtschaft mit ihren Forderungen bezüglich der Studieninhalte noch stärker eingebunden würde. Erste Austausche haben stattgefunden. Auch für die Vermittlung des Berufsschulstoffes für dual Studierende sind noch Lösungen zu finden.
Im Umfeld von Hochschulen gründen sich Unternehmen und schaffen Arbeitsplätze. Welche könnten das bei der Hochschule Rhein-Waal sein?
Goedhart Die Hochschule muss sich zunächst einen Namen im Bereich der Forschung machen. Diese Forschungsergebnisse könnten dann in Existenzgründungen münden und dort vermarktet werden. Gute Chancen sehe ich derzeit im Life-Science-Bereich und in den Ingenieurwissenschaften. Sollte es dann so weit sein, besitzen wir als IHK und Technologiezentrum die Kompetenz, junge Unternehmen zu begleiten. Dies gilt auch für die relativ schwierige Finanzierung von Innovationen, die in der Regel zunächst Risikokapital und nicht Kredit benötigen. Die von uns gebotene Hilfe erstreckt sich von Hilfestellungen bei der Patentanmeldung bis hin zum Businessplan, mit dem Investoren gewonnen werden sollen.
Gibt es eine Strategie, wie Existenzgründer aus der Hochschule Hilfe durch die Beratungsstelle Technologie-Zentrum (TZK) Kleve bekommen?
Goedhart Existenzgründer benötigen an erster Stelle Kompetenzen im Bereich Betriebswirtschaft. Hier sind wir als zertifiziertes StarterCenter NRW besonders gut aufgestellt. Für Studenten der Hochschule habe ich einen Lehrplan entwickelt, um ihnen kompakt und praxisnah das Thema "Eigene Firma" darzustellen. Im TZK bieten wir den Existenzgründern aus der Hochschule zudem eine günstige Startmöglichkeit.
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